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Rundlaufprüfanlage (RPA)

Sehen und gesehen werden sind wichtige Voraussetzungen für die Sicherheit im Straßenverkehr. Letzteres gilt in besonderem Maße für Fahrbahnmarkierungen, die für den Verkehrsteilnehmer als wesentliches Element der visuellen Führung anzusehen sind. Insbesondere motorisierte Verkehrsteilnehmer müssen ihnen, sowohl tagsüber als auch nachts und dann insbesondere bei Nässe, vertrauen können.

Das Bild zeigt die Rundlaufprüfanlage Foto Uwe Freier

Damit die Markierung den Anforderungen an die Sichtbarkeit und auch an die Haltbarkeit genügen, führt die BASt seit 1957 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, zunächst nach nationalen Vorgaben und seit 2000 nach europäischen Normen, Eignungsprüfungen durch.

Bis Mitte der 80er Jahre wurden Fahrbahnmarkierungen ausschließlich auf Prüffeldern im realen Verkehrsgeschehen erprobt. Die Prüffelder hatten jedoch den entscheidenden Nachteil, dass Ergebnisse erst nach der tatsächlichen Liegezeit zur Verfügung standen. Außerdem mussten zum Aufbringen der Markierung und der periodisch durchzuführenden Messwerterfassung Straßen gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Dies wiederum führte zu Verkehrskonflikten und großer Gefährdung des mit der Durchführung der Arbeiten betrauten Personals. Eine solche Vorgehensweise ist in Anbetracht der heute vorherrschenden Verkehrsdichte auf Deutschlands Straßen nicht mehr denkbar.

Die Straße im Labor

Um weiterhin Eignungsprüfungen durchführen zu können, wurde von der BASt eine Prüfmethode entwickelt, die weniger aufwendig und unter gleichbleibenden Randbedingungen aussagekräftiger ist, als es aufgrund der mit Prüffeldern verbundenen Unwägbarkeiten möglich ist. Die Straße wurde mittels der Rundlaufprüfanlage (RPA) ins Labor geholt. Es handelt sich dabei um eine Sonderkonstruktion, auf der nach längerer Entwicklungs- und Erprobungszeit erstmals im Jahre 1989 Eignungsprüfungen vorgenommen wurden.

Die Anlage

Im Wesentlichen besteht die RPA aus einer horizontal angeordneten Drehscheibe mit einem Durchmesser von 6,40 m, auf der bis zu 20 unterschiedliche Markierungen gleichzeitig geprüft werden können. Die Markierungen werden mit bis zu acht Prüfrädern belastet, die den vergleichbaren Verschleiß erzeugen wie reale Kraftfahrzeuge im Verkehr.

Das Bild zeigt eine Prinzipskizze der Rundlaufprüfanlage Prinzipskizze der Rundlaufprüfanlage

Die Prüfung

Die Markierungen werden auf speziellen Prüfkörpern aufgebracht, deren Zusammensetzung und Oberfläche einer feinstrukturierten Fahrbahnoberfläche aus Gussasphalt entspricht.
Markierungen werden aus unterschiedlichen Stoffen hergestellt und mit unterschiedlichen Nachstreumitteln (Reflexperlen und Griffigkeitsmittel) kombiniert, um die Sichtbarkeit auch bei Nacht sowie eine ausreichende Griffigkeit zu gewährleisten. Die Kombination aus Markierungsstoff und Nachstreumittel wird als Markierungssytem bezeichnet. Die heute meist verwendeten Markierungsstoffe sind

  • Farben,
  • reaktive (kaltplastische) Stoffe,
  • thermoplastische Stoffe und
  • Folien.

Die Prüfdauer richtet sich nach dem für das jeweilige Markierungssystem vorgesehenen späteren Einsatzzweck. So werden Markierungssysteme für den kurzzeitigen vorübergehenden Einsatz nur 100.000 Mal überrollt und für den dauerhaften Einsatz bis zu vier Millionen Mal überrollt. Im Mittel können innerhalb eines Jahres etwa 150 unterschiedliche Markierungssysteme untersucht werden. Dies liegt unter anderem auch an dem Zeitraffereffekt, der daraus resultiert, dass die geforderte Anzahl an Überrollungen auf der RPA deutlich schneller erreicht wird als in der Praxis. Bei positivem Ausgang der Prüfung, das heißt, wenn alle vorgeschriebenen Mindestanforderungen bezüglich der verkehrstechnischen Eigenschaften und der chemisch-physikalischen Eigenschaften an den Materialien erfüllt sind, stellt die Bundesanstalt für Straßenwesen für das Markierungssystem ein Prüfzeugnis aus. Die verkehrstechnischen Eigenschaften sind:

  • Nachtsichtbarkeit im trockenen und feuchten Zustand,
  • Tagessichtbarkeit,
  • Griffigkeit und
  • verbliebene Restfläche.

Ergebnisse

Die von der BASt ausgestellten Prüfzeugnisse bilden die Ausschreibungs- und Vertragsgrundlage bei der Vergabe von Markierungsarbeiten durch die Straßenbauverwaltungen der Länder im Bereich von Bundesfernstraßen.

Neben Markierungssystemen können auf der RPA auch andere, meist für den vorübergehenden, zum Teil aber auch für den dauerhaften Einsatz gedachte Elemente, wie Sichtzeichen, geprüft werden.

Die hohe Leistungsfähigkeit der RPA hat dazu geführt, dass die Industrie im Bereich Fahrbahnmarkierungen in letzter Zeit sehr aktiv ist. Sie nutzt die Möglichkeiten der RPA wesentlich häufiger, als dies bei Prüffeldern der Fall ist. Es wurden bis dato die unterschiedlichsten Markierungssysteme geprüft und die Angebotspalette konnte deutlich erweitert werden.

Auch die Umwelt konnte von den Prüfungen auf der Rundlaufprüfanlage profitieren. So werden heute nur noch löse-mittelarme Markierungsfarben und in zunehmendem Maße auch wasserverdünnbare Stoffe eingesetzt. Für gelbe Markierungsstoffe müssen keine Schwermetalle mehr zur Farbgebung verwendet werden.

Die aus den Eignungsprüfungen der RPA gewonnenen Erkenntnisse, die laufend mit Ergebnissen aus der Praxis verglichen werden, fließen in nationale und internationale Regelwerke ein und dienen damit der Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Technische Daten

  • Klimatisiertes Messlabor: 8 m x 14 m
  • Klimatisierter Prüfraum: 7,50 m x 8,50 m
  • Durchmesser der Drehscheibe: 6,40 m
  • Gewicht der Drehscheibe: ca. 15 t
  • Prüfgeschwindigkeit: 0 km/h bis 120 km/h stufenlos regelbar
  • Antrieb: Elektro-hydraulisch, 75 kW
  • Prüfräder: 4 oder 8
  • Radlast: 3.000 N
  • Prüftemperatur: von – 10 °C bis 50 °C stufenlos regelbar
  • Relative Luftfeuchte: von 40 bis 90 Prozent stufenlos regelbar
  • Klimatisierung: 2 wechselseitig einsetzbare Klima anlagen mit je 45 kW Leistung und 12.000 m3/h Luftdurchsatz
Fachbetreuer: Maike Zedler