GSB 7.0 Standardlösung

Verkehrstechnisch optimiertes Linksabbiegen vom nachgeordneten Straßennetz auf die Autobahn zur Vermeidung von Falschfahrten

Falsches Linksabbiegen an Anschlussstellen wird als häufige Ursache für Falschfahrten auf Autobahnen angesehen. Eine optimierte Markierung und Beschilderung kann dazu beitragen, das intuitiv richtige Abbiegen vom nachgeordneten Straßennetz auf die Autobahnrampe zu unterstützen. Mithilfe empirischer Untersuchungen und Tests im Fahrsimulator erforschte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) verschiedene Varianten auf ihre Praxistauglichkeit. Die resultierenden Empfehlungen sollen dazu beitragen, Falschfahrten zu vermeiden.

Das Foto zeigt zwei empfohlene Markierungsvarianten für signalisierte und nicht-signalisierte Knotenpunkte Empfohlene Markierungsvarianten für signalisierte und nicht-signalisierte Knotenpunkte (Bild: TU Dresden und Frauenhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme)

Aufgabenstellung

Unfälle aufgrund von Falschfahrten auf Autobahnen sind selten, weisen aber in der Regel eine besonders hohe Unfallschwere auf. Als häufige Ursache für Falschfahrten wird falsches Linksabbiegen an Anschlussstellen angesehen. Im Auftrag der BASt untersuchten deshalb die TU Dresden (Lehrstuhl für Straßenverkehrstechnik) und das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme unterschiedliche verkehrstechnisch optimierte Markierungsvarianten an Anschlussstellen. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen sollen dazu beitragen, das intuitiv richtige Verhalten beim Abbiegen vom nachgeordneten Straßennetz auf die Autobahnrampe zu unterstützen und helfen, dadurch Falschfahrten zu vermeiden.

Untersuchungsmethode

Zugrunde gelegt wurden Markierungsvarianten, die vom aktuellen Regelwerk (Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS)) abwichen, sich aber bereits in einem vorab durchgeführten Pilotversuch als erfolgversprechend erwiesen hatten. Zur empirischen Erhebung des Fahrverhaltens wurden diese mit Anschlussstellen verglichen, die eine RMS-konforme Markierung aufwiesen (Kontrollgruppe). Videogestützte Verkehrserhebungen sowie Radarmessungen und Beobachtungen des Fahrverhaltens bei Tag und bei Nacht dienten dazu, das Orientierungs- und das Abbiegeverhalten der Linksabbieger an den Autobahnanschlussstellen zu analysieren. Darüber hinaus fand im Fahrsimulator eine Untersuchung an acht Anschlussstellen mit verschiedenen Markierungs- und Beschilderungsvarianten für Linksabbieger statt. Überprüft wurden fünf Untersuchungsvarianten ohne Lichtsignalanlage (LSA) und drei Varianten mit LSA. Als Fahrparameter wurden neben den Fahrlinien auch Geschwindigkeitsverläufe sowie die Einscher- und Abbiegepositionen erhoben. Darüber hinaus wurde das Blickverhalten der Versuchspersonen mithilfe eines optischen Blickregistrierungssystems erfasst. Von besonderem Interesse waren gruppenbezogene Ausprägungen respektive Unterschiede des objektiven Fahrverhaltens. In Nachbefragungen konnten zudem subjektive Einschätzungen zum Simulatortest und zu den verschiedenen Untersuchungsvarianten ermittelt werden.

Ergebnisse

Fast alle Anschlussstellen mit modifizierter Markierung wurden von den Probanden als vergleichsweise leichter zu befahren eingeschätzt. Im Ergebnis der empirischen Untersuchungen und der Probandenversuche im Fahrsimulator wurde für nicht signalisierte Anschlussstellen eine Markierungsvariante favorisiert, bei der die Wartelinie weiter innen im Knotenpunkt liegt als bisher. An signalisierten Anschlussstellen gilt dies entsprechend für den Versatz der Haltelinie in Richtung Knotenpunktmitte. Dadurch wird erreicht, dass sich der Abbiegepunkt weiter in Richtung Knotenpunktmitte verschiebt, was die Gefahr des falschen Abbiegens in die Ausfahrtöffnung der Rampe erheblich reduziert. Als sinnvoll werden sowohl an signalisierten als auch an nicht signalisierten Anschlussstellen zusätzliche Richtungspfeile nach der Warte- oder Haltlinie angesehen. Als weitere Maßnahme wird eine innere Abbiegeleitlinie in Verbindung mit einer einseitigen Fahrstreifenbegrenzung (Sonderform des Zeichens 296 StVO mit Breitstrich) genannt. Das Zeichen 222 StVO, vorgeschriebene Vorbeifahrt, sollte eingedreht sein und durch eine Leitplatte (Zeichen 626 StVO) ergänzt werden. Im Hinblick auf die Bestimmungen der Richtlinien für Signalanlagen (RiLSA 2010) muss in jedem Fall eine Abstimmung der Standorte der Signalgeber mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde erfolgen.

Folgerungen

Durch die Forschungsergebnisse liegen nun Erkenntnisse darüber vor, welche Maßnahmen für eine eindeutigere Markierung und Beschilderung ein intuitiv richtiges Verhalten beim Abbiegen vom nachgeordneten Straßennetz auf die Autobahnrampe unterstützen. Die am besten geeigneten Varianten wurden bei der Überarbeitung der Richtlinien für die Markierung von Straßen bereits berücksichtigt. Eine schnelle Umsetzung der Empfehlungen an Knotenpunkten, die in der Vergangenheit als Beginn von Falschfahrten identifiziert wurden, ist wünschenswert. Die Wahrscheinlichkeit jener Falschfahrten, die ihren Ursprung durch falsches Abbiegen an den Anschlussstellen haben, kann damit verringert werden.

Forschung kompakt als Download: 01/2016 (PDF, 409KB)

Bestellung eines gedruckten Exemplars.

  • Kontakt

    Bundesanstalt für Straßenwesen
    Brüderstraße 53
    51427 Bergisch Gladbach
    Info-Service
    Telefon: 02204 43-9101
    Fax: 02204 43-2550
    info@bast.de

  • Bestellung

    Haben Sie Interesse am regelmäßigen Bezug einer oder mehrerer unserer Veröffentlichungen?
    Mit unserem Bestellformular nehmen wir Sie in unseren kostenfreien Verteiler auf.

    Bestellformular