Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern an Kreuzungen durch rechts abbiegende Lkw
Etwa 21 Prozent der tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer in Deutschland sind Radfahrer und Fußgänger. Ein Teil davon wird von rechts abbiegenden Lkw erfasst und überrollt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde das Potenzial des seitlichen Lkw-Unterfahrschutzes untersucht und der Entwurf eines umfassenden Sicherheitsmaßnahmenkatalogs erarbeitet, der sich auf straßenbauliche, verkehrsrechtliche und fahrzeugtechnische Maßnahmen bezieht.
Darstellung des aus dem Frontspiegel resultierenden Sichtkegels (MIM-Fahrzeug)
Problem
In Deutschland ereignen sich jährlich schätzungsweise 135 Unfälle mit Personenschaden, an denen nach rechts abbiegende Lkw beteiligt sind. Oftmals geraten die ungeschützten Verkehrsteilnehmer dabei unter den Lkw und werden von einer der Achsen überrollt. Diese Unfälle weisen eine besonders hohe Unfallschwere auf. Eine Maßnahme zur Verbesserung der Situation war die 1995 erfolgte Einführung des Seitenschutzes, mit dem alle im Verkehr befindlichen Lkw, Zugmaschienen und Anhänger aus- oder nachgerüstet sein müssen. Weiterhin sollen verbesserte Spiegelsysteme den Fahrer unterstützen. Technische Innovationen, insbesondere im Bereich der Elektronik, haben zwischenzeitlich neue Möglichkeiten zur Unfallfolgenminderung und -vermeidung eröffnet.
Untersuchungsmethode
In einer Literaturanalyse über die bisherigen Forschungsergebnisse zum Unfallgeschehen von Lkw mit Radfahrern und Fußgängern wurden zunächst die Einflussfaktoren von Unfällen beim Rechtsabbiegen und bisherige Lösungsansätze näher untersucht. In Versuchen wurden Messungen des Sichtfeldes und unterschiedliche Anstoßsituationen nachgestellt. Zum Einsatz kamen dabei ein Lkw mit Standardspiegeln und einer mit einem durch die Frontscheibe einsehbaren Spiegelsystem (MIM-Fahrzeug). Die Untersuchungs-schwerpunkte lagen auf der aktiven Sicherheit (Sichtprobleme und Unfallvermeidung) und der passiven Sicherheit (Seitenschutz).
Ergebnisse
Das direkte und das indirekte Sichtfeld sind zentrale Einflussgrößen für die Unfallrisiken von Personen durch rechts abbiegende Lkw. Insbesondere die unzureichende Sicht nach vorn und nach rechts bereitet den Lkw-Fahrern erhebliche Probleme.
Es gibt verschiedene Lösungsansätze, die Sicht des Lkw-Fahrers und seine Information über die Verkehrssituation beim Rechtsabbiegen zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise die Verwendung eines zusätzlichen Spiegels oder die Änderung der Spiegelfläche in Verbindung mit seiner Position am Fahrzeug.
Bei der Analyse von 90 Unfällen ergab sich, dass der Erstkontakt in der Mehrzahl der Fälle (57 %) im Bereich der rechten vorderen Lkw-Ecke erfolgt. Ein Erstkontakt im Bereich des Seitenschutzes ist von eher untergeordneter Bedeutung (7 %). Die Hälfte der ungeschützten Verkehrsteilnehmer geraten noch vor dem rechten Vorderrad oder in dessen unmittelbarem Bereich unter den Lkw. Mehr als die Hälfte (62 %) wurde überrollt. Baustellen- und Kommunalfahrzeuge waren mit 46 % besonders häufig an den untersuchten Unfällen beteiligt. Bei den Baustellenfahrzeugen wird das durch die verstärkte Sichtproblematik als Folge größerer Rahmenhöhe mit verursacht.
Im Versuchsprogramm wurde herausgefunden, dass mit dem Standard-Spiegelsystem erhebliche Sichtprobleme auftreten. Derartige Probleme gab es bei den Tests mit dem Fahrzeug mit verbessertem Spiegelsystem nicht.
Der im Versuchsprogramm untersuchte Seitenschutz reduziert die Gefahr für den ungeschützten Verkehrsteilnehmer, zwischen den Achsen unter den Lkw zu geraten.
Folgerungen
In dem erarbeiteten Maßnahmenkatalog zur Reduzierung des Gefahren-potenzials für Radfahrer und Fußgänger durch rechts abbiegende Lkw wird eine bessere Aufklärungsarbeit gefordert, da ein erhebliches Informationsmanko der Verkehrsteilnehmer über das Bewegungsverhalten des Lkw und über die Sichtmöglichkeiten des Lkw-Fahrers beim Rechtsabbiegen festgestellt wurde. Welchen Inhalt derartige Kampagnen haben können, wird im Forschungs-bericht beschrieben. Neben baulichen Maßnahmen an Radwegen werden auch konstruktive Änderungen an Lkw, wie ein zusätzliches Fenster im unteren Türbereich, vorgeschlagen. Um zu neuen innovativen Lösungen des Seitenschutzes von Lkw zu kommen, wird eine Änderung der bislang als Bauvorschrift wirkenden Richtlinie 89/297/EWG zu einer Wirkvorschrift vorgeschlagen.
Risk to pedestrians and cyclists at crossings due to lorries turning right
One of the most dangerous situations in road traffic is an accident involving a lorry and an unprotected road user such as a pedestrian or cyclist resulting in a high degree of accident severity. In Germany there are an estimated number of 135 personal-injury accidents per year involving lorries turning right and unprotected road users.
Inadequate visibility to the front and right is an important factor influencing the described above situation.
The research results in recommendations to improve the vehicle mirror-system, the lateral underride protection and other measures as well as aspects of traffic engineering and road network
