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Leichte Sprache in der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung

BASt-Bericht M 296

Bernhard Schrauth, Bartholomäus Zielinski, Bernhard Mederer unter Mitarbeit von Andreas Schubert, Alexander von Poblocki, Silvia Wiegel, Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
69 Seiten
Erscheinungsjahr: 2020
Projektnummer: FE 82.0732/2019
Preis: 0,00 €

Dieser Bericht steht ausschließlich kostenfrei im elektronischen BASt-Archiv ELBA zur Verfügung.

Ausgangspunkt der vorliegenden Forschungsarbeit ist die Frage, ob die Erarbeitung und Erprobung einer Konzeption zur „Leichten Sprache in der Theorieprüfung“ aus wissenschaftlicher Sicht angezeigt sind. Das Angebot einer TFEP in Leichter Sprache würde dem Leitgedanken der Inklusion –Menschen mit Behinderung die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen – folgen. Ungeklärt sind allerdings die Fragen, ob die Leichte Sprache für eine Übersetzung der TFEP prinzipiell geeignet ist, sowie ob die TFEP ohne Verschlechterung der Prüfungsqualität und ohne Einschränkung der Verkehrssicherheit in die Leichte Sprache übersetzt werden kann.

Die Bearbeitung des Forschungsthemas erfolgte anhand von drei Arbeitsschritten, die als Ganzes einen Überblick über den in Wissenschaft und Praxisweitgehend unbearbeiteten sowie unverbundenen Forschungsgegenstand geben.

Den ersten Schritt zur Bearbeitung des Forschungsthemas bildete eine Literaturanalyse, die getrennt für die beiden Themenfelder der Leichten Sprache und der TFEP durchgeführt wurde. Die Literaturanalyse im Themenfeld der Leichten Sprache erfasst diese als ein Kommunikationsmittel, das durch sprachliche Vereinfachungen primär zum Leseverständnis von Menschen mit Lernschwierigkeiten, geistiger Behinderung oder kognitiven Einschränkung sowie auch von Menschen mit prälingualer Schwerhörigkeit beziehungsweise Gehörlosigkeit beitragen soll.

Die Leichte Sprache folgt hierbei eigenen Regeln, die allerdings in konkurrierenden Regelwerken festgehalten sind. Ein einheitliches oder auch standardisiertes Konzept der Leichten Sprache ist dementsprechend nicht vorhanden.

Die Literaturanalyse im Themenfeld der TFEP nimmt für eine mögliche Übersetzung und Durchführung der TFEP in Leichter Sprache relevante organisatorische Aspekte in den Blick. Des Weiteren wird die Erstellung und auch die beständige Evaluation der Prüfungsfragen beleuchtet, deren methodischen Gütekriterien eine etwaige Übersetzung der Prüfungsfragen ebenso genügen müsste.

Im zweiten Arbeitsschritt erfolgte die Durchführung von insgesamt sieben Experten/-inneninterviews. Hierzu wurden Experten/-innen aus dem Themenfeld der Leichten Sprache sowie aus dem Themenfeld der TFEP rekrutiert. Die Experten/-innen des Themenfeldes Leichter Sprache weichen in ihren Einschätzungen hinsichtlich der Anwendbarkeit von Regeln, der Verwendung eines bestimmten Regelwerkes und der Übersetzbarkeit von Fachbegriffen und Formeln häufig voneinander ab. Mit der explorativen Methode der Experten/-innenbefragung konnten jedoch Problemfelder benannt werden, die sich etwa auf den Interpretationsspielraum bei einer Übersetzung, die Rechtssicherheit einer Übersetzung der TFEP in Leichte Sprache sowie den Zugang zu einer TFEP in Leichter Sprache erstrecken.

Der dritte Arbeitsschritt umfasste die Testübersetzung von zwölf ausgewählten Prüfungsfragen in Leichte Sprache, die von einem professionellen Übersetzungsbüro umgesetzt wurde. Dabei traten unter anderem bei der Übersetzung von Fachbegriffen und Formeln Schwierigkeiten auf. Der Aufwand, den eine vollständige Übersetzung aller Prüfungsfragen aus dem amtlichen Führerschein-Fragenkatalog zur Folge hätte, kann mit der Testübersetzung nur in Ansätzen erfasst werden. Die Erkenntnisse deuten auf einen umfassenden Arbeitsaufwand hin.

In der Gesamtschau der Resultate aus der Literaturanalyse, dem empirischen Material aus der Experten/- innenbefragung und der Testübersetzung zeigen sich in Teilen Einschränkungen in der prinzipiellen Eignung der Leichten Sprache für eine Übersetzung der TFEP. Eine Übersetzung der Prüfungsfragen und damit die Bereitstellung einer validen TFEP in Leichter Sprache könnte dadurch beeinflusst werden.

Eine umfassende Erarbeitung und Erprobung einer Konzeption zur „Leichten Sprache in der Theorieprüfung“ erscheint deshalb weniger empfehlenswert. Im Falle einer weiteren Bearbeitung dieses Forschungsthemas wäre die Klärung der identifizierten Diskussionspunkte unter Beteiligung der jeweiligen Experten/-innen ein möglicher nächster Schritt.

Easy-to-read language in the German theoretical driving test

Starting point of the present research work is the question of whether the development and testing of a concept for “Easy-to-read language in the German theoretical driving test” is indicated from a scientific point of view. Offering the German theoretical driving test in easy-to-read language would follow the principle of inclusion, enabling people with disabilities to participate in society.

However, the following two questions are unclear: First, is easy-to-read language basically suitable for a translation of the German theoretical driving test? Second, would the translation of the German theoretical driving test into easy-to-read language be possible without impairing the quality of the test and traffic safety?

These research questions were dealt with in the current project by means of three working steps. All three working steps together provide an overview over the two research subjects – easy-to-read language and theoretical driving test – which are so far largely unrelated in research. The first step in dealing with the research questions was a literature analysis, which was carried out separately for the two subjects of easy-to-read language and the theoretical driving test. The literature analysis on easy-to-read language captures easy-to-read language as a means of communication which, through linguisticsimplifications, is primarily intended to contribute to the reading comprehension of people with learning difficulties, mental disabilities or cognitive impairments as well as of people with prelingual hearing loss or deafness.

Easy-to-read language follows specific rules, which, however, are laid down in competing sets of rules. Thus, easy-to-read language is currently not a uniform or even standardized concept.

The literature analysis on the theoretical driving test focuses on relevant organisational aspects for a potential translation and implementation of a theoretical driving test in easy-to-read language in Germany. Furthermore, the creation and the permanent evaluation of the examination questions are elaborated on. A translation of the examination questions would have to meet methodological criteria as well.

In the second step, a total of seven expert interviews were conducted. For this purpose, experts were recruited from the subject areas of easy-to-read language and of the theoretical driving test. The easy-to-read language experts often differed in their assessments of the applicability of rules, the use of a certain set of rules and the translatability of technical terms and formulas. With the explorative method of an expert survey, however, it was possible to identify problematic discussion points such as the leeway for interpretation in the translation process, the legal certainty of a translation of the theoretical driving test into easy-to-read language and the access regulations to a theoretical driving test in easy-to-read language.

The third step involved a test translation of twelve selected examination questions into easy-to-read language, which was carried out by a professional translation agency. Difficulties were encountered among others with the translation of technical terms and formulas. The effort that a complete translation of all examination questions from the official driving license question catalogue would entail can only be recorded to a limited extent with the test translation. Nevertheless, the findings indicate a comprehensive workload.

Overall, the results from the literature analysis, the empirical material from the expert survey and the insights gathered with the test translation reveal some limitations in the basic suitability of easy-toread language for a translation of the theoretical driving test. A translation of the examination questions and thus the provision of a valid theoretical driving test in easy-to-read language could be influenced by these limitations.

A comprehensive development and testing of a concept for “Easy-to-read language in the German theoretical driving test” therefore appears less recommendable. If this research topic were to be worked on further, a possible next step would be to clarify the identified discussion points. For this clarification, experts for the creation of the examination questions and for their translation into easy-to-read language should be involved.

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  • Berichte zum Download

    Die Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen stehen ab dem Jahrgang 2003 zum Teil als kostenfreier Download im elektronischen BASt-Archiv ELBA zur Verfügung.