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Abwasserbehandlung an PWC-Anlagen

Die sanitären Einrichtungen unbewirtschafteter Autobahnrastanlagen (PWC-Anlagen) sind oft nicht an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen. Das darin gesammelte Abwasser unterscheidet sich von häuslichem Abwasser durch den hohen Urinanteil, und seine Behandlung ist daher problematisch. Auf der Basis von Umfragen und Messkampagnen wurde die aktuelle Belastungssituation von PWC-Anlagen ermittelt. Darauf aufbauend konnten die Planungshilfen für die Abwasserentsorgung unbewirtschafteter Autobahnrastanlagen überarbeitet werden. Die Untersuchungsergebnisse fanden Eingang in einen Leitfaden, der neben technischen auch rechtliche und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Das Foto zeigt die schematische Zeichnung eines dezentralenAbwasserbehandlungssystemsDezentrales Abwasserbehandlungssystem der PWC-Anlage Peenetal-Ost (Bild: Bauhaus-Universität Weimar)

Problem

Der Anschluss sanitärer Einrichtungen unbewirtschafteter Autobahnrastanlagen (PWC-Anlagen) an die leitungsgebundene Abwasserentsorgung ist oftmals schwierig. Ein Grund dafür sind meist große Entfernungen bis zum nächsten Anschlusspunkt an das öffentliche Leitungsnetz. Ein zusätzliches Problem ergibt sich dadurch, dass die Zusammensetzung des hier anfallenden Abwassers sich von der des häuslichen Abwassers unterscheidet. Neue Untersuchungen sollten die Grundlage für aktualisierte Empfehlungen für die Abwasserbehandlung an PWC-Anlagen schaffen.

Untersuchungsmethode

Ausgehend von der Zusammenstellung theoretischer Grundlagen zu den Erfahrungen mit der Abwassertechnik von Entsorgungsanlagen an Extremstandorten erfolgte eine Bestandsanalyse der in Deutschland betriebenen PWC-Anlagen. Stellvertretend für deren Gesamtheit wurden an sechs deutschlandweit ausgewählten PWC-Anlagen Messungen durchgeführt. Ziel war es, die Belastungssituation der Anlagen zu erfassen. Das Nutzerverhalten wurde im Rahmen der Untersuchung anhand von Fragebögen festgestellt. Zu den anfallenden Abwasserfrachten wurden Parameter wie zum Beispiel chemischer und biochemischer Sauerstoffbedarf, Gesamtstickstoff, Gehalt an Phosphorverbindungen, pH-Wert, Anteile an absetzbaren und ausfilterbaren Stoffen sowie Glühverlust und Trockenrückstand ermittelt. Aus den dokumentierten Wasserverbrauchsdaten und dem Filtratanfall konnten Angaben zum nutzerspezifischen Wasserverbrauch und dem Abwasseranfall gemacht werden.

Ergebnisse

Die Zahl von PWC-Anlagen ist erwartungsgemäß in ländlich strukturierten Gebieten wie Thüringen und Schleswig-Holstein am größten. Ihre Auslastung unterliegt Schwankungen im Tages- und Jahresverlauf. Für eine dezentrale Abwasserbehandlung kommen gegenwärtig meist Bodenfilter (Pflanzenkläranlagen) zum Einsatz. Eine Alternative ist das Sammeln in einer abflusslosen Grube. Die Benutzerbefragung bestätigte die Erwartung, dass an PWC-Anlagen unabhängig vom Geschlecht hauptsächlich uriniert wird. Im Vergleich zur leitungsgebundenen Abwasserentsorgung ist der Anteil an chemisch und biologisch schwer abbaubaren Stoffen erhöht. Das betrifft insbesondere die deutlich höhere Stickstofffracht. Daraus resultiert eine erschwerte Abwasserbehandlung. Als ein Lösungsansatz wird die Separation von Urin empfohlen.

Aus verfahrenstechnischen Gründen wird das Überleiten favorisiert. Die Variante ist aber aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht immer sinnvoll. Rechtlich kann die Entsorgung des Schmutzwassers von PWC-Anlagen insofern problematisch sein, als eine dezentrale Behandlung nur in Verbindung mit einer Einleiterlaubnis nach § 7 Wasserhaushaltgesetz möglich ist. Wenn diese nicht erteilt wird, bleibt nur noch die Variante des Sammelns in einer abflusslosen Grube. Aufgrund fehlender Qualifikationen des Personals von Autobahnmeistereien wird empfohlen, den Betrieb von PWC-Anlagen in die Verantwortung des zuständigen Abwasserentsorgers oder eines großen privaten Betreibers zu geben.

Folgerungen

Die Ergebnisse, vor allem die ermittelten Abwasserfrachten und der nutzerspezifische Abwasseranfall, mündeten unter Berücksichtigung der technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte in einen Leitfaden zur Planungs- und Entscheidungshilfe für PWC-Anlagen an Autobahnen und Bundesstraßen, der sowohl für den Neubau als auch für die Sanierung oder den Umbau von PWC-Anlagen von Nutzen ist.

Waste water treatment at unserviced highway rest stops with sanitary facilities (PWC-facilities)

The wastewater disposal of unmanaged motorways service areas that are equipped with sanitary facilities such as PWC systems is characterized by specific features due to their location. The connection of sanitary facilities of unmanaged motorways service areas is often difficult and presents a complex task because of their far distance from the existing public infrastructure. Furthermore, wastewater from unmanaged motorways service areas differs in relation to the substantial consistency from the domestic wastewater. The aim of a new research project was to improve the basis of planning regulations and to update economic and technical criteria related to the wastewater disposal of PWC systems by taking into account experienced based data. In order to measure specific load of wastewater in PWC facilities, examination points on 6 selected PWC systems in Germany have been chosen for this project analysis. From the documented consumption data, filter demand of user specific load, water and wastewater demand has been defined. The important role in decision making about the wastewater disposal system has been given to the operational services. Because of the lack of the qualify stuff and on recommendation of motorways maintenance authorities the responsibility of wastewater disposal should be given to a private company.

Forschung kompakt als Download: 14/2010

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Forschung kompakt 14/10
Bericht
Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft V 195, 2010
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