GSB 7.0 Standardlösung

Erhebung Inlandsfahrleistung

Ziel des Projektes war die Ermittlung der Fahrleistung von deutschen und ausländischen Kraftfahrzeugen auf dem deutschen Straßennetz. Dazu wurden an einer definierten Stichprobe von Zählstandorten auf Autobahnen, Bundesstraßen, Landesstraßen und Kreis-/Gemeindestraßen Verkehrserhebungen durchgeführt. Bei der Stichprobe handelt es sich um eine geschichtete Zufallsstichprobe von Ort-/Zeitkombinationen.

Die Erhebung basiert auf der Nutzung von Videokameras zur automatischen Erfassung der Nationalitäten der Fahrzeuge sowie auf Radargeräten zur Zählung der Fahrzeuge differenziert nach Fahrzeugarten.

Erhebungszeitraum und Erhebungsorte

Die Beobachtungsorte (Zählquerschnitte) wurden auf der Basis einer Zufallsauswahl bestimmt. Das stichprobentheoretische Grundmodell dazu basiert auf einer Zerlegung des Untersuchungszeitraumes in T Zeitintervalle (hier das Jahr 2014 zerlegt in 365 Tage) sowie einer Zerlegung des zu untersuchenden Straßennetzes in M hinreichend kurze Streckenabschnitte (hier das gesamte mit Kfz befahrbare Straßennetz in Deutschland zerlegt in 100 Meter-Abschnitte). Auswahleinheiten sind die Kombinationen von Streckenabschnitt und Zeitintervall („Ort-Zeit-Kombinationen“). Eine einzelne Kfz-Fahrt über einen Streckenabschnitt während eines Zeitintervalls („Kfz-Durchfahrt“) stellt die Untersuchungseinheit dar. Jede Ort-Zeit-Kombination stellt im Hinblick auf das Stichprobenverfahren einen Klumpen von Untersuchungseinheiten dar.

Auf dieser Grundlage wurde ein Stichprobenplan erarbeitet, der auf dem Modell der Flächen-Wochen-Stichprobe basiert. Dabei handelte es sich um ein zweistufiges Auswahlverfahren, bei dem auf der ersten Stufe Kombinationen von Gebietseinheiten (Land- und Stadtkreise) und 14-tägigen Erhebungsperioden („Doppelwochen“) ausgewählt wurden (sogenannte „Primäreinheiten“). Bei der Auswahl der Kreise wurden diese nochmals danach geschichtet, ob der Kreis eine Grenze zum Ausland hat oder nicht. Der Stichprobenplan sah somit vor, dass in jeder Doppelwoche (14 Tage) des Jahres 2014 jeweils ein grenznaher und ein grenzferner Landkreis erhoben wird. Insgesamt fanden somit in 52 Landkreisen Erhebungen statt.

Innerhalb jeder ausgewählten Primäreinheit wurde das Straßennetz nach Straßenklasse (fünf Kategorien) und Ortslage (innerorts/außerorts) differenziert, da diese beiden Variablen als Schichtungsmerkmale für die Sekundärauswahl (Auswahl von Kombinationen aus Streckenabschnitt und Kalendertag) vorgesehen war. Dabei wurde je Schicht ein Streckenabschnittstag (für BAB zwei) zufällig ausgewählt. Insgesamt ergaben sich damit zehn Streckenabschnittstage je Landkreis. Die Zählung fand somit an 520 zufällig ausgewählten Erhebungsstandorten auf Autobahnen, Land- und Stadtstraßen im gesamten Bundesgebiet über jeweils 24 Stunden während des Jahres 2014 statt, wobei die vorbeifahrenden Kfz nach Fahrzeuggruppe und Nationalität (deutsches/ausländisches Fahrzeug) differenziert wurden.

Automatische Erfassung der Nationalitäten

Aufgrund der Erfassung über 24 Stunden sowohl bei Dunkelheit als auch unabhängig von Witterung et cetera war eine manuelle Erfassung technisch nicht realisierbar und aufgrund der enormen Belastung für das Zählpersonal nicht durchführbar. Die Erhebung basierte daher auf einer automatisierten Erfassung der Nationalität der Fahrzeuge mittels Videokameras. Dabei wurde der Bildausschnitt mittels Schrifterkennung (OCR) erkannt und die Zeichenfolge des Kennzeichens analysiert.

Das Foto zeigt Erfassungsgeräte und Autokennzeichen. (Quelle: DTV, BAS, Siemens)

Anhand des spezifischen Musters der Abfolge von Buchstaben, Ziffern, Bindestrichen und Leerzeichen konnte die Nationalität zugeordnet und zusammen mit dem Zeitstempel der Durchfahrt abgespeichert werden. Der Prozess der Datenverarbeitung lief dabei geräteintern ab, so dass weder das Kennzeichen noch Videobilder abgespeichert wurden. Die Erfassung erfolgte dabei von vorne, um bei Gespannen und Zügen die Nationalität des Zugfahrzeuges zu ermitteln. Zusätzlich erhob eine Kamera den Verkehr von hinten, um auch die Nationalität von Motorrädern zu erfassen.

Zählung und Differenzierung nach Fahrzeugarten

Unabhängig von der Erfassung der Nationalität der Fahrzeuge wurden alle Fahrzeuge, die den Zählquerschnitt innerhalb des 24-stündigen Erhebungszeitraumes passieren, gezählt.

Dabei wurden die Fahrzeuge differenziert nach Fahrzeugarten erfasst. Auf Autobahnen kamen dazu Überkopf-Radardetektoren zum Einsatz. Auf Landstraßen und auf innerstädtischen Straßen wurden die Zählungen mit Seitenradargeräten durchgeführt.

Auswertung und Hochrechnung

Die Hochrechnung des Totalwertes der Inlandsfahrleistung (Fahrleistung der in- und ausländischen Fahrzeuge in Deutschland) erfolgt grundsätzlich über die Multiplikation der Zählwerte mit der Gesamtnetzlänge des zugrundeliegenden Straßennetzes.

Da die Stichprobe der Zählabschnitte nach Ortslage und Straßenklasse geschichtet ist und in der Erhebung die Nationalität der Fahrzeuge und die Fahrzeuggruppe erfasst wurde, lässt sich die Inlandsfahrleistung je Fahrzeuggruppe in der entsprechenden Untergliederung hochrechnen.

Datenschutz

Die Abbildung zeigt eine Hinweistafel auf eine Verkehrszählung. Hinweistafel, um die videobasierte Erhebung erkennbar zu machen

Es kommen die im Rahmen einer Verwendung von Videobeobachtungstechnologie geltenden Datenschutzvorschriften (BDSG § 6b) zur Anwendung. Auf die Erhebungen wurde mittels Hinweistafel hingewiesen.

Um den Datenschutz sicher zu gewährleisten, wurde das Kennzeichen bereits im ersten Schritt der Datenverarbeitung direkt nach der Erkennung innerhalb der Kamera in eine anonymisierte Zeichenkette umgewandelt. Der gesamte Zeichenstring wurde mit einem Hash-Algorithmus irreversibel verschlüsselt und auf 18 Bit reduziert. Dadurch wurde eine Mehrdeutigkeit der Ergebnisse erzielt. Eine Rückverfolgung ist damit ausgeschlossen, da eine eindeutige Zuordnung der Fahrzeugsignatur zu Kennzeichen nicht mehr möglich ist.

Die Abbildung zeigt die Frontpartie eines Pkw und eines Lkw. Fahrzeugerkennung und Wahl des Bildausschnittes zur Kennzeichenanalyse (Quelle: Siemens)

Die Kameras wurden so ausgerichtet, dass möglichst nur der Bereich des Kennzeichens im Bildausschnitt liegt. Es wurden ausschließlich Infrarotkameras mit einem Filter im 850nm-Bereich eingesetzt. So können weder die Anzahl noch das Aussehen der Insassen eines Fahrzeugs erkannt werden.