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Ablenkung beim Autofahren

Ablenkung beim Autofahren gilt heute als eine der häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) initiierte Studie sollte ermitteln, wie häufig und wovon sich Fahrer während der Fahrt ablenken lassen. Dazu wurden auf Parkplätzen Befragungen zu den soeben beendeten Fahrten durchgeführt. In einer parallel durchgeführten naturalistischen Fahrstudie wurde geprüft, wie verlässlich die dabei gemachten Angaben sind.

Das Bild zeigt einen Mann am Steuer eines Autos mit einem Smartphone in der Hand. Besonders bei unter 25-Jährigen häufig zu beobachten: das Lesen oder Schreiben von Textnachrichten (Bild: Drazen_/E+/Getty Images)

Aufgabenstellung

Es gibt viele Möglichkeiten, sich beim Autofahren ablenken zu lassen: eine Textnachricht lesen, das Fahrziel ins Navigationssystem eintippen oder schnell etwas essen oder trinken. Ablenkung, allen voran die Benutzung von Smartphones, gilt heute als eine der Hauptursachen für Unfälle. Die bislang durchgeführten Studien zur Bestimmung der Häufigkeit solcher Nebentätigkeiten basierten entweder auf Befragungen zu länger zurückliegenden Fahrten oder auf Beobachtungen. Beobachtet wurde entweder von außerhalb des Fahrzeugs oder, in naturalistischen Fahrstudien, mittels im Fahrzeug verbauter Videokamera. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Fahrer bei Befragungen zu länger zurückliegenden Fahrten möglicherweise nicht mehr genau an alle Nebentätigkeiten erinnern können. Auch von außerhalb des Fahrzeugs sind nicht immer alle Nebentätigkeiten beobachtbar. Naturalistische Fahrstudien wiederum sind in der Durchführung sehr aufwendig.

Im Auftrag der BASt wurde von der Technischen Universität Chemnitz deshalb ein anderer Zugang genutzt. Um die auf Deutschland bezogene Auftretenshäufigkeit von Nebentätigkeiten beim Fahren zu erfassen, wurden Fahrer von Pkw auf Parkplätzen zu den letzten 30 Minuten ihrer soeben absolvierten Fahrten befragt.

Untersuchungsmethode

Die Methode, die Häufigkeit von ablenkenden Tätigkeiten mittels Face-to-Face-Befragungen direkt im Anschluss an Fahrten zu ermitteln, war zuvor in einem Forschungsprojekt der BASt entwickelt worden. Sie wurde im Rahmen des hier vorgestellten Projektes erstmalig in einem großen Rahmen eingesetzt. Die Befragungen wurden an jeweils 6 Tagen der Woche zwischen 8 und 20 Uhr in 4 Städten Deutschlands durchgeführt. Insgesamt wurden 1.072 Fahrer befragt. Um Aussagen über die Verlässlichkeit der Angaben treffen zu können, wurde zusätzlich eine naturalistische Fahrstudie mit 94 Probanden durchgeführt. Dazu wurden in die Pkw dieser Probanden Videokameras eingebaut. Die Probanden wussten zwar, dass sie beim Fahren gefilmt wurden, der Zweck dieser Maßnahme wurde aber nicht genannt. Unmittelbar nach einer Fahrt von etwa 30 Minuten Dauer wurden die Fahrer in Telefoninterviews zu den von ihnen auf der letzten Fahrt ausgeführten Nebentätigkeiten befragt. Die Angaben wurden dann mit den entsprechenden Videosequenzen abgeglichen und die Übereinstimmung geprüft.

Ergebnisse

Im Rahmen der Befragung gaben die Fahrer an, innerhalb der letzten 30 Minuten ihrer Fahrt durchschnittlich 2 Nebentätigkeiten ausgeführt zu haben. Das Lesen und Verfassen von Textnachrichten kam bei den unter 25-Jährigen besonders häufig vor. Männer führten fast doppelt so häufig Nebentätigkeiten aus wie Frauen. Telefonate über Freisprecheinrichtung und Gespräche mit Mitfahrern wie auch Essen oder Trinken kamen auf der Autobahn häufiger vor als bei Fahrten in der Stadt. Die Gefährlichkeit der durchgeführten Nebentätigkeiten wurde von den Befragten im Moment der Durchführung im Allgemeinen als eher gering eingeschätzt. Eine Ausnahme bilden hier visuell ablenkende Nebentätigkeiten.

In der naturalistischen Fahrstudie zeigten sich Unterschiede zwischen den Angaben in den Befragungen und der Videoaufzeichnung. Vor allem bewusst ausgeführte und eher seltener auftretende Tätigkeiten, wie das Telefonieren oder das Lesen und Schreiben von Textnachrichten, wurden verlässlich berichtet. Weniger verlässlich waren die Angaben, die von den Fahrern nicht als fahrfremde Tätigkeit wahrgenommen werden, beispielsweise die Bedienung von Navigationsgeräten, Radio und Klimaanlage.

Folgerungen

Die Ergebnisse der deutschlandweiten Befragung entsprechen teilweise den Ergebnissen vorheriger Studien zur Häufigkeit von Nebentätigkeiten beim Fahren. Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass Befragungen unmittelbar im Anschluss an Fahrten eine valide Methode sind, um die Häufigkeit von bewusst durchgeführten Nebentätigkeiten, wie beispielsweise die Nutzung eines Mobiltelefons, zu erfassen. Schwierigkeiten bestehen jedoch bei der Erhebung von häufig ausgeführten und kleinteiligeren Handlungen, die von Befragten eher zu selten berichtet werden.

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    Bundesanstalt für Straßenwesen
    Brüderstraße 53
    51427 Bergisch Gladbach
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    Fax: 02204 43-2550
    info@bast.de

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