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Demarkierbarkeit von Markierungsfolien

Das Bild zeigt ein Markierungsprüffeld Markierungsprüffeld auf der BAB A4 in Thüringen (Foto: Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr)

Markierungsfolien in Arbeitsstellen

Gelbe Markierungen sind ein wesentliches Element zur Absicherung von Arbeitsstellen (längerer Dauer) und damit von hoher Bedeutung für die Verkehrssicherheit. In Arbeitsstellen zeigen gelbe Markierungen den Verkehrsteilnehmern die temporär geänderte Spurführung visuell auf, beispielsweise im Verschwenkungsbereich. Dazu heben gelbe Markierungen gemäß der StVO vorhandene weiße Markierungen auf, ohne dass diese entfernt oder abgedeckt werden müssen.
Zur Herstellung von gelben Markierungen werden häufig werkseitig vorgefertigte Markierungsfolien eingesetzt, die durch Andrücken und mithilfe eines auf der Unterseite befindlichen Klebers mit der Fahrbahnoberfläche verbunden werden. Markierungsfolien bieten gegenüber herkömmlichen Markierungsmaterialien den Vorteil, dass sie nach Beendigung der Baumaßnahme von der Fahrbahn ohne weitere Hilfsmittel abgezogen werden können. Das Demarkieren der Folie durch Abziehen soll ohne eine Schädigung der Fahrbahndecke erfolgen. Zudem dürfen keine signifikanten Folienrückstände, Primer- oder Kleberreste auf der Decke verbleiben.

Demarkierbarkeit von Markierungsfolien

Die Vereinbarung der teils gegenläufigen Anforderungen – Dauerhaftigkeit des Verbunds, einfache Lösbarkeit – stellt hohe Ansprüche an das Design von Markierungsfolien. Haftungsprobleme können sich den Verkehrsteilnehmern in Form vorzeitig gelöster Folien ("Flatterfolien") zeigen. Aber auch die Demarkierung erweist sich in der Praxis häufig als problematisch: Markierungsfolien in Arbeitsstellen sind aufgrund zum Beispiel vergleichsweise schmaler Fahrstreifenbreiten bei zunehmenden Fahrzeugbreiten einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt. Insbesondere bei grob strukturierten Untergründen und längerer Liegezeit kann der Aufbau der Folie durch die Reifenüberrollungen beschädigt und Teile der Folie in die Fahrbahnoberfläche eingetragen werden. Beim Abziehen der Folie verbleiben dann Folienreste auf der Fahrbahn, die zur Irritation der Verkehrsteilnehmer führen können. In diesem Fall ist eine aufwendige Entfernung der Folie beispielsweise durch Fräsen erforderlich, was mit einer Schädigung der Decke einhergehen kann.

Die BASt führt Eignungsprüfungen an Markierungen mit dem Verschleißsimulator nach EN 13179 (Rundlaufprüfanlage) zur Feststellung der in Deutschland geforderten Mindestqualitäten an die verkehrstechnischen Eigenschaften und deren Dauerhaftigkeit durch. Auch für gelbe Markierungsfolien ist die Eignungsprüfung verpflichtend. Eine prüftechnische Bewertung der Demarkierbarkeit im Rahmen der Eignungsprüfung ist bisher jedoch nicht möglich, da kein anerkanntes, standardisiertes Prüfverfahren existiert.

Straßenprüffeld in Thüringen

Mit dem Ziel der Entwicklung eines Prüfverfahrens wurde der Arbeitskreis 3.6.4 „Anforderungen an die Entfernbarkeit von temporären Markierungen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. gegründet. Zur Beantwortung offener Fragen aus dem vom Arbeitskreis betreuten Forschungsprojekt „Beanspruchung und Entfernbarkeit von temporärer Fahrbahnmarkierung“ (FE 03.0479/2011/EGB) fehlen bisher weitergehende Kenntnisse zum Verhalten von Folien bei realer Verkehrsbelastung.

Mit der gemeinsamen Unterstützung der Straßenbauverwaltungen in Thüringen und Sachsen konnte im Juli 2019 die Einrichtung zweier vom Arbeitskreis betreuten Straßenprüffelder auf der BAB A4 in Thüringen realisiert werden. Die Prüffelder befinden sich auf der BAB A4 zwischen den Anschlussstellen Stadtroda und Jena-Zentrum, Richtungsfahrbahn Frankfurt am Main, und zwischen den Anschlussstellen Hermsdorf-Ost und Rüdersdorf, Richtungsfahrbahn Dresden.

Die Fotos zeigen Straßenprüffelder mit Markierungsfolien Straßenprüffeld mit Asphaltdecke auf der BAB A4 zwischen AS Stadtroda und AS Jena-Zentrum (links) und Prüffeld mit Betondecke zwischen AS Hermsdorf-Ost und AS Rüdersdorf (rechts) (Fotos: Landesamt für Straßenbau und Verkehr, Sachsen)

Wesentliches Ziel des Praxistests ist es, Kenntnisse zur Demarkierbarkeit unterschiedlicher Markierungsfolien unter realer Verkehrsbelastung zu gewinnen. Dabei werden verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt, beispielsweise die Art der Folienoberfläche, der Untergrund sowie die Anzahl der Überrollungen.

Hierzu wurden auf den etwa 200 m langen Prüffeldern insgesamt 14 verschiedene Markierungsfolien von 4 verschiedenen Herstellern in Längs- und Queranordnung auf dem jeweils rechten Fahrstreifen appliziert. Die verwendeten Folien wurden bereits auf der Rundlaufprüfanlage (RPA) der BASt eignungsgeprüft.

Die Folien wurden sowohl auf einer Fahrbahndecke aus Asphalt als auch aus Beton aufgebracht.

Die Quantifizierung der Verkehrsbelastung im Untersuchungszeitraum erfolgt mithilfe von automatischen Zählstellen in der Nähe der Testfelder. Die Demarkierung wurde in Abhängigkeit der Folienart in bis zu 3 Schritten nach einer Liegezeit zwischen 2 und 8 Monaten untersucht. Dazu wurden die Folien mit einem Abzugsgerät von der Oberfläche gelöst und die beim Abziehen auftretenden Kräfte zeitabhängig erfasst. Weiterhin wird das Schadensbild dokumentiert. Die gesammelten Daten stellen die Grundlage für die anstehende Auswertung der Untersuchungsergebnisse durch den FGSV-AK 3.6.4 dar.

Straßenprüffelder für Markierungen

Auch wenn die BASt seit 1989 die Eignungsprüfungen ausschließlich auf der RPA durchführt, stellen Feldprüfungen eine gängige Methode zur Eignungsprüfung von Markierungen oder für spezifische Fragestellungen dar – unter anderem Winterdienstbeständigkeit. Beispielsweise fanden Straßenprüffelder in Deutschland im Rahmen der Eignungsprüfung bis in die Mitte der 1980er Jahre Anwendung, wie im Bild (links) exemplarisch am damaligen Prüffeld auf der BAB A4 zwischen Köln und Aachen dargestellt. Ein weiteres Straßenprüffeld wird in Deutschland von der DSGS e. V. als Winterdienstprüffeld betrieben, das sich auf der B4 zwischen Bad Harzburg und Torfhaus befindet. Aktuell wird das Prüffeld auf der B4 im Harz auch von der BASt genutzt. Es wurden dort im August 2018 ausgewählte Muster appliziert, die bereits durch die BASt auf der RPA geprüft worden sind. Anhand des Prüffeldes sollen auf der RPA ermittelte Ergebnisse für bestimmte Eigenschaften – wie Griffigkeit oder Verschleißverhalten – mit den Ergebnissen vom Prüffeld abgeglichen werden.

Die Fotos zeigen Feldtests mit Markierungsfolien Feldtest auf der A4 in den 1970er Jahren zwischen Köln und Aachen (links) und Testfeld der DSGS im Harz auf der B4 (rechts)