GSB 7.0 Standardlösung

Qualitätsstufenkonzepte zur anlagenübergreifenden Bewertung des Verkehrsablaufs auf Außerortsstraßen

Neue Verfahrensansätze sollen dazu beitragen, Netzabschnitte als Folgen von Strecken und Knotenpunkten in Übereinstimmung mit den Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN) aus netzplanerischer Sicht zu bewerten. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ließ deshalb anlagenübergreifende Qualitätsstufenkonzepte entwickeln, welche Netzabschnitte auf Autobahnen und Landstraßen berücksichtigen. Durch neue Berechnungsverfahren wird eine Bewertung der Angebotsqualität in sechs Qualitätsstufen ermöglicht. Die Ergebnisse sind in die Fortschreibung des Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS), Ausgabe 2015, eingeflossen.

Das Foto zeigt die Untergliederung des Autobahnnetzes in Netzabschnitte, Strecken und Teilstrecken Untergliederung des Autobahnnetzes in Netzabschnitte, Strecken und Teilstrecken (Bild: Technische Universität Dresden)

Aufgabenstellung

Die RIN (2008) fordern den Nachweis der Einhaltung vorgegebener Zielgrößen der Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten auf Netzabschnitten im Bemessungszeitraum nach HBS. Dazu wird ein Verfahrensansatz benötigt, der die Ermittlung von Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten ermöglicht. Im Auftrag der BASt entwickelten das BSV Büro für Stadt-und Verkehrsplanung, Aachen, und der Lehrstuhl für Straßenverkehrstechnik der TU Dresden Qualitätsstufenkonzepte, mit denen die Angebotsqualität auf Außerortsstraßen anlagenübergreifend bewertet werden können. Damit soll der Nachweis geführt werden, dass die Verkehrsnachfrage auf Netzabschnitten mit einer der Straßenkategorie angemessenen Fahrtgeschwindigkeit abgewickelt werden kann.

Untersuchungsmethode

Basierend auf der Auswertung und dem Vergleich bisheriger Ansätze erfolgte die Festlegung des Konzepts zur anlagenübergreifenden Bewertung. Untersucht wurden sowohl Ansätze auf Basis der absoluten Fahrtgeschwindigkeit als auch Ansätze mit Fahrtgeschwindigkeit- und Fahrtzeitindizes. Für die anlagenübergreifende Bewertung von Netzabschnitten wurde auf Basis umfassender Testrechnungen ein Verfahren für die netzplanerische Bewertung in Form von sechs Qualitätsstufen der Angebotsqualität A bis F erarbeitet. Dazu wurden netzplanerische Bezugsgrößen zur Bewertung einer bestehenden beziehungsweise geplanten Anlage hergeleitet.

Ergebnisse

Die Beurteilung der Angebotsqualität von Netzabschnitten im Sinne der RIN erfolgt anhand von Ziegrößen der erreichbaren Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten auf dem Netzabschnitt. Dabei wird die in einem Netzabschnitt zu erwartende mittlere Pkw-Fahrtgeschwindigkeit auf eine aus der RIN abgeleitete Referenzgeschwindigkeit bezogen. Als maßgebendes Bewertungskriterium wurde ein Fahrtgeschwindigkeitsindex definiert, dem entsprechende Grenzwerte für die sechs Stufen der Angebotsqualität zugeordnet wurden. Bei der Ableitung eines Bewertungsmaßstabes für den Fahrtgeschwindigkeitsindex wurde festgestellt, dass die als Referenz genutzte, in den RIN für Autobahnen angegebene Bandbreite der angestrebten Pkw-Fahrtgeschwindigkeit tendenziell nicht den realistisch erreichbaren Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten entspricht. Ergänzend abgeleitet wurden zudem angestrebte mittlere Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten für Stadtautobahnen. Mit den modifizierten Referenzwerten konnte ein plausibler Bewertungsmaßstab in Form von Grenzwerten der Fahrtgeschwindigkeitindizes für die sechs Stufen der Angebotsqualität für die Beurteilung dieser Angebotsqualität von Netzabschnitten von Autobahnen hergeleitet werden. Dieser ist ebenfalls für die Beurteilung der Angebotsqualität von Netzabschnitten von Landstraßen verwendbar. Der große Einfluss der Knotenpunkte auf Landstraßen erfordert jedoch eine Variierung der Referenzgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Länge des Netzabschnitts. Zusätzliche Zeitverluste durch Verzögerungen und Beschleunigungen vor und hinter plangleichen Knotenpunkten fanden Berücksichtigung. Da die ermittelten tatsächlich erreichbaren Pkw-Fahrtgeschwindigkeiten für mehrere Landstraßenkategorien deutlich höher lagen als die in den RIN angegebenen Bandbreiten, wurden die entsprechenden Referenzgeschwindigkeiten angepasst.

Folgerungen

Mit den Ergebnissen der Untersuchung stehen nun Verfahren zur Verfügung, mit denen die Angebotsqualität von Netzanschnitten gemäß den Zielgrößen der Richtlinien für integrierte Netzgestaltung in sechs Qualitätsstufen bewertet werden können. Für Fälle außerhalb des jeweiligen Anwendungsbereichs wurden Hinweise zur Anwendung alternativer Verfahren gegeben. Die Ergebnisse flossen als standardisiertes Verfahren in die Fortschreibung des Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS), Ausgabe 2015, ein. Die Bandbreiten der Zielgrößen der RIN wurden in einem Korrekturblatt angepasst.

Forschung kompakt als Download: 16/2016 (PDF, 429KB)

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