Bundesanstalt für Straßenwesen

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Aktive Fahrzeugsicherheit und Fahrerassistenzsysteme

Prognose des Kraftschlusspotenzials bei schweren Güterkraftfahrzeugen (82.0722)
Verschiedene Systeme zur Unfallvermeidung – beispielsweise Notbremsassistenten – besitzen als Teil ihrer Funktionalität oft eine Warnfunktion, die die Fahrer rechtzeitig auf eine nahe Gefahr aufmerksam machen soll. Eine Fahrerwarnung wäre dann besonders effektiv, wenn der Warnzeitpunkt an die mögliche Verzögerung gekoppelt wäre. Diese ist entweder durch die Leistungsfähigkeit der Bremsanlage oder den vorhandenen Kraftschluss zwischen Reifen und Fahrbahn begrenzt. Das Wissen über den streckenbezogenen und wetterbedingten Kraftschluss ist daher für fortschrittliche Warnsysteme unabdingbar. Im Projekt „Analyse von glättebedingten Güterkraftfahrzeug-Unfällen“ wurde die potenzielle Effektivität eines Warnsystems auf Basis von europäischen Unfalldaten analysiert. Die Wirkung einer an den Reibwert angepassten Warnung auf die Fahrerreaktion wurde mithilfe einer Simulatorstudie beschrieben. Es soll nun untersucht werden, ob diese Erkenntnisse und die Erkenntnisse aus den Pkw-fokussierten Projekten „Unfallvermeidung durch Reibwertprognose“ und „Reibwertschätzung als Assistenzsystem“ auf Güterkraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 12 Tonnen übertragbar sind. Bei entsprechender Signifikanz soll der Algorithmus exemplarisch in einem oder mehreren Nutzfahrzeugen verschiedenen Typs appliziert werden und die Funktionalität mit Versuchsfahrten auf geschlossenen Teststrecken und im Feld belegt werden. Bei gegenteiligem Fall soll nach alternativen Ansätzen geforscht werden.

Lastenfahrräder – Erarbeitung fahrzeugtechnischer Kategorien und konzeptionelle Überlegungen zur Verkehrsfläche (RV.0002)
Ziel des Forschungsprojekts ist eine Evaluierung der im Straßenraum genutzten Lastenräder hinsichtlich möglicher Erfordernisse zur Anpassung insbesondere der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) aber auch ansatzweise der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit. Mit Abschluss des Projektes sollen dem Verordnungsgeber wissenschaftlich gestützte Empfehlungen gegeben werden können, die einen sicheren Lastenradverkehr, hinsichtlich der fahrzeugtechnischen Kategorisierung und Ausgestaltung von Lastenrädern und Lastenanhängern in der StVZO und gegebenenfalls zur jeweils zu nutzenden Verkehrsfläche in der StVO, unterstützen. Die gewählten Kategorien sollen sich nahtlos und widerspruchsfrei in die Kategorisierung anderer Fahrzeugarten einfügen. Dabei sollen in diesem Projekt vordergründig Lastenräder und Lastenradanhänger für den Transport von Gütern betrachtet werden. Da in der Praxis häufig Mischnutzungen – gleichzeitiger oder auch ausschließlicher Transport von Personen – zu beobachten sind, werden diese ebenfalls in die Evaluierung einbezogen.

Datenverknüpfung zur Erfassung von Fahrzeugausstattungen in GIDAS (82.0756)
Die BASt betreibt gemeinsam mit der FAT das Forschungsprojekt „German In-Depth Accident Study“ zur vertieften Erhebung von Verkehrsunfällen. Ein grundsätzliches Problem bei der Unfallaufnahme ist unter anderem die korrekte Identifikation von Fahrzeugcharakteristika und Ausstattungsmerkmalen in Bezug auf Fahrzeugsicherheitssysteme. Im Rahmen des Projektes soll untersucht werden, ob durch Abfrage von Informationen zum Fahrzeug aus weiteren zur Verfügung stehenden Datenbanken, der Status quo der Datenerfassung verbessert werden kann. Es soll zudem festgestellt werden, ob die Qualität der Datenerhebung hinsichtlich des Verbaus, der Funktion und des Eingriffs durch elektronische Sicherheitssysteme dadurch verbessert werden kann, wenn ein amtlich anerkannter Sachverständiger zu den Unfällen am Unfallort hinzugezogen wird um Fahrzeugdaten auszulesen oder im Nachgang der Unfallaufnahme eine Abfrage von Fahrzeugdaten durchführt.

Werbung an Fahrzeugen (82.0742)
Fahrzeuge werden zunehmend als Träger für gewerbliche Werbung im Straßenverkehr genutzt, um potenzielle Kunden auf die Produkte oder Dienstleistungen von Unternehmen aufmerksam zu machen. Im vorliegenden Projekt werden neuartige Darstellungsformen von Werbung an Kraftfahrzeugen, die passive oder aktive lichttechnische Einrichtungen nutzen, wissenschaftlich untersucht. Es soll erörtert werden, ob und wie diese Formen der Werbung die Verkehrssicherheit beeinflussen. Ziel ist es, Grenzen aufzuzeigen, bei deren Überschreitung die Verkehrssicherheit in einer gefährdenden oder erschwerenden Weise beeinträchtigt wird. Auf dieser Grundlage soll entschieden werden, ob Werbung auf Fahrzeugen ggf. weitergehend in technischen Normen geregelt werden soll.

Wissenschaftliche Begleitung der Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr (77.0522)
Da die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr bis zum Sommer 2019 in Deutschland nicht gesetzlich geregelt war, liegen keine fundierten Erfahrungswerte darüber vor, welche Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen zu erwarten sind. Ziel der Studie ist die wissenschaftliche Begleitung der Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen im Straßenverkehr sowie die Evaluierung der sich ergebenden Effekte. Dabei stehen in Bezug zur Verkehrssicherheit unter anderem folgende Aspekte im Fokus: Aktuelles Unfallgeschehen in Deutschland und Prognose, vertiefte Unfallursachenanalyse und Analyse der Verletzungsmuster sowie Konfliktpotenzial mit anderen Verkehrsteilnehmern insbesondere Kindern, mobilitätseingeschränkten Personen und Senioren. Untersucht werden sollen außerdem Fragen zum Verkehrsablauf, zum Nutzerverhalten, zu Nutzermerkmalen und zur persönlichen Schutzausrüstung.

HEADSTART (5118005)
Der rasante technologische Fortschritt im Bereich des automatisierten und vernetzten Fahrens bietet ein großes Potenzial, den Verkehr der Zukunft sicherer, effizienter und komfortabler zu gestalten. Zugleich stellt sich die Validierung des sicheren Betriebs automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen als besonders komplex und entsprechend herausfordernd dar. Im Rahmen des europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 hat ein internationales Konsortium das Projekt „HEADSTART“ (Harmonised European Solutions for Testing Automated Road Transport) eingereicht. HEADSTART zielt darauf ab, Versuchs- und Validierungsprozesse für den sicheren Betrieb des automatisierten und vernetzten Fahrens unter Einbezug der damit verbundenen Schlüsseltechnologien weiterzuentwickeln und zu harmonisieren – beispielsweise in den Bereichen Kommunikationstechnik, IT-Sicherheit, Positionsbestimmung. Betrachtet werden dabei sämtliche Versuchsumgebungen von simulativen Untersuchungen bis hin zu Realfahrversuchen. Ebenso sollen die Anforderungen aller wichtigen Interessengruppen Berücksichtigung finden: Behörden und Einrichtungen in den Bereichen der Gesetzgebung und Typgenehmigung sowie Verbraucherschutzorganisationen, Technologieentwickler etc.

Schräglagenangst (82.710 / 5118042)
Motorradnutzer zählen zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmergruppen. Aufgrund ihrer Fahrdynamik und der Ortslage der von Ihnen meistbefahrenen Straßen, ist die Schwere ihrer Unfälle überdurchschnittlich hoch. Als weitgehend ungeschützte Verkehrsteilnehmer tragen sie bei Unfällen besonders häufig schwere Verletzungen davon. Alter, Erfahrungen, Einstellungen und Lebensstile beeinflussen gerade bei Motorradfahrern das Fahrverhalten und somit die individuelle Gefährdung und das Unfallrisiko. Zusammenfassend kann der typische Unfallablauf bei einem Motorradunfall auf Landstraßen als ein Kontrollverlust über das Motorrad beschrieben werden. In der Folge kommt es zum Abkommen von der Fahrbahn oder zur Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Auffällig ist dabei, dass diese Unfälle weniger darauf zurückzuführen sind, dass fahrdynamische Grenzbereiche erreicht wurden. Vielmehr scheinen fahrerische Defizite ursächlich zu sein. Eine Rekonstruktion tödlicher Unfälle ergab, dass keiner der verunglückten Fahrer einen Schräglagenwert von 20° überschritten hatte. In der Folge wurden sie in den Gegenverkehr getragen. Fast alle Unfälle hätten ohne Reduzierung der Geschwindigkeit, alleine durch Vergrößerung der Schräglage vermieden werden können. Fahrerfehler in Zusammenhang mit der Schräglage scheinen somit vielversprechende Ansatzpunkte zur Reduktion von Motorradunfällen auf Landstraßen zu sein. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Evaluation der von einem breiten Fahrerkollektiv gefahrenen Schräglagen, und zwar sowohl im Alltag als auch in Gefahrensituationen. Es ist eine Methodik zu entwickeln, die eine reproduzierbare Situationsanalyse zulässt. Diese soll zur detaillierteren Unfallanalyse und zur Entwicklung von zukünftigen Trainingsmethoden herangezogen werden können.

Beurteilung einer hochautomatisierten Fahrfunktion im Hinblick auf zu erwartende technische Anforderungen (5117011)
Das automatisierte Fahren ist ein zentrales Zukunftsthema im Automobil- und Zulieferbereich. In dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt PEGASUS (Projekt zur Etablierung von generell akzeptierten Gütekriterien, Werkzeugen und Methoden sowie Szenarien und Situationen zur Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen) sollen Lücken in den Bereichen Testen und Freigabe von automatisierten Fahrzeugen geschlossen werden. Es sollen die zentralen Elemente einer Werkzeugkette zur Absicherung automatisierter Fahrfahrfunktionen konzipiert und entwickelt werden. Der FAT möchte die im Rahmen von PEGASUS erarbeitete, den gesamten Produktentwicklungsprozess umfassende Methodik zur Freigabe von automatisierten Fahrzeugen mit einer rein aus Sicht der Fahrzeugsicherheit zu entwickelnden Methodik vergleichen, um die Herausforderungen bei der Entwicklung fahrzeugtechnischer Vorschriften für hochautomatisierte Fahrzeuge absehen zu können. Als Basis für die zu erarbeitende Methodik soll die in PEGASUS implementierte Situationsdatenbank sowie die sich abzeichnende Weiterentwicklung der bisher in internationalen Gremien, Verbraucherschutz und internationalen Forschungsprogrammen entwickelten Prüfszenarien dienen. Die erforderliche Methodik beinhaltet die Ableitung der Testfälle inklusive des Kataloges relevanter Umweltbedingungen, die Durchführung von Fahrzeugtests sowie deren Auswertung. Die vergleichende Analyse soll kurz nach Ende des Projekts PEGASUS vorliegen. Die BASt wird als assoziierter Partner im Projekt mitarbeiten und die Ergebnisse parallel in PEGASUS einbringen.

Bewertung der aktiven Fahrzeugsicherheit durch EuroNCAP (5188001)
Die Bewertung der passiven Fahrzeugsicherheit durch EuroNCAP ist mittlerweile ein gutfunktionierendes Mittel des Verbraucherschutzes und dient auch der Anhebung des Sicherheitsstandards der Fahrzeuge. Dieses Bewertungsprogramm wird auf die aktive Fahrzeugsicherheit (PNCAP) immer weiter ausgedehnt. Die BASt arbeitet in den Arbeitsgruppen des EuroNCAP-Konsortiums mit, um dort die deutschen Interessen in Belangen der aktiven Fahrzeugsicherheit und deren Bewertung zu vertreten. Dabei wird das Ziel verfolgt, die deutschen Vorstellungen zur Fahrzeugsicherheitsbewertung in die Arbeitsgruppen einzubringen und durchzusetzen, um das EuroNCAP-Verfahren nachhaltig zu verbessern. Bewertet werden in PNCAP bisher automatische Notbremssysteme für Fahrzeug-Fahrzeug- und Fahrzeug-Fußgänger-Konstellationen (AEB: Autonomous Emergency Braking und AEB VRU: Autonomous Emergency Braking Vulnerable Road Users), fahrspurunterstützende Systeme (LSS: Lane Support Systems) und Geschwindigkeitsbegrenzer (SAS: Speed Assist Systems). Weiterhin sind als nächste Schritte bei PNCAP Bewertungsverfahren für Kreuzungs- und Gegenverkehrsszenarien sowie für Fußgänger bei Nacht und Radfahrerszenarien geplant.

Lichttechnische Einrichtungen (5116002)
Sicht und Sichtbarkeit sind zwei wesentliche Aspekte der aktiven Fahrzeugsicherheit. Zum einen sind gute Scheinwerfer nötig, um auch nachts ausreichend weit sehen zu können. Zum anderen sollte aber auch das eigene Fahrzeug gut sichtbar sein, um nicht übersehen zu werden. Letzteres gilt sowohl in der Nacht als auch bei Tage. Darüber hinaus sollte die Beleuchtung am Fahrzeug so gestaltet sein, dass sie andere Verkehrsteilnehmer weder irritiert noch blendet. Im Rahmen von Forschungs- und Gremienarbeit werden diese lichttechnischen Themen mit Einfluss auf die Verkehrssicherheit von der BASt näher betrachtet und bei Bedarf vertieft untersucht. Dabei wird seitens der BASt Eigenforschung und begleitende Drittmittelforschung durchgeführt.

Automatische Notbremssysteme für Motorräder (82.0661)
Im Pkw-Bereich dringen automatische Notbremssysteme in immer mehr Marktsegmente vor. Mit der Berücksichtigung dieser Systeme in Euro NCAP-Testanforderungen wird ein noch stärkeres Vordringen in tiefere Marktsegmente erwartet. Vor dem Hintergrund der seit Jahren in etwa gleichbleibenden Unfallzahlen von Motorradfahrenden stellt sich die Frage, inwieweit derartige Bremssysteme auf Einspurfahrzeuge übertragbar sind. Ziel dieses Projekts ist es, Fahrdynamikbereiche zu identifizieren, in denen weitgehend gefahrlos automatische Bremseingriffe erfolgen können, sowie gegebenenfalls die bereichsabhängige Höhe der Verzögerung zu erarbeiten. Eine Abschätzung des Potenzials entsprechender Bremssysteme auf die Reduktion der Motorradunfallzahlen soll ebenfalls erfolgen. Eine derartige Potenzialabschätzung nutzt der Entscheidung, weitere, gegebenenfalls auch regelungsvorbereitende Forschung zu initiieren oder weitere Schritte auf der politischen Ebene einzuleiten. Warnende Systeme sind dabei als Untergruppe der Notbremssysteme zu sehen und ebenfalls zu betrachten.