GSB 7.0 Standardlösung

Verkehrssicherheitsberatung älterer Verkehrsteilnehmer

Für den älteren Menschen ist die Verkehrsteilnahme als aktiver Kraftfahrer eine besondere Herausforderung, da die Anforderungen, die beim Autofahren an ihn herangetragen werden, sehr komplex sind und ein hohes Maß an psychophysischen Fertigkeiten erfordern. Gleichzeitig kann es jedoch durch Erkrankungen und Medikamenteneinnahme zur Beeinflussung der Fahrtüchtigkeit kommen. Die Angst vor dem Verlust des Führerscheins ist bei vielen älteren Menschen ein Grund, derartige Probleme nicht offen zu legen. Für den Arzt in seiner Rolle als Berater ist es oftmals schwierig, diese Probleme bei seinen Patienten anzusprechen.

Problem

Etwa ab dem 75. Lebensjahr treten entweder altersbedingt oder in Verbindung mit einer Krankheit eine Reihe von Leistungseinbußen auf, die sich ungünstig auf die Verkehrssicherheit auswirken können. Das Ausmaß des Risikos der Teilnahme am Straßenverkehr unterliegt zunehmend lebensphasischen Begleitumständen, bei denen insbesondere im Alter biologische und medizinische Faktoren eine große Rolle spielen.

Altern ist gekennzeichnet durch ein vermehrtes Auftreten von Krankheiten und die damit verbundene Einnahme von Medikamenten. Häufig treten auch zeitgleich mehrere Krankheiten auf und führen zur Einnahme unterschiedlicher Medikamente, die einzeln oder in ihrer Wechselwirkung die Fahrtüchtigkeit einer Person beeinflussen können. Daher spielen medizinische Aspekte bei der Verkehrssicherheitsberatung älterer Menschen eine besondere Rolle. Eine frühere Studie der BASt untersuchte, inwieweit Krankheit und Medikamenteneinnahme das Unfallrisiko, das Mobilitätsverhalten und -erleben beeinflussen und welche Rolle der Hausarzt in der Verkehrssicherheitsberatung seiner älteren Patienten spielen kann.

Die gewonnenen Ergebnisse wurden durch medizinische Fachleute aus der Praxis auf der Basis von Erkenntnissen und Erfahrungen zum Thema "ältere Verkehrsteilnehmer" und speziell zur motorisierten Verkehrsteilnahme zusammengetragen. Sie flossen in das aktuelle Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Straßenwesen ein.

Ergebnisse

Der Bericht informiert über das Mobilitätsverhalten älterer Menschen, ihre Einschränkungen und Kompensationsmechanismen, und umreißt die Rolle des Hausarztes bei der Verkehrssicherheitsberatung. Der Arzt soll mit den gesundheitlichen und rechtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht werden. Ziel des Projektes sollte nicht eine Anleitung zur Begutachtung sein, sondern eine Hilfestellung zur ärztlichen Beratung. Da die Beratung des Patienten nicht immer problemlos und unmittelbar erfolgreich verlaufen dürfte, wurde eine strategische Anleitung zur Beratung entwickelt. Der Beratungsansatz ist patientenzentriert, die Vorschläge basieren auf einem erprobten Modell zur Verhaltensänderung. Von der Anwendung und Orientierung an diesen Vorschlägen dürfen keine "automatischen" oder schnellen Effekte erwartet werden. Das bedeutet, dass es bereits als Erfolg zu werten ist, wenn beispielsweise der Patient dazu gebracht werden kann, seine derzeitige (Lebens-)Situation und Leistungsfähigkeit zu überdenken.

Der Schwerpunkt des Berichtes liegt in der medizinischen Information über verkehrsrelevante Aspekte des jeweiligen Krankheitsbildes. Die hier behandelten verkehrsmedizinischen Aspekte beziehen sich auf Hör- und Sehstörungen, Diabetes, Hypertonie, koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzleistungsschwäche, periphere Gefäßkrankheiten, kreislaufabhängige Störungen der Hirntätigkeit, Epilepsie, Demenz, Depression, Schizophrenie und wahnhafte Störungen, Parkinson-Syndrom, Bewegungsbehinderungen sowie medikamentöse Therapie bei chronischen Schmerzerkrankungen.

Folgerungen

Für den Arzt, der in seiner Praxis ältere Patienten betreut, ist es sinnvoll, sich mit dem Thema "Verkehrssicherheit im Alter" näher zu beschäftigen, um so zu einem kompetenten Berater seiner Patienten zu werden. Mit einer entsprechenden Kompetenz fällt es dem Arzt wesentlich leichter, für einen bedeutsamen Aspekt der Lebensqualität seiner älteren Patienten, nämlich den der Mobilität im Alltag, Verantwortung mit zu übernehmen und diese Bereitschaft auch seinen Patienten zu signalisieren. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft gewinnt die Umsetzung von Verkehrssicherheitsberatung in der geriatrischen Praxis immer mehr an Bedeutung.

Da in Deutschland - anders als in vielen europäischen Nachbarländern - eine regelmäßige verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung ab einem bestimmten Lebensalter nicht vorgesehen ist, trägt der Hausarzt bei der Einschätzung der Fahreignung eine große Verantwortung. Der Bericht soll dem Arzt bei seiner Beratung eine nützliche Hilfestellung bieten und mögliche Informationslücken zu Fragen der Verkehrssicherheit seiner älteren Patienten schließen. Darüber hinaus werden dem Hausarzt drei unterschiedliche Beratungsstrategien angeboten, je nachdem, ob der Patient als "uneinsichtig", "einsichtig" oder "handlungsbereit" eingeschätzt wird. Charakteristika und Strategien werden erläutert.

Road safety advice for elderly traffic participants

This report was developed to enable general practitioners to act as conveyors of road safety information to senior citizens. It was intended to increase the competence of the doctors with regard to "road safety and ageing" while simultaneously providing the treating doctor with the information and the strategic guidelines required to advise his elderly patients on road safety. The principles of medical advice for elderly traffic participants are viewed from different angles. The manual provides information on the mobility behaviour of elderly persons and their involvement in accidents, outlines the role of the general practicioner as a consultant, conveys the relevant legal basis, gives strategic guidelines for conducting the conversation and contains a medical section that describes the traffic-relevant aspects of symptoms common in old age. The manual is a suitable tool for filling possible information gaps of treating doctors concerning the road safety of their elderly patients.

BASt-Info als Download: 01/2008

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