GSB 7.0 Standardlösung

Verkehrsbezogene Eckdaten und verkehrssicherheitsrelevante Gesundheitsdaten älterer Verkehrsteilnehmer

Im Zuge der demografischen Entwicklung steigt die Anzahl älterer Verkehrsteilnehmer stetig an. Altersspezifische gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie die Einnahme von Medikamenten können deren Fahrtauglichkeit jedoch beeinflussen. Im Rahmen einer Untersuchung analysierte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) daher das Mobilitätsverhalten und verkehrssicherheitsbezogene Einstellungen sowie Gesundheitsdaten älterer Menschen. Aus diesen Ergebnissen können Empfehlungen abgeleitet werden, wie sich die Sicherheit im Straßenverkehr weiter verbessern lässt.

Das Foto zeigt eine ärztliche Untersuchung Eine Mobilitätsberatung durch Hausärzte bietet sich ebenso an wie freiwillige Fahrtrainings (Bild: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., Bonn)

Aufgabenstellung

Mit dem erhöhten Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt auch die Zahl älterer Führerscheininhaber. Dem Wunsch nach einer möglichst lange währenden, aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, können jedoch gesundheitliche Einschränkungen entgegenstehen. Im Auftrag der BASt untersuchte das Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM) an der Universität Bonn deshalb das Mobilitätsverhalten sowie spezifische mobilitäts- und gesundheitsbezogene Einstellungen und Bedürfnisse älterer Verkehrsteilnehmer. Erforderlich war eine Erfassung verkehrssicherheitsrelevanter Gesundheitsdaten wie Erkrankungen und Medikamenteneinnahme. Analysiert werden sollten zudem Zusammenhänge mit dem Mobilitätsverhalten. Untersuchungsziel war die Entwicklung von Empfehlungen, um den Bedürfnissen und Schwierigkeiten älterer Verkehrsteilnehmer Rechnung tragen zu können und letztlich die Verkehrssicherheit insgesamt zu verbessern.

Untersuchungsmethode

Als Grundlage der Studie dienten eine umfassende Literaturrecherche sowie die Verwendung bereits vorliegender Erhebungsinstrumente und Befunde aus abgeschlossenen Forschungsprojekten. Mittels einer Telefonbefragung von 2.000 Personen im Alter ab 50 Jahren sowie 1.000 Personen zwischen 16 und 49 Jahren wurden aktuelle repräsentative mobilitäts- und gesundheitsbezogene Eckdaten der Zielgruppe gewonnen. Zusätzlich zu den medizinischen Aspekten wurden auch psychologische und soziodemografische Merkmale erfasst.

Ergebnisse

Etwa 90 Prozent der älteren Befragungsteilnehmer sind im Besitz einer Fahrerlaubnis; 60 Prozent nutzen ihren Pkw täglich. Die Möglichkeit, Aktivitäten ohne Auto zu erledigen, wird von den Älteren als eher schlecht eingeschätzt; ein erheblicher Teil der Älteren nutzt den öffentlichen Nahverkehr nie. Gleichzeitig fahren immer mehr Ältere nur noch bis zu 7.500 Kilometer pro Jahr; in einer derart geringen Jahresfahrleistung besteht jedoch ein zusätzlicher Risikofaktor für die Verkehrssicherheit. Sowohl in Bezug auf Punkte im Fahreignungsregister als auch auf die Unfallbeteiligung der letzten drei Jahre sind Ältere seltener auffällig.

Erkennbar ist eine Anpassung des Mobilitätsverhaltens an den eigenen Gesundheitszustand: Obwohl die älteren Befragten wesentlich häufiger verkehrssicherheitsrelevante Medikamente einnehmen, nimmt nur eine Minderheit der Senioren auch unter dem Einfluss von Medikamenten und Krankheiten als Autofahrende am Straßenverkehr teil. Modelltests im Rahmen der Untersuchung zeigten zudem einen weiteren wichtigen Kompensationsmechanismus auf: Die Handlungskompetenzerwartung älterer Verkehrsteilnehmer, also die Überzeugung, ein Auto in bestimmten Risikosituationen sicher führen zu können, wirkt sich positiv auf das Unfallrisiko aus und kann durch eine ausreichende Fahrpraxis gesteigert werden.

Folgerungen

Ältere Autofahrer verfügen über wirksame Kompensationsmechanismen, die in der Regel eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr gewährleisten; sie passen ihr Verhalten wirksam an ihren gesundheitlichen Zustand an: Da die Älteren beispielsweise häufiger an Augenerkrankungen leiden, vermeiden sie Fahrten bei schlechten Sichtverhältnissen konsequenter als jüngere Fahrer. Eine Mobilitätsberatung durch Hausärzte bietet sich sowohl wegen der Expertise der Ärzte bezüglich verkehrssicherheitsrelevanter Erkrankungen und Medikation als auch durch ihre Rolle als Vertrauens- und Autoritätsperson an. Sie sollte insbesondere eine Sensibilisierung für das erhöhte Unfallrisiko bei Multimorbidität oder Depression umfassen. Empfohlen werden zudem präventive freiwillige Beratungs- und Trainingsangebote, die auf die individuellen Mobilitätsanforderungen und -bedürfnisse der Älteren eingehen.

Forschung kompakt als Download: 22/2015 (PDF, 761KB)

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