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Risikoverhalten junger Fahrer und Fahrerinnen: Der Einfluss von Gleichaltrigen

Die Tatsache, dass Gleichaltrige einen wichtigen Einfluss auf das Fahrverhalten junger Fahrerinnen und Fahrer ausüben, ist seit längerem bekannt. Eine neue Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kann nun nachweisen, wie stark dieser Einfluss tatsächlich ist und wie gut die jungen Leute die Einstellungen und das Verhalten ihrer Freunde einschätzen.

Das Bild zeigt lachende junge Leute in einem Auto Unterwegs mit Freunden — und wer bestimmt die Fahrweise? (Bild: Loop Delay / Getty Images)

Aufgabenstellung

Das BASt-Projekt „Einfluss gleichaltriger Bezugspersonen (Peers) auf das Mobilitäts- und Fahrverhalten junger Fahrerinnen und Fahrer“ untersucht, ob und wie sehr riskantes Fahrverhalten junger Leute durch Merkmale des Freundeskreises (Peer-Gruppe) erklärt werden kann. Zwar finden sich in der Literatur zahlreiche Aussagen über den Einfluss durch die Peers, eine genaue Bestimmung der Stärke dieses Einflusses stand jedoch bislang aus. Der methodische Ansatz, der hierzu gewählt wurde, kann als ausgesprochen innovativ bezeichnet werden. Vergleichbare internationale Studien dieser Art liegen bislang nicht vor.

Untersuchungsmethode

Um die Forschungsfrage beantworten zu können, wurde ein methodischer Ansatz gewählt, bei dem repräsentativ 311 junge Pkw-Fahrerinnen und Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren sowie jeweils 3 ihrer guten Freunde ausführlich zu verkehrssicherheitsrelevanten Aspekten befragt wurden. Insgesamt bestand die Stichprobe aus 1.244 Personen. Für 3 unterschiedliche Formen des Risikoverhaltens beim Autofahren wurde untersucht, wie stark sie von Merkmalen der Person und von Merkmalen der Peer-Gruppe dieser Person beeinflusst werden. Die untersuchten Risikoverhaltensweisen waren: Fahren mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit, Fahren nach dem Konsum von Alkohol und Handybenutzung während des Fahrens.

Ergebnisse

Der starke Einfluss der Peer-Gruppe auf das Risikoverhalten junger Fahrerinnen und Fahrer konnte klar nachgewiesen werden. Der Erklärungsanteil beträgt für jede der 3 Risikoverhaltensweisen etwa 30 Prozent. Das heißt, dass etwa ein Drittel der statistischen Streuung des jeweiligen Risikoverhaltens durch Merkmale der Peer-Gruppe erklärt werden kann. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass das eigene Risikoverhalten deutlich stärker von der wahrgenommenen Häufigkeit des Risikoverhaltens der Freunde (deskriptive Norm) beeinflusst wird als von der wahrgenommenen Einstellung der Freunde zu diesem Risikoverhalten (injunktive Norm). Weiterhin zeigte sich, dass die Risikoakzeptanz und das Risikoverhalten der Peers von jungen Fahrerinnen und Fahrer häufig überschätzt werden.

Folgerungen

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Bedeutung des Peer-Gruppen-Einflusses auf das Verhalten junger Fahrerinnen und Fahrer im Straßenverkehr. Sie bestätigen damit auch die Notwendigkeit von Verkehrssicherheitsmaßnahmen, die auf die Peer-Gruppe gerichtet sind. Diese Ausrichtung erhält ein besonderes Gewicht auch dadurch, dass junge Fahrerinnen und Fahrer das Risikoverhalten ihrer Peers überschätzen, also von der Realität abweichende Vorstellungen vom Risikoverhalten ihrer Bezugsgruppe haben. Daher sind kommunikative Maßnahmen zur Korrektur dieser Vorstellungen zu empfehlen.

Außerdem sollten Appelle an jene Mitglieder einer Peer-Gruppe adressiert werden, die besondere Akzeptanz genießen und eine meinungsführende Rolle innehaben und damit auch die Einstellungen der anderen Mitglieder der Peer-Gruppe beeinflussen. Dieser „Multiplikatoreffekt“, den das Risikoverhalten einzelner Mitglieder der Peer-Gruppe auf andere ausüben kann, ist auch für die Verkehrssicherheitsmaßnahmen relevant. Hier kann es beispielsweise darum gehen, an die soziale Verantwortung zu appellieren, indem verdeutlicht wird, dass durch das eigene Verhalten eine Vorbildfunktion in positiver wie in negativer Hinsicht eingenommen wird.

Durch die Berücksichtigung der Rolle des sozialen Kollektivs kommt diese Studie der Alltagsrealität der Menschen deutlich näher und liefert so eine optimierte empirische Grundlage für die künftige Planung zielgruppenorientierter Kommunikationsstrategien. Dabei ist die große Affinität junger Fahrerinnen und Fahrer zu neuen Medien eine wichtige Grundlage; die Kommunikation verläuft überwiegend über Kurznachrichten und E-Mails sowie soziale Netzwerke. Insgesamt leistet sie somit einen innovativen Beitrag zur Erforschung der für die Verkehrssicherheitsarbeit nach wie vor besonders wichtigen Zielgruppe der jungen Fahrerinnen und Fahrer.

Forschung kompakt als Download: 16/2019

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    Bundesanstalt für Straßenwesen
    Brüderstraße 53
    51427 Bergisch Gladbach
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    Fax: 02204 43-2550
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