Fotomontage aus Bildern der Arbeitsbereiche der Bundesanstalt für Straßenwesen



Flächenansprüche von Fußgängern

Auf Gehwegen im Straßenraum überlagern sich zielgerichtete und nicht zielgerichtete Fortbewegung, Aufenthalt, temporäre oder feste Nutzungen, etwa durch Geschäftsauslagen, Werbetafeln oder andere Ausstattungsgegenstände. In der vorliegenden Untersuchung erfolgte eine detaillierte Bewertung der Flächenansprüche von Fußgängern. Die Ergebnisse wurden in der Reihe "Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen" veröffentlicht.

Foto zeigt separate Wartefläche an ÖV-Haltestelle in BaumstreifenSeparate Wartefläche an ÖV-Haltestelle in Baumstreifen

Problem

Zur Dimensionierung der Gehwege liegen bisher nur wenige Erkenntnisse vor, die Ansätze zur Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs nach der Leichtigkeit der Fortbewegung enthalten. Bisherige Modellrechnungen können die Überlagerung der Fußgängerströme und die Nutzungen der Gehwege als Aufenthaltsorte nicht hinreichend abbilden. Kenntnislücken bestehen zudem hinsichtlich der Dimensionierung von Warteflächen an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel sowie an Lichtsignalanlagen. Die vorliegende Arbeit soll auf der Grundlage von beobachtbaren Verhaltensweisen von Fußgängern die bestehenden Lücken schließen.

Untersuchungsmethode

Den Ausgangspunkt bildete eine Analyse der Literatur. Anhand von videogestützten Verhaltensbeobachtungen und Zählungen an 40 ausgewählten Gehwegabschnitten und 20 Warteflächen an ÖV-Haltestellen und Signalanlagen in verschiedenen Städten wurden die Stärken des Fußgängerverkehrs, die Aufteilung auf Einzelpersonen und Personengruppen, die Anteile von Personen mit Gegenständen, die Stärken und Formen des Aufenthaltes im Fußgängerbereich sowie der Ablauf der Fortbewegung ermittelt. Ferner wurden Merkmale der städtebaulichen Nutzungs- und Bebauungsstruktur erhoben, die als Kenngrößen zur Abschätzung der Nutzung der Fußwege und Warteflächen dienen können. Ergänzend erfolgten Interviews, bei denen Fußgängerinnen und Fußgänger nach subjektiv erlebten Behinderungen befragt wurden.

Ergebnisse

Die Geschwindigkeiten, mit denen sich Fußgängerinnen und Fußgänger fortbewegen, führen auf den Gehwegen kaum zu Sicherheitsgefährdungen der Personen untereinander. Es wurde festgestellt, dass bei Gehwegbreiten von bis zu 2,0 m die Fußgängerinnen und Fußgänger in Störsituationen die Distanzbereiche zu angrenzenden Verkehrszonen nicht oder nur stark eingeschränkt einhalten können. Sie bewegen sich dann teilweise in dem Sicherheitsraum zu angrenzenden Radverkehrsanlagen und zur Fahrbahn. Dennoch akzeptieren Alleingehende und die überwiegende Zahl von paarweise oder in Gruppen gehende Fußgänger Gehwege dieser Breite, wenn ihnen niemand begegnet.

Im Geschäftsgebieten zeigen insbesondere Gehwege mit bis zu 2,5 m nutzbaren Breiten häufige Störungen bei der Fortbewegung. Bei größeren Breiten können Aufenthaltsnutzungen und die Fortbewegung besser getrennt bewältigt werden. Geschäftsauslagen und Aufenthaltsnutzungen vor allem in bebauungsnahen Gehwegbereichen beeinflussen die Fortbewegung zum Teil erheblich. Die Beeinflussung geht über die von ihnen belegte Fläche hinaus.

Folgerungen

Aufgrund der Ergebnisse wird der Flächenbedarf für Gehwege in unterschiedlichen städtebaulichen Strukturen praxisorientiert und im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Einarbeitung in Regelwerke abgeleitet. Differenziert nach unterschiedlichen Verkehrs- und Aufenthaltsstärken sowie Geschäftsauslagen und Sicherheitsräumen zu angrenzenden Verkehrsflächen werden für Gehwege Regelbreiten von 2,5 - 5,0 m empfohlen.

Auch in beengten Straßenräumen sollten Gehwegbreiten von 2,0 m nicht unterschritten werden.

Infos zum Bericht
Flächenansprüche von Fußgängern
Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft V 71, 1999
Autoren des Berichts:
Dankmar Alrutz, Wolfgang Bohle
unter Mitarbeit von Sonja Gugel, Stefanie Kiegeland, Frank Niemeyer, Ralph Schmidt, Rainer Vohl
Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover

Pedestrian space requirements

Footways in the roadside environment are used in many ways: walking with a definite destination in mind, strolling, stopping in one area and temporary or permanent uses for example through shop displays or café terraces. The investigation

  • ascertains the pedestrian volumes and purposes for which people stop which can be expected for different urban development structures and uses;
  • processes the movement sequences on footways and the stacking behaviour on waiting areas;
  • derives, based on the above, basic requirements to be placed on the structural design of footways for different urban structures.

The results are used to derive the area required for footways in different urban development structures in a practice-orientated manner which bears in mind the possibilities of this being incorporated into standards and regulations. Standard widths for footways are recommended; these widths take into account different pedestrian traffic and stop densities as well as shop displays and safety distances from adjoining traffic areas. They can thus serve as guideline parameters for deciding on area required in the roadside environment and for adoption in design standards and regulations.

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