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Telematisches Lkw-Kompaktparken

Modernes Parkraummanagement auf BAB

Durch die hohe Dichte des gewerblichen Güterverkehrs auf den Bundesautobahnen ergeben sich insbesondere in den Nachtstunden Probleme für die Fahrzeugführer bei der Einhaltung der von der Europäischen Union vorgegebenen Ruhezeiten. Als Folgen sind trotz bedarfsgerechten Ausbaus Überbelegungen und gefährliches Abstellen der Fahrzeuge in den Ein- und Ausfahrbereichen von Rastanlagen zu beobachten. Neben langfristigen Ausbaumaßnahmen können telematische Systeme kurz- und mittelfristig eingesetzt werden, um eine bessere Verteilung der Nachfrage im Streckenabschnitt und eine Erhöhung der Kapazität für einzelne Rastanlagen zu erzielen.

In einem BASt-internen Projekt wurde das neuartige Steuerungsverfahren "Telematisch gesteuertes Kompaktparken" entwickelt (im Weiteren kurz: Kompaktparken). Kompaktparken kann auf zahlreichen bestehenden Rastanlagen in kurzer Zeit nachträglich umgesetzt werden. Es erlaubt eine deutliche Kapazitätserhöhung ohne weiteren konventionellen Ausbau, da durch die Umnutzung der Fahrgasse zwischen parallelen Parkflächen zusätzliche Parkstände entstehen.

Nutzerführung durch dynamische Anzeigen

Beim Kompaktparken parken mehrere Lkw ohne mittlere Fahrgasse kompakt hinter- und nebeneinander. Damit sich die Fahrzeuge nicht bei der Abfahrt behindern, ist ein zeitliches Sortieren erforderlich. Einzigartig und für das Kompaktparken charakteristisch ist, dass dies mit Hilfe von dynamischen Anzeigen über den Parkstandsreihen geschieht. Diese zeigen den ankommenden Fahrzeugführern die späteste Abfahrtzeit der Fahrzeuge an, die bereits in einer Reihe parken (siehe Bild 1).

Beim Kompaktparken ist es jedoch nicht erforderlich, dass die Fahrer ihre tatsächliche Abfahrtzeit einem System bekannt geben. Stattdessen basiert die Berechnung der Inhalte der dynamischen Anzeigen, also der Abfahrtzeiten je Reihe, auf einem innovativen und vollkommen neu entwickelten Steuerungsverfahren.

Ausgangspunkt der Steuerung ist ein – auf den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten basierendes – Nachfragemuster der Lkw-Fahrer. In freien Parkstandsreihen werden daher typische Abfahrtzeiten angeboten. Im laufenden Betrieb bietet die Steuerung die Abfahrtzeiten, die nachgefragt werden (das heißt Parkstandsreihen wurden vollständig belegt), durch Aktualisierung der dynamischen Anzeigen so lang wie möglich an. Andere Abfahrtzeiten entfallen dadurch nachfrageabhängig.

Für einen komplett leeren Parkbereich wird beim Kompaktparken ein breites Spektrum von Abfahrtzeiten angeboten. Füllt sich der Parkbereich, so reduziert sich dieses Angebot auf die am stärksten nachgefragten Abfahrtzeiten. Es erfolgt also eine dynamische und nachfrageabhängige Zuweisung von Abfahrtzeiten zu den Anzeigen der Parkstandsreihen. Im Ergebnis parken Fahrzeuge hintereinander, die zur gleichen Abfahrtzeit oder später als die vor ihnen parkenden Fahrzeuge die Rastanlage verlassen wollen.

Flexible Aufenthaltszeiten

Grafische Darstellung der BelegungszeitenBild 2: Zeit- und belegungsabhängige Berechnung der Anzeigen

Bild2 verdeutlicht die Funktionsweise für einen Ausschnitt des Parkbereichs mit vier Parkstandsreihen. Die Aufenthaltszeit wird immer in Bezug zur aktuellen Uhrzeit umgerechnet und in Form von Abfahrtzeiten auf den dynamischen Anzeigen dargestellt. Um 20:00 werden in Bild 2 ausgehend von der vermuteten Nachfrage die Abfahrtzeiten von 6:00 bis 7:30 angeboten (das entspricht einer Aufenthaltszeit von 10 bis 11,5 Stunden). Eine zeitliche Aktualisierung ist (parametrierbar) alle 15 Minuten vorgesehen und führt zu den veränderten dynamischen Anzeigen in Bild 2 für den Zeitpunkt 20:15.

Erfolgt die vollständige Belegung einer Reihe, wie für 20:21 dargestellt, so wird die zugehörige Abfahrtzeit 07:15 auf die benachbarte, noch freie Reihe 7 übertragen und steht dem Verkehrsteilnehmer weiter zur Verfügung.

Die besondere ingenieurtechnische Umsetzung mit modernen Gitterrohrstahlträgern und leicht verständlichen dynamischen Anzeigen prägt das Erscheinungsbild und den Wiedererkennungswert für die Nutzer. Zur intelligenten Steuerung der dynamischen Anzeigen ist der Einsatz von Detektionstechnik erforderlich. Vorgesehen ist hierfür die Restlängenmessung. Die Detektionstechnik kann am Gitterrohrstahlträger montiert werden, so dass kein Eingriff in die befestigte Parkbereichsoberfläche erforderlich ist.

Ankommende Fahrer sollen in der Reihe parken, in der die eigene geplante Abfahrtzeit angezeigt wird. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die angebotene Abfahrtzeit auch der tatsächlichen Abfahrtzeit des Nutzers entspricht und eine nach Abfahrtzeit sortierte Aufstellung der Fahrzeuge erfolgt. Das Steuerungsverfahren soll den Nutzern den Eindruck eines unterstützenden, nutzerorientierten Instruments vermitteln und überlässt die Wahl einer Parkstandsreihe bewusst den Lkw-Fahrern. Die Verantwortung bei der Auswahl einer geeigneten Parkstandsreihe wird nicht von einem Steuerungsrechner sondern von den Nutzern selbst übernommen. Das Steuerungsverfahren errechnet lediglich nachfrageabhängig ein Angebot und verteilt die Abfahrtzeiten über alle Parkstandsreihen. Der ganzheitliche Prozess des Kompaktparkens besteht aus dem Zusammenwirken der Nutzer und des unterstützenden Steuerungsverfahrens.

Illustration zum Kompaktparken

Zum Film: Wie funktioniert Kompaktparken?

Pilotinstallation Kompaktparken

Das Pilotprojekt zum Kompaktparken wurde im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gemeinsam mit der Bayerischen Straßenbauverwaltung und der Bundesanstalt für Straßenwesen auf der Rastanlage Jura West an der A3 in Fahrtrichtung Regensburg realisiert und Anfang 2016 in Betrieb genommen (Bild 3).

Die Grafik zeigt Kompaktparken auf der Rastanlage Jura-West Bild 3: Kompaktparken RA Jura-West

Durch die Umgestaltung der Trenninseln wurde die Anzahl an Lkw-(Bus-)Schrägparkständen zunächst von 66 auf 70 erhöht. Durch die zusätzliche Ummarkierung der vorherigen mittleren Fahrgasse konnten insgesamt 35 Parkstandsreihen mit Längen von rund 70 Metern für das Kompaktparken eingerichtet werden. Die Parkstandsreihen haben identische Breiten wie konventionelle Schrägparkstände und es können in einer Reihe mindestens drei Lkw hintereinander geparkt werden. Unter der Annahme von drei Lkw in einer Parkstandsreihe ergeben sich daraus beispielsweise rechnerisch 105 Parkmöglichkeiten.

Derzeit wird das Kompaktparken in der Praxis erprobt. Damit soll sich nun zeigen, ob sich dieses Verfahren oder ähnliche Telematikanwendungen zukünftig als Ergänzung zum konventionellen Aus- und Neubau von Parkflächen zur Erhöhung der Parkkapazität eignen.

Informationen via Internet

Über internetbasierte Medien erhält der Nutzer entsprechende Hilfestellungen. Um die höchstmögliche Transparenz für den Nutzer zu erzielen, werden neben allgemeinen Informationen und einer Anleitung auch aktuelle Belegungspläne über ein Internetportal bereitgestellt: www.kompaktparken.de

So können Nutzer auch im Vorfeld die Verfügbarkeit von Parkständen prüfen.

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