GSB 7.0 Standardlösung

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Grundlagen des Verkehrs- und Mobilitätsverhaltens

Verbesserung der Erhebung vertiefter Verkehrsunfalldaten durch motivationale Anreize (82.0763)
Ziel des Forschungsvorhabens ist die Optimierung der GIDAS-Datenerhebung im Sinne einer Verbesserung der Response-Rate und Datenvollständigkeit durch motivationale Anreize. Hierzu sollen Strategien entwickelt und erprobt werden, wie die Bereitschaft der verschiedenen Datenquellen/Adressaten (Unfallbeteiligte, Polizeien, Rettungsdienste, Krankenhäuser; Einzelpersonen, Personenkreise, Abteilungen, Institutionen) durch motivationale Anreize gezielt gefördert werden kann, um sich dauerhaft an GIDAS 4.0 zu beteiligen. Dabei soll zwischen „universellen“ und „individuellen“ Anreizen unterschieden werden. Ethische, rechtliche und praktische Aspekte sind hierbei zwingend zu berücksichtigen und auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu prüfen. Gleichzeitig soll untersucht werden, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollten, um das Vorgehen bei der Datenerfassung durch das GIDAS-Erhebungsteam zu optimieren (soziale, kommunikative, psychologische, organisatorische, personelle Aspekte).

Erweiterung der Erfassung vertiefter Verkehrsunfalldaten um psychologische und medizinische Langzeitfolgen (82.0762)
Der bisherige Fokus der vertieften Verkehrsunfallforschung zur Erfassung von Unfallfolgen lag in erster Linie auf Sachschäden und körperlichen Verletzungen. Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ist es, die bestehende GIDAS-Datenerhebung in Bezug auf kurz- und längerfristige medizinische und psychologische Unfallfolgen zu ergänzen. Theorie- und Empiriegeleitet und auf Basis pilotierender Erhebungen soll ein Konzept entwickelt werden, wie Beschwerden, Erkrankungen, Störungen, Behinderungen etc. sowie relevante Einflussfaktoren zukünftig angemessen und zielführend erfasst werden können. Das zu erarbeitende Datenerfassungskonzept soll dabei so konkret sein, dass eine Überführung in die neue GIDAS 4.0 Datenerfassung und Datenbank unmittelbar möglich ist. Hierdurch wird das Verständnis von Unfällen und deren Konsequenzen für die Betroffenen verbessert. GIDAS 4.0 wäre deutschlandweit die erste Datenbank, die eine regelmäßige Untersuchung psychischer und medizinischer Unfallfolgen auf einer umfassenden und validen Datenbasis ermöglicht.

Auswirkungen der COVID-19-Krise und der daraus resultierenden verstärkten Nutzung von Homeoffice auf das Mobilitätsverhalten (82.0747)
Ziel des Projekts ist die Untersuchung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Mobilitätsverhalten. Neben der Erfassung und Beschreibung der Veränderungen sollen die Bedingungen und Ursachen für langfristige Änderungen von Verhaltensmustern untersucht werden. Im Fokus steht hierbei das Mobilitätsverhalten von Erwerbstätigen, die als Folge der COVID-19-Pademie verstärkt im Homeoffice arbeiten, und deren Bezugspersonen. Veränderungen hinsichtlich Routenwahl, Wegstrecken und Wegzwecken sollen dabei ebenso empirisch untersucht werden, wie Änderungen hinsichtlich der Verkehrsmittelwahl. Anhand der Ergebnisse sollen „Stellschrauben“ identifiziert werden, mithilfe derer man im Kontext des Homeoffice die Nutzung klima- und ressourcenschonender Verkehrsmittel fördern kann. Auf den Erkenntnissen aufbauend sollen relevante Zielgruppen identifiziert und Maßnahmen abgeleitet werden, mit denen zukünftig nachhaltiges Mobilitätsverhalten gefördert werden kann.

Einsatzmöglichkeiten von VR-Brillen in der experimentellen Verkehrssicherheits- und Mobilitätsforschung (82.0748)
Trotz beachtlicher Erfolge in der Verkehrssicherheitsforschung ist die Teilnahme am Straßenverkehr weiterhin mit Risiken verbunden. Verkehrs- und Mobilitätsverhalten kann mittels verschiedener Methoden aus dem Bereich der Verhaltenswissenschaften untersucht werden. Aufgrund der sich rasant entwickelnden Technologie im Bereich Virtual-Reality (VR) werden zunehmend VR-Brillen und zugehörige Soft- und Hardware (VR-Systeme) bei der Durchführung verhaltenswissenschaftlicher Experimente eingesetzt. Aktuell ist jedoch erst in Ansätzen untersucht, welche Voraussetzungen VR-Systeme erfüllen müssen, um menschliches Verhalten valide und reliabel in wissenschaftlichen Untersuchungen erzeugen beziehungsweise abbilden zu können. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Erstellung einer Übersicht über die aktuell verfügbaren und/oder in Entwicklung befindlichen VR-Systeme. Dabei soll die Eignung verschiedener VR-Systeme und Systemkombinationen für den Einsatz in der Verkehrssicherheitsforschung beschrieben und bewertet werden.

Verkehrskultur und Verkehrsmarketing (70.0965)
Das Projekt befasst sich mit der Frage, wie der urbane Raum mit seinen begrenzten Flächen im Sinne der Mobilitätswende fahrradfreundlicher gestaltet werden kann. Ziel ist es, sowohl etablierte als auch innovative Infrastrukturmaßnahmen – auch in Kombination mit begleitenden Kampagnen – daraufhin zu prüfen, inwiefern sie zu einer Erhöhung des Radverkehrs beitragen können. Zum einem soll herausgearbeitet werden, wie gemeinsam genutzte Verkehrsflächen gestaltet werden können, um ein besseres Miteinander zwischen Radfahrenden und Motorisiertem Individualverkehr zu erzielen. Zum anderen sollen auch Möglichkeiten aufgezeigt werden, die auf eine Verkehrsflächenaufteilung zugunsten des Radverkehrs abzielen. Aus den Untersuchungsergebnissen werden mögliche Einsatzbereiche und Umsetzungsempfehlungen abgeleitet und in Form einer publizierbaren Orientierungshilfe für die Politik und stadtplanerische Praxis aufbereitet.

Analyse des Leistungsniveaus im Rettungsdienst für die Jahre 2020/21 (87.0015)
Die Qualität der Versorgung von Notfallpatienten und anderer Patienten hängt unter anderem vom Leistungsniveau des Rettungsdienstes ab. Dieses Leistungsniveau lässt sich anhand ausgewählter Kenngrößen quantifizieren und als Jahresdurchschnittswerte darstellen. Die Untersuchung hat das Ziel, repräsentative Daten über die Leistungen des öffentlichen Rettungsdienstes in der Bundesrepublik Deutschland für die Jahre 2020 und 2021 sowie für den Zeitraum 2020/21 insgesamt zu erstellen.

Einfluss psychischer Unfallfolgen auf die verkehrssicherheitsrelevante Fahrkompetenz verunfallter Pkw-Fahrer (82.0734)
Infolge von schweren Straßenverkehrsunfällen leiden die Verunglückten häufig unter psychischen Beeinträchtigungen. Ob und in welcher Form sich diese Beschwerden auf die verkehrssicherheitsrelevante Fahrkompetenz von Pkw-Fahrern auswirken, ist bislang kaum untersucht. Im Projekt soll erstmals systematisch untersucht werden, ob sich verunglückte Pkw-Fahrer, die unter psychischen Unfallfolgen leiden, hinsichtlich ihrer verkehrssicherheitsrelevanten Fahrkompetenz von Personen ohne psychische Beschwerden unterscheiden. Die Fahrkompetenz soll dabei im Fahrsimulator oder Realverkehr untersucht werden. Durch die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse soll die Ableitung zielführender Maßnahmen zur Reduktion fahrerischer Defizite ermöglicht werden.

Vertiefende Analyse des Unfallgeschehens älterer Fahrzeugführer (82.0711)
Obwohl ab einem Alter von circa 75 Jahren in der Forschung ein erhöhtes Unfallrisiko feststellbar ist, erlaubt die alleinige Kenntnis des chronologischen Alters einer Person keine zuverlässige Vorhersage ihrer Leistungsfähigkeit. Die gängigen Merkmale der Unfallstatistik wie Unfalltyp und Unfallursachen sind nicht ausreichend, um Aussagen darüber zu treffen, welche Unfallkonstellationen bei älteren Fahrzeugführern in welchem Maße durch situations- und personenbezogene Merkmale begünstigt werden. Die Unfallforschung der MHH erhebt seit 2011 nach dem von Verkehrspsychologen entwickelten detaillierten Klassifikationsschema ACAS die detaillierte Unfallursache der unfallbeteiligten Fahrzeugführer und Fußgänger. Die ACAS-Daten werden im Kontext der „Unfallerhebungen am Unfallort“ erzeugt, wodurch eine Verbindung der Ursachen mit den übrigen beim Unfall erfassten soziodemographischen und unfallstatistischen Daten möglich ist. Ziel des Projekts ist es, auf Grundlage der vertieft erhobenen Unfalldaten spezifische Aussagen zur Verursachung von Verkehrsunfällen älterer Fahrzeugführer abzuleiten. Dabei wird auch der Frage nach möglichen Leistungseinschränkungen Älterer nachgegangen.

Einfluss hochautomatisiert fahrender Fahrzeuge auf das Fahrverhalten und die Einstellungen manueller Fahrer im Mischverkehr (4318007)
Experten gehen davon aus, dass bis Anfang der 2020er Jahre hochautomatisierte Fahrzeuge (Level 3 SAE) die Marktreife erreichen werden. Zunächst werden diese gemeinsam mit manuell gesteuerten Fahrzeugen im sogenannten „Mischverkehr" fahren. Dies könnte zu neuartigen Anforderungen für manuelle Fahrer und ungeschützte Verkehrsteilnehmer führen. So ist aktuell davon auszugehen, dass das Fahrverhalten von hochautomatisierten Fahrzeugen im Mischverkehr zu ungewohnten und möglicherweise für andere Verkehrsteilnehmer unerwarteten Situationen führen wird. Aus der Literatur ist bereits bekannt, dass es bei der Interaktion zwischen hochautomatisierten Fahrzeugen und manuellen Fahrern zu sicherheitskritischen Situationen und unangepassten Verhaltensweisen seitens der manuellen Fahrer kommen kann. Aktuell noch weitestgehend unklar ist hingegen, wie andere Verkehrsteilnehmer Besonderheiten des hochautomatisierten Fahrverhaltens wahrnehmen und ob mehrmalige Interaktionen mit hochautomatisierten Fahrzeugen die Einstellungen und Akzeptanz hinsichtlich dieser beeinflussen. Ziel des Projekts ist es entsprechend, den Einfluss von hochautomatisierten Fahrzeugen im Mischverkehr auf das Fahrverhalten manueller Autofahrer und deren Einstellung zu hochautomatisierten Fahrzeugen zu untersuchen.

Kinderunfallatlas 2013 bis 2017 (4318004)
Ziel des Projekts ist die Erstellung eines Kinderunfallatlas, in dem die Anzahl der Kinderunfälle von 2013 bis 2017 in den Kreisen nach Kategorien der Unfallhäufung eingeteilt werden. Hierzu werden die Kinderunfallzahlen (aufgeteilt nach Verkehrsteilnahme als Fußgänger, Radfahrer, Mitfahrer) auf Kreisebene in Bezug zu den Bevölkerungsdaten gesetzt. Weitere Bezugsgrößen sollen im Rahmen des Projektes erarbeitet werden. Die regionale Verteilung der Kinderunfälle nach Häufigkeit wird dann in einem Atlas dargestellt. Darüber hinaus werden die Gemeinden und Kreise zu Kategorien verschiedener Größe zusammengefasst, sodass Gemeindevergleiche innerhalb einer Kategorie möglich werden. Zusätzlich erfolgt eine Auswertung auf Landesebene. Es ist die dritte Auflage des Kinderunfallatlas, 2005 und 2012 ist das Projekt bereits auf große Resonanz gestoßen.

ESRA2 (4318006)
Die BASt ist eines der 26 Forschungsinstitute, die sich an der internationalen Befragungsstudie ESRA (E-Survey of Road Users' Attitudes) beteiligen. Innerhalb dieses vom belgischen Forschungsinstitut Vias initiierten Netzwerks werden vergleichbare Daten zu Einstellungen und Verhaltensweisen von Verkehrsteilnehmern erhoben, sodass vielfältige Informationen zu Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahren unter Alkoholeinfluss, Ablenkung/Müdigkeit sowie Schutzsystemen aus mehreren Ländern vorliegen. Durch einen wiederkehrenden Pool von Fragen seit der ersten Erhebung im Jahr 2015 wird eine Analyse der Entwicklung von Einstellungen zur Verkehrssicherheit über die Zeit ermöglicht.

Ältere Fußgänger – Voraussetzungen einer problemfreien und sicheren Verkehrsteilnahme aus psychologischer Sicht (SENIORWALK) (4318005)
Der Anteil an Senioren, die als Fußgänger im Straßenverkehr verunglücken, betrug in der Gruppe der 65-Jährigen und älter in 2014 annähernd 15%. Für die Personengruppe ab 75 Jahre betrug dieser Anteil sogar 59%. Als Fußgänger unterwegs sein, bedeutet für Ältere nicht notwendigerweise mehr Sicherheit im Vergleich zur Teilnahme als Pkw-Fahrer, gleichwohl Ältere besonders häufig als Fußgänger unterwegs sind. Zudem ist die Verletzbarkeit bei älteren Fußgängern besonders stark ausgeprägt, durch beispielsweise erhöhte Sturzgefahr mit Gefahr von Knochenbrüchen und Morbidität. Durch die demographische Entwicklung ist eine Zunahme der Anzahl von unfallbeteiligten Fußgängern zu erwarten. Die Unterstützung älterer Verkehrsteilnehmer in Fragen einer sicheren Mobilität als Fußgänger stand bislang nicht im Fokus von Forschung und Maßnahmen. Eine solche Unterstützung kann durch gezielte Sicherheitskommunikation, Wegbegleitung und Anpassungen der Infrastruktur erfolgen. Aber auch eine verbesserte Fahrzeugkonstruktion und -technologie kann dazu beitragen, Fußgängerunfälle zu vermeiden oder – im Falle einer Kollision – deren Folgen abzuschwächen. Eine zentrale Voraussetzung zur Umsetzung unterstützender Maßnahmen für Senioren als Fußgänger ist die Kenntnis über die Erwartungen der Senioren im Hinblick auf Sicherheit und Barrierefreiheit, die wahrgenommenen eigenen Kompetenzen sowie die Nutzung von Beratungs- und Informationsangeboten. Ziel des Projekts ist es, diese Zusammenhänge detailliert zu untersuchen, um unterstützende Maßnahmen ableiten zu können.

Prävalenz, Merkmale der Nutzer und Gefahrenpotenziale von Mobiltelefonen beim Radfahren (4317015) 
In einer Befragungsstudie in den Niederlanden gaben 55 % der befragten Radfahrer an, ihr Mobiltelefon zumindest gelegentlich während des Radfahrens zu nutzen. Informationen über die Prävalenz der Nutzung in Deutschland sowie die Merkmale der Nutzer liegen bislang nicht vor.  Das Projekt soll dazu beitragen, den Wissensstand zum Einfluss von Mobiltelefonen auf die Verkehrssicherheit von Radfahrern zu erweitern. Es sollen im Rahmen einer Befragung Erkenntnisse gewonnen werden über die Art und Häufigkeit der Nutzung von Mobiltelefonen beim Radfahren, die Motive und Merkmale der Nutzer sowie sicherheitskritische Verkehrssituationen. Diese subjektiven Angaben sollen ergänzt werden durch objektive Daten aus Verhaltensbeobachtungen von Radfahrern im Straßenverkehr. Auf diese Weise soll Wissen darüber gewonnen werden, wie häufig Mobiltelefone beim Radfahren genutzt werden und inwiefern dies das Risiko an einem Unfall beteiligt zu sein erhöht. Es sollen weiterhin Erkenntnisse über die Nutzer und ihre Motive gewonnen werden, um abschätzen zu können, wie bestimmte Radfahrermerkmale die Nutzung beeinflussen. Dieses aus den Befragungen und Beobachtungen gewonnene Wissen soll helfen, Empfehlungen für die zielgruppenspezifische Gestaltung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen für Radfahrer abzuleiten.

Die Entwicklung verkehrssicherheitsrelevanter Personenmerkmale von Seniorinnen und Senioren und ihre Einflussfaktoren: Eine Längsschnittstudie über fünf Jahre (82.0649)
Bislang stützen sich alle verkehrssicherheitsrelevanten Erkenntnisse über das Unfallrisiko älterer Fahrerinnen und Fahrer auf Querschnittsanalysen. Auf dieser Basis dokumentieren nationale und internationale Publikationen ein erhöhtes fahrleistungsbezogenes Unfallrisiko älterer Autofahrer ab etwa 75 Jahren. Bislang nicht erforscht sind die individuellen Entwicklungen mobilitätsbezogener und verkehrssicherheitsrelevanter Merkmale älterer Pkw-Fahrer und -Fahrerinnen. Dadurch fehlt der wichtige Einblick in die Dynamik von Veränderungsprozessen. Das betrifft auch die Frage, wann altersbedingte verkehrssicherheitsrelevante Veränderungen exakt auftreten, wie lange es dauert, bis sich bestimmte Verhaltensanpassungen ausbilden und durch welche innere oder äußere Faktoren diese initiiert werden. Ziel des Projekts ist es, die Entwicklung verkehrssicherheitsrelevanter und mobilitätsbezogener Merkmale von Seniorinnen und Senioren im Rahmen einer Längsschnittstudie über einen Zeitraum von sechs Jahren zu verfolgen. Es soll untersucht werden, welche personenbezogenen Veränderungen – beispielsweise Krankheiten, Medikation, Erwartungen, Einstellungen – und welche Veränderungen der Lebensumstände und der Verkehrsumwelt sich wann und wie auf das Mobilitätsverhalten und das Unfallrisiko dieser Zielgruppe auswirken. Dabei sollte ein Zeitraum definiert werden, der als Übergang zu einem erhöhten Unfallrisiko wahrscheinlich ist.