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Pilotstudie zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaften für Verkehrssicherheit

Bei der Bewertung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen werden in Deutschland Kosten-Nutzen-Analysen (KNA) durchgeführt. Eine wesentliche Nutzenkomponente ist die Reduzierung von Verkehrsunfällen. Um dies in einen Geldwert umzurechnen, können verschiedene Ansätze zur Anwendung kommen. Der in Deutschland verwendete Schadenskostenansatz erfasst die immateriellen Folgen von Unfällen nur gering. International werden humanitäre Kosten mittlerweile vielfach mithilfe von individuellen Zahlungsbereitschaften für Verkehrssicherheit monetär bewertet. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) initiierte eine Pilotstudie, in der ein methodisches Konzept erarbeitet wurde, um die immateriellen Kosten zukünftig besser zu berücksichtigen.

Das Bild zeigt im Vordergrund 3 Symbole: Uhr, Unfall, Euro. Im Hintergrund ist eine Autobahn zu sehen Bei einer Befragung zur Zahlungsbereitschaft für Verkehrssicherheit mussten sich die Probanden zwischen Routen entscheiden, die durch die Attribute Reisezeit, Reisekosten und Unfallrisiko charakterisiert waren (Bild: BASt)

Aufgabenstellung

Für die Bewertung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen und Infrastrukturprojekten müssen die volkswirtschaftlichen Kosten für Verkehrsunfälle bestimmt werden, was in Deutschland derzeit mit dem Schadenskostenansatz erfolgt. Dabei werden die Kosten aus dem Ressourcenverbrauch abgeleitet, der sich infolge der Verkehrsunfälle ergibt. Immaterielle humanitäre Kosten wie Schmerzen, Leid und Verlust an Lebensqualität werden dabei nur in einem geringen Maße über Schmerzensgeldzahlungen für Unfallopfer berücksichtigt. International hat sich für die Bewertung dieser humanitären Kosten mittlerweile die Ermittlung der individuellen Zahlungsbereitschaften für Verkehrssicherheit als alternative Methode etabliert. Hier wird die Bereitschaft potenzieller Unfallopfer ermittelt, für die Vermeidung von Verkehrsunfällen zu zahlen. Zahlungsbereitschaftsanalysen werden in der Regel mittels Befragungen durchgeführt, wofür es unterschiedliche methodische Ansätze gibt, die bisher zur Anwendung kommen.

Im Auftrag der BASt erarbeitete die Fakultät Verkehrswissenschaften an der Technischen Universität Dresden ein methodisches Konzept zur Bestimmung von Zahlungsbereitschaften für Verkehrssicherheit in Deutschland. Ziel war es, dieses Konzept auch mittels einer pilothaften Erhebung zu erproben. Dabei sollten verschiedene Verletzungskategorien berücksichtigt werden, um sowohl der bisherigen deutschen als auch der internationalen Klassifizierung der Verletzungsschwere gerecht zu werden.

Untersuchungsmethode

Bei der Erhebung kamen Diskrete Wahlmodelle zum Einsatz, bei denen sich die Befragten für eine von wenigen Alternativen entscheiden müssen. Dies wurde umgesetzt als Entscheidungen zwischen Routen, die durch die Attribute Reisezeit, Reisekosten und Unfallrisiko charakterisiert waren. In die Untersuchung wurden 214 Probanden einbezogen. Die Erhebung erfolgte mittels einer persönlich assistierten computergestützten Befragung. Zusätzlich wurde die Befragung für eine Teilgruppe mit Fahrten der Routenalternativen in einem Fahrsimulator verknüpft, um zu prüfen, ob die plastische Darstellung im Fahrsimulator einen Einfluss auf die Zahlungsbereitschaften hat.

Ergebnisse

Die verwendeten Diskreten Wahlmodelle erwiesen sich als geeignetes Instrument zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaften für die Verkehrssicherheit. Ebenso hat sich das Grundkonzept des verwendeten Fragebogens als zweckmäßig herausgestellt. Unter den zusätzlich geprüften Einflussgrößen hatten lediglich das Geschlecht und das Versicherungsniveau der Befragten einen nachweisbaren Einfluss auf die Höhe der Zahlungsbereitschaften. Frauen weisen hierbei gegenüber Männern eine höhere Wertschätzung für die Verringerung des Todesfallrisikos sowie des Risikos leichter Verletzungen auf. Probanden, die sich unterdurchschnittlich gegen Unfallfolgen versichert fühlen, weisen gegenüber den übrigen Personen eine signifikant höhere Wertschätzung für die Reduzierung des Todesfallrisikos auf. Ein Einfluss des Alters war hingegen über verschiedene Modellspezifikationen hinweg nicht eindeutig identifizierbar. Für alle sonstigen, in den Modellvarianten getesteten potenziellen Einflussgrößen, wie Einkommen, Familienstand, Haushaltsgröße, Wegezweck, Regelmäßigkeit der Pkw-Nutzung und so weiter, konnten keine signifikanten Effekte festgestellt werden. Die Fahrsimulation hatte weder einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der ermittelten Zahlungsbereitschaften noch auf die Eindeutigkeit der Routenwahlentscheidungen der Probanden.

Folgerungen

Die Ergebnisse dieser Piloterhebung leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, Unfallkosten ermitteln zu können, bei denen auch die immateriellen Kosten besser berücksichtigt werden. Zur Harmonisierung der Konzepte von Unfallkostenerhebungen der europäischen Länder wurden die Empfehlungen aus dieser Studie fortlaufend mit einem internationalen Expertenkreis geteilt.

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