GSB 7.0 Standardlösung

Psychische Folgen von Verkehrsunfällen

Schwere Verkehrsunfälle führen nicht allein zu körperlichen Verletzungen, psychische Beschwerden sind ebenfalls eine häufige Folge. In der Verkehrssicherheitsforschung haben die psychischen Auswirkungen von Unfällen bislang jedoch wenig Beachtung gefunden. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersuchte Art, Schwere sowie den langfristigen Verlauf psychischer Folgen von Verkehrsunfällen.

Foto zeigt eine Unfallszene Psychische Beschwerden sind eine häufige Folge schwerer Verkehrsunfälle (Bild: Guido Rosemann, Bundesanstalt für Straßenwesen)

Aufgabenstellung

In die Bewertung der Schwere von Unfällen im Straßenverkehr fließen vorrangig die körperlichen Verletzungen ein. Häufig stellt ein Unfall jedoch auch ein psychisches Trauma dar. Insbesondere Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden können die bisherige Kontinuität des Lebens unterbrechen. Die gewohnte Lebensordnung, vertraute Rolleninhalte und Wertesysteme können ebenso wie die Lebenszielplanung und die gesamte persönliche Identität plötzlich in Frage gestellt werden. Psychische Beeinträchtigungen in Folge von Straßenverkehrsunfällen sind im Kontext der Unfallfolgenforschung bislang noch unterrepräsentiert. Auch im Hinblick auf die Entwicklung von Maßnahmen finden sich nur vereinzelt zielgruppenspezifische Ansätze. Vorrangiges Ziel der Untersuchung war es, Informationen zur Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten infolge von Verkehrsunfällen zu gewinnen. Darüber hinaus sollten Faktoren ermittelt werden, welche die Entwicklung psychischer Beschwerden im Sinne von Schutz- oder Risikofaktoren beeinflussen.

Untersuchungsmethode

In der Studie wurden zahlreiche Informationen zu prä-, peri- und posttraumatischen Faktoren bei Unfallopfern gesammelt. Ziel dieser umfassenden Erhebung war es, ein möglichst vollständiges Bild der mit einem Verkehrsunfall assoziierten Faktoren zu erhalten. Von besonderer Bedeutung war die Identifikation jener Faktoren, die bei der Entwicklung psychischer Auffälligkeiten eine Rolle spielen. Zu diesem Zweck wurde eine auf die Entwicklung ausgerichtete Befragung von Verkehrsunfallopfern, die sich zur stationären Behandlung in einem Akutkrankenhaus befanden, durchgeführt. Die Befragung erfolgte zu drei Messzeitpunkten: zu Beginn der stationären Behandlung (n1 = 226), bei der Entlassung aus der Klinik (n2 = 20) sowie sechs bis zwölf Monate nach dem Unfall (n3 = 189). Die Datenerhebung erfolgte mittels Interview, Fragebogen und Auszügen aus der Patientenakte.

Ergebnisse

Etwa ein Drittel der Befragten leidet sowohl zu Beginn der stationären Behandlung als auch ein Jahr nach dem Unfall an Angstsymptomen und gut ein Viertel an depressiven Symptomen. Bei jeweils etwa der Hälfte dieser Patientinnen und Patienten sind die Symptome derart ausgeprägt, dass von einer ernstzunehmenden Störung auszugehen ist. Ein hoher Anteil der psychisch Beeinträchtigten leidet sowohl unter Angst- als auch depressiven Symptomen. Posttraumatische Belastungsstörungen zeigen sich direkt nach einem Unfall bei etwa einem Drittel der untersuchten Opfer, bis zum Zeitpunkt der letzten Befragung erhöhte sich der Anteil auf 44 Prozent. Eine Zunahme der Beschwerdehäufigkeit ist in allen Schwerekategorien festzustellen. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass etwa jedes vierte Unfallopfer unter ernst zu nehmenden psychischen Beschwerden wie Angst, Depression oder einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. In den meisten Fällen sind die psychischen Symptome dauerhaft. Patientinnen und Patienten mit psychischen Vorbelastungen sind besonders häufig betroffen. Als relevant für die Vorhersage psychischer Unfallfolgen erwiesen sich mehrere Faktoren: Patienten, die bereits in der frühen Phase nach dem Unfallgeschehen psychisch auffällig sind, die über eine Verschlechterung der von ihnen erlebten sozialen Unterstützung berichten und/oder psychisch vorbelastet sind, weisen ein höheres Risiko auf, ernsthaft psychisch zu erkranken.

Folgerungen

Ein konkreter Handlungsbedarf leitet sich in erster Linie bei den für die medizinische Versorgung Schwerverletzter zuständigen Einrichtungen ab. Im Hinblick auf die Relevanz einer auffälligen Anfangssymptomatik scheint es geboten, gefährdete Verunglückte möglichst früh im Behandlungsprozess zu identifizieren, um gezielt therapeutische Maßnahmen einleiten zu können. Neben der Sensibilisierung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte und des Pflegepersonals für psychische Auffälligkeiten könnte insbesondere der Einsatz psychologisch-diagnostischer Verfahren zur Abklärung des Risikofaktors "Frühsymptomatik" beitragen.

Forschung kompakt als Download: 14/2014 (PDF, 511KB)

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