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Motorradschutzhelme – Identifizierung ihres Verbesserungspotenzials unter Berücksichtigung des Motorradunfallgeschehens

Die Anzahl der schweren Unfälle mit motorisierten Zweirädern ist weiterhin besorgniserregend hoch. Alarmierend ist auch die große Anzahl schwerverletzter und getöteter Aufsassen, die trotz Schutzhelm zu Schaden kommen. Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde nun eine Analyse von Unfalldaten und Verletzungsmustern von schwer verunglückten Zweiradfahrenden durchgeführt. Die Ergebnisse sollen in eine Überarbeitung der Helmnorm UN-R 22 einfließen.

Das Bild zeigt die Lage und Häufigkeit von Unfall-Kontaktspuren an 360 Helmen Lage und Häufigkeit von Unfall-Kontaktspuren an 360 Helmen (Bild: Projet RIDER (Recherche sur les accidents Impliquant un Deux Roues motorisé))

Aufgabenstellung

Im Vergleich zu allen anderen Verkehrsteilnehmern ist die Anzahl der schweren Unfälle mit motorisierten Einspurfahrzeugen überproportional hoch. Die hohe Zahl schwerverletzter und getöteter Aufsassen motorisierter Zweiräder rückt die Schutzausrüstung in den Fokus. Im Rahmen einer Unfalldatenanalyse sollten Erkenntnisse zum Verbesserungspotenzial der Schutzwirkung von Motorradhelmen gewonnen werden. Im Auftrag der BASt untersuchte das Institut für Rechtsmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Breisgau in Zusammenarbeit mit LS-ICube, Universität Straßburg, Frankreich Unfalldaten und Verletzungsmuster schwer verunglückter Zweiradfahrer und -fahrerinnen. Ziel war die Bewertung neuer Kriterien für den Kopfschutz sowie die Identifizierung von Änderungsvorschlägen für die Überarbeitung der Helmnorm UN-R 22.

Untersuchungsmethode

Zur grundlegenden Darstellung der Entwicklung des Unfallaufkommens, der Verletzungsfolgen sowie der wesentlichen Unfallmerkmale wurden die amtlichen Unfalldaten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet. Für Aussagen zur Wirkung von Motorradschutzhelmen im Unfallgeschehen wurden Daten der “German In-Depth Accident Study“ (GIDAS) herangezogen. Die Analyse von 3.611 Unfällen mit schwerverletzten oder getöteten Aufsassen erlaubte eine Segmentierung nach Unfalltypen sowie Aussagen zum Helmtrageverhalten in Deutschland. Vergleichend wurden Auswertungen von Unfällen motorisierter Zweiräder in Frankreich durchgeführt und unfallbedingte Anprallspuren an Schutzhelmen analysiert (Bild). Daraufhin wurden die derzeitigen Prüfbedingungen für Motorradschutzhelme auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht. Nach einer Abschätzung der Belastungen des Kopfes wurden ergänzende computergestützte FEM-Simulationen durchgeführt.

Ergebnisse

Die Auswertung schwerer Unfälle mit motorisierten Zweirädern zeigte, dass Aufsassen von Motorrädern sechs- bis zehnmal so häufig tödlich verunglücken wie Nutzer und Nutzerinnen von Mofas und Mopeds. Während sich etwa die Hälfte der Unfälle auf die neun häufigsten Unfalltypen verteilen, verunglückte ein Viertel der Aufsassen bei Unfalltypen mit einer Häufigkeit von weniger als einem Prozent, was die Vielfalt des Unfallgeschehens zeigt. Die detaillierte Untersuchung von 199 Unfällen ergab, dass in etwa der Hälfte der Fälle trotz benutztem Schutzhelm Kopfverletzungen davongetragen wurden. Laut GIDAS-Daten trugen rund 75 Prozent der Aufsassen einen Integralhelm, fünf Prozent einen Jethelm. Die weiteren Verunfallten trugen einen Halbschalenhelm, sonstige ungeeignete Helme oder waren ohne Helm unterwegs. Bedingt durch einen größeren Anteil an Mofas und Mopeds im Straßenverkehr liegt die Gesamtzahl der getöteten Aufsassen motorisierter Zweiräder in Frankreich höher als in Deutschland.

Nach den aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnissen der Verletzungs-Biomechanik sowie nach dem Stand der Technik gewährleistet die Motorradschutzhelmnorm UN-R22 nicht mehr in ausreichendem Maße einen Verletzungsschutz. Eher wird eine Weiterentwicklung der Helme unter Nutzung neuer Werkstoffe und Technologien beeinträchtigt. Zur Fortschreibung der UN-R 22/05 wurden deshalb Empfehlungen erarbeitet. Als wesentliche Verbesserung wird der Austausch der ISO-Kopfform gegen einen Hybrid III Dummy-Kopf angesehen. Zusätzlich wurden Alternativvorschläge zu Umfang und Ausstattung sowie zur Durchführung und zu den angelegten Kriterien der Prüfung erarbeitet. Vorgeschlagen wird zudem eine fälschungssichere Homologations-Kennzeichnung.

Folgerungen

Die Analyse des Unfallgeschehens motorisierter Zweiradfahrender lässt erforderliche und umsetzbare Gegenmaßnahmen erkennen, um die hohe Zahl von schwerverletzten und getöteten Unfallopfern zu senken. Die Projektergebnisse bieten eindeutige Erkenntnisse, um die Sicherheitswirkung von Motorradschutzhelmen künftig erheblich zu verbessern. Die erarbeiteten Empfehlungen sollten daher in eine Überarbeitung der UN-R 22/05 einfließen.

Forschung kompakt als Download: 05/2018 (PDF, 235KB)

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    Bundesanstalt für Straßenwesen
    Brüderstraße 53
    51427 Bergisch Gladbach
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    Telefon: 02204 43-9101
    Fax: 02204 43-2550
    info@bast.de

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