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Verkehrssicherheitsrelevante Leistungspotenziale, Defizite und Kompensationsmöglichkeiten älterer Autofahrer

BASt-Bericht M 231

Sebastian Poschadel, Michael Falkenstein, Gerhard Rinkenauer, German Mendzheritskiy, Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der Technische Universität Dortmund
Bruno Fimm, Britta Worringer, Univiersitätsklinik Aachen, Neurologische Klinik, Lehr- und Forschungsgebiet Neuropsychologie
Tülin Engin, Uwe Kleinemas, Georg Rudinger, Zentrum für Alterskulturen an der Universität Bonn, (ZAK)
115 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Preis: 19,00 €

Bestellung eines gedruckten Exemplars beim Carl Schünemann Verlag GmbH

In Deutschland sind ältere Menschen das am stärksten wachsende Segment der Bevölkerung. Insofern wird der Straßenverkehr den Prognosen nach in den nächsten Jahrzehnten durch einen wachsenden Anteil älterer Kraftfahrer geprägt werden. Bisher fehlt jedoch eine umfassende Dokumentation, in der die Grundlagen über verkehrsbezogene Leistungspotenziale und -defizite sowie über Kompensationsmöglichkeiten älterer Verkehrsteilnehmer zusammengefasst dargestellt sind, um auf diese Entwicklungen adäquat reagieren zu können. Darüber hinaus besteht die Frage, welche Mindestanforderungen für verschiedene verkehrssicherheitsrelevante Leistungsbereiche an ältere Autofahrer in Zukunft zu stellen sind.

In dem vorgelegten Forschungsprojekt wurde weitgehend zusammengetragen, was derzeit aus international wissenschaftlicher Perspektive zur Frage von Leistungspotenzialen, Defiziten und Kompensationsmöglichkeiten älterer Kraftfahrer auf der Mikro- und der Makroebene ausgesagt werden kann. Die Literaturbefunde wurden außerdem (zum Teil) in einer Fahrverhaltensprobe im Realverkehr überprüft.

Neuere Forschungsergebnisse der psychologisch / neurologischen und medizinischen Wissenschaften zeigen deutlich, dass der alternde Mensch gut in der Lage ist, sich den eigenen nachlassenden Fähigkeiten anzupassen, auch im Straßenverkehr. Zwar verringert sich über die Lebensspanne das Leistungsvermögen (auch beim Autofahren), wird aber meist durch eine aktive Anpassung des Verhaltens an die Situationsanforderungen (Kompensation) ausgeglichen. Auch sind die absoluten Unfallzahlen älterer Autofahrer gering im Vergleich mit allen anderen Altersgruppen. Das zeigt einen insgesamt sehr verantwortungsvollen Umgang mit der Fahrerlaubnis. Individuelle Leistungsunterschiede sind mit zunehmendem Alter in allen untersuchten Bereichen ganz erheblich. Es lassen sich deshalb auf Basis des kalendarischen Alters kaum individuelle Vorhersagen über das Leistungsvermögen in einzelnen Bereichen machen.

Zusammenfassend hat sich gezeigt, dass das psychometrische und motorische Leistungspotenzial weitgehend gesunder älterer Kraftfahrer erheblich ist und durch gezieltes Training aktiviert werden sollte. Wenn allerdings eine Krankheit vorliegt, deren Risikopotenzial bekannt ist, sollte gegebenenfalls geprüft werden, welches Leistungsvermögen in Bezug auf das Autofahren noch besteht.

Eine grundsätzliche Frage bestand darin zu prüfen, ob es sinnvoll ist (und aus wissenschaftlicher Sicht vertretbar wäre), aufgrund der bei Älteren nachlassenden motorischen und kognitiven Fähigkeiten andere Mindestkriterien für das Führen eines Kraftfahrzeuges anzulegen als bei allen anderen Gruppen von Autofahrern. Nach der Würdigung aller Ergebnisse des Forschungsprojektes muss diese Frage eindeutig verneint werden.

Wie schon früher gezeigt wurde, ist es nicht möglich, die Fahrkompetenz bei Älteren auf Basis von "Laborwerten" vorherzusagen. Im Wesentlichen hat sich im Empiriemodul des Forschungsprojektes gezeigt, dass das gute Abschneiden in verschiedenen Untersuchungen (augenärztlich, verkehrsmedizinisch, Befragungsdaten) eine relativ gute Vorhersage zulässt, ob ein älterer Kraftfahrer noch über die nötigen Kompetenzen zum Autofahren verfügt. Der Umkehrschluss ließ sich nicht bestätigen: Das schlechte Abschneiden älterer Autofahrer war kein guter Prädiktor für eine schlechte Fahrkompetenz. Viele der als unterdurchschnittlich geltenden Autofahrer haben trotz der eher schlechten Labor- und Ärztewerte zufriedenstellende Leistungen bei der Fahrverhaltensbeobachtung gezeigt. Aus diesem Grund wird eine alterskohortenbezogenen Aberkennung der Fahreignung nur auf Basis von Laborkennwerten klar abgelehnt.

Bei Zweifeln einer Fahreignung (im Sinne von Fahrkompetenz) sind schlechte Leistungswerte in psychometrischen und / oder medizinischen Tests kein hinreichendes Kriterium, um die Fahreignung grundsätzlich in Frage zu stellen. Die in Deutschland bestehenden Gesetze werden für absolut ausreichend angesehen. Wenn die Fahrkompetenz eines älteren Menschen überhaupt in Frage steht, ist eine Fahrverhaltensbeobachtung nach dem derzeitigen Stand die beste Methode, dies zu überprüfen.

In diesem Zusammenhang sollte – trotz aller bestehenden Schwierigkeiten in dieser Frage die Rolle der Hausärzte als kompetente Kontaktstellen bei sich verschlechternden allgemeinen Leistungswerten überdacht werden, beziehungsweise nach Wegen gesucht werden, sie in die "Defiziterkennung" einzuschließen. Gute Laborwerte sind schließlich ein guter Prädiktor.

Traffic related performance potentials, deficits and compensation possibilities of elderly drivers

Older people are the segment of the population growing most strongly in Germany. Insofar, based on current forecasts, traffic will be characterized by a growing part of older drivers within the next decades. However, to be able to react to these developments adequately, a comprehensive documentation on the basics of traffic related potentials, deficits and compensation possibilities of elderly drivers has been missing by now. In addition, it is unknown which minimum requirements have to be met for various traffic safety-relevant performance areas by older drivers in the future.

Within the presented research project it is comprehensively collected what is known at present about performance potentials, deficits and compensation possibilities (micro and macro level) of elderly drivers from an international scientific perspective. The literature survey was also validated (in parts) by an onroad performance test with elderly drivers.

Latest research results from a psychological / neurological and a medical perspective clearly show that a person getting older is usually able to adapt to her / his own decreasing abilities, also in traffic situations. Even though capabilities are reduced along the life span (also in driving a car), this is usually compensated by an active adaptation of the behavior to the situation requirements. Beyond that, the absolute rate of accidents of older drivers is also low in the comparison with all other age groups. Altogether, this shows that elderly drivers are handling their driver license very responsibly. Individual performance differences are quite considerable in all examined areas with advancing age. Individual forecasts about the capabilities in single areas can therefore be hardly made based on the calendrical age.

To summarize, it is shown that the cognitive and motor performance potential of largely healthy older drivers is considerable, and this potential can be activated by specific training. However, if elderly people are affected by serious diseases, whose risk potential is known, it should be checked, if necessary which capabilities are left with respect to driving a car.

A core question to be examined within the research project was to examine, if it is both reasonable, and acceptable from a scientific point of view, to apply different minimum criteria for the driving license for elderly people compared with other groups, because of the decreasing motor and cognitive performance of the elderly. After evaluation of all results of the research project this question must be clearly answered in the negative.

As already pointed out in earlier research, it is not possible to predict the driving competence of seniors based on "laboratory values". In the onroad assessment module of the research project it could be shown that good performance in different laboratory examinations (ophthalmological examination, traffic medical examination, or questionnaire data) allows a relatively good forecast for onroad performance. The reverse could not be confirmed: Bad performance of older drivers in laboratory examinations was no good predictor for a poor driving competence. Many of the drivers classified as below average have shown satisfactory performance during the onroad observation despite their rather poor laboratory and medical scores. For this reason an age cohort-related denial of driving suitability, which is based on laboratory parameters only, is clearly not recommended.

In case of doubts about the driving competence poor values in psychometric and medical tests are no sufficient criteria to deny the driving license. The laws existing in Germany are considered as completely sufficient. If the driving competence of an older person is in question at all, a road performance test is the best method to check this, based on the present standard of knowledge.

In connection with this, the general practitioners should be reconsidered as compe-tent contact person, if general performance values decline, to include them into the "deficit identification" despite all existing difficulties in this question. Finally good laboratory parameters are a good predictor for good driving performance.