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Barrierefreies Reisen mit Fernlinienbussen

Barrierefreies Reisen soll künftig auch mit Fernlinienbussen zum Standard werden. Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde ein Handbuch erarbeitet, das Herstellern, Betreibern und Nutzern die Orientierung erleichtern soll. Neben den gesetzlichen Vorgaben sind Empfehlungen enthalten, wie die Umsetzung von Barrierefreiheit bei Bussen, bei der Infrastruktur und beim Betrieb gelingen kann. Eine Adaption auf europäischer Ebene wird angestrebt.

Das Bild zeigt die seitliche Front eines Busses Neben Plätzen für Rollstuhlfahrer gibt es in diesem Bus auch Sitzplätze für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität (Kennzeichnung gemäß UN/ECE R 107; Bild: STUVA e. V.)

Aufgabenstellung

Der demografische Wandel und der wachsende Mobilitätsanspruch älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen lassen barrierefreies Reisen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig haben seit der Liberalisierung des Fernverkehrs Reisen mit Fernlinienbussen stark zugenommen. Seit dem 1. Januar 2020 müssen deshalb Busse, die im Fernbuslinienverkehr eingesetzt werden, bestimmte Kriterien der Barrierefreiheit erfüllen. Im Auftrag der BASt erarbeitete die STUVA e. V., Köln das Handbuch “Barrierefreiheit im Fernbuslinienverkehr”, mit dem eine Hilfestellung zur Umsetzung der gesetzlichen Verordnungen erleichtert werden soll. Über die Anforderungen an die Fahrzeuge hinaus wurde dabei der Fokus auf die Infrastruktur und den Betrieb gelegt.

Untersuchungsmethode

Als Unterbau des Projektes diente die Auswertung und Ergänzung vorangegangener Studien zum Thema. Zur zielführenden Orientierung bei der Verwendung des Handbuchs wurden die rechtlichen Grundlagen in gesetzlich verbindliche sowie optionale Maßnahmen unterteilt und gekennzeichnet. Weiterhin wurden die bisher bekannten Beispiele für Barrierefreiheit auf ihren aktuellen Status und mögliche Weiterentwicklungen hin überprüft. In Expertengesprächen wurden weitere Maßnahmen aus den Bereichen Fahrzeuge, Infrastruktur und Betrieb identifiziert und technische Sachverhalte geklärt. Die Maßnahmen für die Umsetzung eines barrierefreien Fernbuslinienverkehrs wurden textlich erläutert und, soweit möglich, durch bildliche Darstellungen ergänzt. Bei der Auswahl und Darstellung der Maßnahmen wurde die Umsetzbarkeit zudem hinsichtlich des technischen, betrieblichen und finanziellen Aufwands sowie bezüglich einer möglichen Nachrüstung bewertet. Die Maßnahmen, die im Handbuch veröffentlicht werden sollten, wurden abschließend in einem Workshop diskutiert. Kontinuierlich eingebunden in das Projekt waren Vertreter aller maßgeblichen Akteure. Abschließend wurde das Handbuch in eine barrierefreie Fassung umgesetzt, damit die Inhalte einem Großteil der Menschen mit Behinderung zugänglich sind.

Ergebnisse

Seitens der Fahrzeughersteller werden bereits praxisgerechte technische Lösungen gemäß den gesetzlichen Vorgaben angeboten, die jedoch noch nicht weit verbreitet sind. Aufgrund der kurzen Erneuerungszyklen ist zu erwarten, dass sich relativ zügig eine Marktdurchdringung von Fahrzeugen ergibt, die mindestens den aktuellen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Es zeigte sich weiterhin, dass im Zusammenhang mit der technischen Barrierefreiheit der Fahrzeuge auch die Hilfsmittel mit betrachtet werden müssen. So sind die zukünftig in Fernlinienbussen vorhandenen Rollstuhlstellplätze mit entsprechenden Rollstuhlrückhaltesystemen auszustatten, welche bestimmungsgemäß zu verwenden sind. Hier bedarf es verbindlicher Vorgaben sowie technischer Maßnahmen, um eine sichere Lösung für möglichst viele Rollstuhlfahrer zu erreichen.

Bei neueren Fernbusbahnhöfen und Rastanlagen gibt es bereits Beispiele für umgesetzte Maßnahmen zur verbesserten Barrierefreiheit. Das Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) und die DIN-Normen des barrierefreien Bauens zeigen zielführende Lösungsmöglichkeiten auf. Wegen der langen Erneuerungszyklen bei der Infrastruktur ist keine kurzfristige Bestandsumsetzung zu erwarten. Bei den betrieblichen Maßnahmen besteht Nachholbedarf vor allem bei der barrierefreien Informationsvermittlung und der Buchung. Nicht alle Wünsche mobilitätseingeschränkter Fahrgäste lassen sich in der Praxis umsetzen, da sie unter wirtschaftlichen Aspekten nicht durchsetzbar sind. Dies gilt beispielsweise für rollstuhlgerechte Bordtoiletten. Die Analyse des gesetzlichen Rahmens für die Barrierefreiheit im Fernbuslinienverkehr ergab kaum praxisrelevante rechtliche Probleme. Bei der Sicherung von Kindern in Fernlinienbussen bleiben jedoch offene Fragen zur Verwendung von Kinderückhalte-Einrichtungen bestehen.

Folgerungen

Es ist zu erwarten, dass das Handbuch zur zügigen Verbreitung zielführender Lösungen in den Bereichen Fahrzeuge, Infrastruktur und Betrieb beiträgt. Die Zugänglichkeit des Fernbuslinienverkehrs für alle Nutzergruppen wird dadurch nachhaltig verbessert. Konkrete Vorschläge für verbindliche Regelungen zur Ausweitung der Anforderungen an die Barrierefreiheit von Fahrzeugen im Fernbuslinienverkehr wurden bereits seitens des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) auf europäischer Ebene eingebracht.

Das Handbuch Barrierefreiheit im Fernbuslinienverkehr kann auf der Webseite des BMVI heruntergeladen oder bestellt werden (www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/StV/handbuch-barrierefreiheit-im-fernbuslinienverkehr).

Forschung kompakt als Download: 08/2020

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    Bundesanstalt für Straßenwesen
    Brüderstraße 53
    51427 Bergisch Gladbach
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    Fax: 02204 43-2550
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