Übermüdung ist eine zentrale Unfallursache bei schweren Lkw-Unfällen
19.10.2005, Nr.: 17/2005
Bei fast jedem fünften Lkw-Unfall ist die Unfallursache "Übermüdung". Unfallreichster Tag ist der Montag. Besonders kritische Zeiten sind nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr und nachts zwischen 0 und 6 Uhr, den klassischen Leistungstiefs. Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Zusammenarbeit mit der Autobahnpolizei Köln.
In einer bundesweiten Erhebung wurden von Juli bis September 2003 die Ursachen von schweren Lkw-Unfällen erfasst. Der Schwerpunkt lag auf der Klärung des Einflusses von Müdigkeit und Ablenkung auf die Entstehung dieser Unfälle. Analysiert wurden von der Polizei aufgenommene Unfälle auf Bundesautobahnen mit Beteiligung mindestens eines Güterkraftfahrzeugs mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, bei denen mindestens eine Person getötet oder schwer verletzt wurde.
Es wurden 219 Unfälle registriert, die die Kriterien erfüllten. Dies entspricht 58 % aller schweren Lkw-Unfälle, die sich laut amtlicher Unfallstatistik in dem Erhebungszeitraum ereigneten. Nach "Geschwindigkeit" mit einem Anteil von 42 % wurde in 19 % der Fälle "Übermüdung" als zweithäufigste Unfallursache angegeben. War ein Lkw-Fahrer Hauptverursacher, lag der Anteil bei 16 %. Wurde der Unfall durch einen Pkw-Fahrer verursacht, wurde in 24 % der Fälle "Übermüdung" als Unfallursache angenommen.
Das in der Untersuchung festgestellte Ausmaß von Müdigkeitsunfällen weicht deutlich von den Zahlen der in der amtlichen Unfallstatistik berichteten Unfallursache "Übermüdung" ab, deckt sich aber mit Befunden aus der Literatur.
Für die Hälfte der registrierten Unfälle wurden Einschätzungen zum Aufmerksamkeitsstatus des Hauptverursachers durch die Polizeibeamten vorgenommen. Rund jeder siebte Hauptverursacher wurde als "abgelenkt" oder "in Gedanken gewesen" eingestuft. Werden der festgestellte Aufmerksamkeitsstatus und die Unfallursachen gemeinsam herangezogen, so steht etwa ein Drittel der Unfälle mit Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit am Steuer in Zusammenhang.
Die Arbeitsbedingungen insbesondere von Fernfahrern mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, Termindruck, monotonen Fahrtätigkeiten und oftmals mangelhaften Erholungsmöglichkeiten sind häufig der Grund für schwere Lkw-Unfälle. Da die Einflussfaktoren auf das Unfallgeschehen vielfältiger Natur sind, sollten entsprechende Maßnahmen zur Verhinderung dieser Unfälle sinnvoll miteinander vernetzt werden. Ansatzpunkte für Maßnahmen umfassen vor allem bessere Möglichkeiten zur Feststellung von Übermüdung und Fahrerzustand sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Sozialvorschriften.
Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines abgestimmten Maßnahmenbündels ist das Zusammenwirken aller an der Sicherheit im Lkw-Verkehr beteiligten Akteure, wie Polizei, Berufsgenossenschaften und –verbände, Kraftfahrzeugindustrie und nicht zuletzt die Transportunternehmen und Lkw-Fahrer selbst.
Die Studie "Verhaltensbezogene Ursachen schwerer Lkw-Unfälle" wurde als Heft M 174 in der Schriftenreihe der BASt veröffentlicht.
Abdruck honorarfrei – Belegexemplar erbeten.
