GSB 7.0 Standardlösung

Unfallgeschehen schwerer Güterkraftfahrzeuge

Unfälle mit Beteiligung schwerer Güterkraftfahrzeuge (sGkfz) ziehen oft besonders schwere Folgen nach sich. Doch nicht alle dieser Fahrzeugtypen sind gleichermaßen an Unfällen beteiligt. Dies ergab eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zur Entwicklung des Unfallgeschehens schwerer Güterkraftfahrzeuge. Die Analyse lieferte drei Schwerpunkte, die in Szenarien zusammengefasst und im Detail untersucht wurden: Auffahr-Unfälle, Unfälle an Knotenpunkten sowie Spurverlassen-Unfälle. Diese drei Szenarien decken drei Viertel aller Unfälle unter Beteiligung eines sGkfz ab. Maßnahmen zur Verhinderung von Unfällen, etwa durch Fahrassistenzsysteme haben daher in diesen drei Szenarien das größte Potenzial.

Das Bild zeigt die Entwicklung der Unfallschwere in einem Diagramm Entwicklung der Unfallschwere (Bild: BASt)

Aufgabenstellung

Verkehrsunfälle, an denen schwere Güterkraftfahrzeuge beteiligt sind, bergen durch den Größen- und Massenunterschied ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für den Unfallgegner. Schwere Güterkraftfahrzeuge, werden jedoch im Rahmen der polizeilichen Unfallaufnahme nicht separat codiert. Informationen zum Unfallgeschehen der verschiedenen Teilgattungen liegen somit nicht in ausreichendem Maße vor. Anknüpfend an eine Unfalluntersuchung aus dem Jahr 2003 analysierte die BASt das Unfallgeschehen schwerer Güterkraftfahrzeuge und erstellte einen umfassenden Statusbericht.

Untersuchungsmethode

Auf der Grundlage statistischer Unfalldaten sowie zusätzlicher Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes erfolgte in einem ersten Schritt eine Bestimmung von vier separaten Teilgruppen schwerer Güterfahrzeuge. Unterschieden wurde zwischen Sattelzugmaschinen und schweren Lkw mit Anhänger oder ohne Anhänger sowie schweren Lkw mit Spezialaufbau. Anschließend erfolgte eine Untersuchung der Unfälle mit Personenschaden im Zeitraum von 2002 bis 2015. Zusätzlich zu der Betrachtung der Unfälle unter Beteiligung schwerer Güterfahrzeuge wurde die Unfallentwicklung in den einzelnen Teilgruppen analysiert. Die ausgewerteten Daten zum Unfallgeschehen umfassten unter anderem Unfalltyp, Unfallart und Ortslage, aber auch Lichtverhältnisse, Anzahl und Verkehrsbeteiligungsart der Beteiligten sowie Angaben zum Hauptverursacher und Unfallursachen. Aus den Verschneidungen von Unfallart und Unfalltyp wurden Konstellationen erstellt, die dann zu drei Szenarien zusammengefasst wurden. Detailuntersuchungen ermöglichten die Identifizierung charakteristischer Merkmale des Unfallgeschehens und der beteiligten Fahrer und Fahrerinnen von schweren Güterkraftfahrzeugen.

Ergebnisse

Über den Untersuchungszeitraum von 2002 bis 2015 wurde für alle Unfälle mit Personenschaden ein Rückgang von 16 Prozent verzeichnet. Die Anzahl der Unfälle unter Beteiligung eines schweren Güterkraftfahrzeuges nahm zwar sogar um 19 Prozent ab, erreicht aber nicht den von der Gesamtheit aller Güterkraftfahrzeuge erzielten Rückgang von 26 Prozent. Im Detail zeigt sich zudem, dass sich das Unfallgeschehen der vier Teilgruppen schwerer Güterkraftfahrzeuge nicht gleich entwickelt; insbesondere die Anzahl der Unfälle unter Beteiligung einer Sattelzugmaschine ist im letzten Untersuchungsjahr 2015 sogar höher als im Ausgangsjahr 2002. Zudem sind Unfälle unter Beteiligung einer Sattelzugmaschine oder eines schweren Lkw mit Anhänger im Ausgangsjahr deutlich schwerer als Unfälle unter Beteiligung eines schweren Lkw ohne Anhänger oder eines schweren Lkw mit Spezialaufbau. Der Unterschied verringert sich jedoch bis zum Ende des Untersuchungszeitraumes.

Im Jahr 2015 ereigneten sich 11.261 Unfälle mit Personenschaden unter Beteiligung eines schweren Güterkraftfahrzeuges. Das entspricht vier Prozent aller Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden dieses Jahres in Deutschland. Jedoch wurden bei Unfällen unter Beteiligung eines schweren Güterkraftfahrzeuges 524 Personen getötet, das sind 15 Prozent aller bei Unfällen Getöteten. An fast zwei Drittel aller derartigen Unfälle war eine Sattelzugmaschine beteiligt. Bei mehr als zwei Drittel der Unfälle gibt es einen zweiten Beteiligten, am häufigsten einen Pkw. Aus der Gruppe der ungeschützten Verkehrsteilnehmenden waren insbesondere Fahrradfahrende an Unfällen mit schweren Güterkraftfahrzeugen beteiligt. Bei knapp einem Viertel der Unfälle waren drei und mehr Beteiligte involviert. Die Unfallschwere war bei diesen Unfällen am höchsten. Die durchgeführte Strukturanalyse ergab, dass drei Viertel aller Unfälle mit schweren Güterfahrzeugen den Schwerpunkten Auffahrunfälle, Unfälle an Knotenpunkten sowie Spurverlassen-Unfälle zuzuordnen sind.

Folgerungen

Um die Anzahl der Unfälle unter Beteiligung eines schweren Güterkraftfahrzeugs künftig weiter zu reduzieren, erscheint es notwendig, für die vier Teilgruppen des Fahrzeugsegments unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen. Mit Blick auf die drei häufigsten Unfallszenarien weisen Maßnahmen zur Verhinderung von Unfällen, etwa durch Fahrassistenzsysteme, hier das größte Potenzial auf.

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