Mehr Verkehrssicherheit für Senioren
Vom 2. bis 4. Mai 2000 fand in Köln eine interdisziplinäre Fachkonferenz "Mehr Verkehrssicherheit für Senioren" statt. Veranstalter waren die Bundesanstalt für Straßenwesen und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, unterstützt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen sowie die EU-Kommission.
Ältere Menschen sind eine wichtige Zielgruppe für Verkehrssicherheitsmaßnahmen (Foto: BASt / HANSA-PRESS GmbH & Co. KG)
Problem
Aufgrund der demographischen Entwicklung werden künftig immer mehr ältere Menschen in den Industriestaaten am Straßenverkehr teilnehmen. Parallel zu dieser Entwicklung werden technische Neuerungen und eine zunehmende Anzahl von Autofahrern die Verkehrswelten verändern und damit neue Anforderungen an die Bewältigung von Mobilitätsaufgaben stellen. Um die daraus erwachsenden Aufgaben und Probleme bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit für ältere Menschen erfolgreich bewältigen zu können, ist ein intensiver europaweiter und interdisziplinärer fachlicher Austausch notwendig.
Inhalte und Ablauf
140 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Politik, Wohlfahrtsverbänden und Verkehrssicherheitsorganisationen sowie Senioren wurden eingeladen, gemeinsam über die Wege der Verbesserung der Verkehrssicherheit von Senioren und über ihre Rolle im zukünftigen Straßenverkehr nachzudenken. Ziel war es, in sechs interdiziplinären Arbeitskreisen die Rahmenbedingungen für Mobilität und Sicherheit, wie sie in den Bereichen Gesellschaft, Technik und Verkehrssystem gegenwärtig vorliegen, kritisch zu beleuchten und angemessene Maßnahmen zur Verbesserung der zukünftigen Sicherheitsstandards älterer Verkehrsteilnehmer abzuleiten. Die Ergebnisse aus den beiden Einführungsreferaten und den Arbeitskreisen mit 20 Fachvorträgen wurden in einem Abschlussplenum vorgetragen und diskutiert. Als Fazit wurden folgende Schlussfogerungen und Empfehlungen verabschiedet.
Fazit
- Senioren sind keine homogene Gruppe. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche Erwartungen, Lebensstile und Lebenslagen aus.
- Senioren sind Experten ihrer eigenen Situation. Sie müssen daher stärker in die Entwicklung, Einführung und Umsetzung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen und Technologien eingebunden werden.
- Senioren haben Interesse an Lernen und Fortbildung. Dies gilt auch für technologischen Fortschritt und moderne Entwicklungen in der Verkehrssicherheits- arbeit.
- Die sich anbahnende positive Bewertung des Alters muss aufgegriffen und durch neue Leitbilder der Verkehrssicherheitsarbeit verstärkt werden.
- Für die Steigerung der Verkehrssicherheit nicht nur Älterer wird eine stärkere Orientierung an den schwächeren Verkehrsteilnehmern empfohlen, indem man insbesondere in Wohngebieten die Dynamik der Verkehrsabläufe reduziert.
- Die im Laufe des Lebens erworbenen Mobilitätsgewohnheiten werden im Alter weitestgehend beibehalten. Daher sollen sowohl durch Technik als auch durch Lernangebote die Mobilität im Alter erhalten und gefördert werden.
- Sichere Verkehrsteilnahme geht mit einem lebenslangen Lernprozess einher. In diesem Zusammenhang spielen für Senioren die Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit, der Erhalt und die Förderung von Kompetenz und Mobilität eine besondere Rolle, die durch benutzerfreundliche Gestaltung des ÖPNV unterstützt werden soll.
- Technische Systeme können dabei die Fertigkeiten und Planungsprozesse erhalten und verbessern und einen wichtigen Beitrag zur Unfallreduktion leisten.
- Bei der Umsetzung der Verkehrs-sicherheitsmaßnahmen sind unterschiedliche und vielfältige An- spracheformen unter besonderer Berücksichtigung neuer Medien zu wählen, die den unterschiedlichen Lebenslagen und Lebensstilen der Senioren gerecht werden.
- Qualifizierte Moderatorentätigkeit vor Ort bleibt weiterhin ein Kernstück der Verkehrssicherheitsarbeit.
- Verkehrssicherheitsmaßnahmen sind kontinuierlich durch Wirksamkeitsuntersuchungen abzusichern und durch Evaluations- studien zu optimieren.
- Für die Verbesserung der Lebenssituation von Senioren sind detaillierte Kenntnisse von sicherheitsförderlichen Einflussfaktoren erforderlich. Zur Klärung dieser umfassenden Fragen besteht Bedarf an europaweit koordinierter Information und Forschung.
- Verkehrssicherheitsmaßnahmen sind als Bestandteil von Szenarien künftiger Verkehrsentwicklungen zu konzipieren.
More Road Safety for Senior Citizens
The first interdisciplinary specialist conference "More Road Safety for Senior Citizens" took place from 2nd to 4th May 2000 in Cologne. Specialists from science and industry, media and politics, welfare organisations and road safety organisations, together with senior citizens, were invited to jointly consider ways to improve road safety for senior citizens and their role in future road traffic. The aim was to critically examine the underlying conditions for mobility and safety as they currently occur in the areas of society, technology and traffic system, and to use this for deriving appropriate measures for improvements of future safety standards for elderly road users.
