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Profile im Straßenverkehr verunglückter Kinder und Jugendlicher

Kinder und Jugendliche bilden im Hinblick auf die Gefährdung im Straßenverkehr eine ausgesprochen heterogene Gruppe. Wie die Ergebnisse dieses Projektes zeigen, lassen sich Subgruppen mit unterschiedlichen Gefährdungsgraden und unterschiedlichen Personenprofilen identifizieren. Für die Durchführung dieses Projekts bestand eine Kooperation der Bundesanstalt für Straßenwesen mit dem Robert-Koch-Institut, Berlin.

Die Grafik zeigt die unterschiedlichen Profile von Kindern und Jugendlichen unter 18 JahrenVier unterschiedliche Profile von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Problem

Seit den 1970er Jahren haben zahlreiche generelle Verkehrssicherheitsmaßnahmen wie zum Beispiel die Einführung von Tempo-30- und Spielzonen oder die schulische Verkehrserziehung zu einer deutlichen Verringerung der Straßenverkehrsunfälle mit Kindern und Jugendlichen beigetragen. Um eine weitere Reduktion der Unfallzahlen zu erreichen, ist eine differenziertere Betrachtungsweise der Verkehrsgefährdung von großem Nutzen. Sie ermöglicht die Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen für besonders gefährdete Kinder. Daher wurde in der vorliegenden Studie ein Forschungsansatz gewählt, der es ermöglicht, mehr oder weniger gefährdete Kinder zu identifizieren.

Untersuchungsmethode

Datengrundlage für die Studie bildete ein vom Robert-Koch-lnstitut durchgeführter Gesundheitssurvey, der repräsentativ für die Wohnbevölkerung der 0- bis 17-Jährigen in Deutschland ist. In drei Untersuchungsjahren (2003-2006) haben insgesamt 17.641 Kinder und Jugendliche (8.985 Jungen und 8.656 Mädchen) an dieser Studie teilgenommen. Erfasst wurde der letzte ärztlich behandelte Unfall im Heim- oder Freizeitbereich sowie in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Der Verkehrsunfall war dabei nur eine von mehreren möglichen Unfallarten. Zum Unfallereignis selbst wurden Angaben zur Art der Verkehrsteilnahme, der Verletzung und gegebenenfalls zu Krankenhausaufenthalten ausgewertet. Darüber hinaus erfolgte eine Analyse hinsichtlich der Angaben über die Helmnutzung sowie über das Tragen von Knie- und Armschonern.

Ergebnisse

Die Studie ergab, dass pro Jahr mindestens 0,6 Prozent der Kinder im Alter bis zu 14 Jahren bei einem Verkehrsunfall auf einem öffentlichen Verkehrsweg verletzt werden. Dieser Anteil ist mehr als doppelt so hoch, wie er für diese Verkehrsteilnehmergruppe in der amtlichen Unfallstatistik ausgewiesen ist. Elternbefragungen ergaben, dass lediglich 57 Prozent der Kinder einen Fahrradhelm tragen. Hinsichtlich ihrer Unfallgefährdung wurden nach psychologischen, medizinischen, sozioökonomischen und demographischen Merkmalen vier Gruppen gebildet: „Die Teenager“: Ältere Unauffällige (34 Prozent) mit einer Unfallbeteiligung von 1,1 Prozent. Sie sind psychisch als „normal“ einzustufen, leben in relativ günstigen sozialen Verhältnissen und durchlaufen eine eher höhere Schulbildung. „Die Ausgeglichenen“: Jüngere Unauffällige (30 Prozent) mit einer Unfallbeteiligung von 0,5 Prozent. Das sind die eher ungefährdeten und auf hohe Sicherheit bedachten Kinder. Ihr psychischer Zustand ist als „normal“ einzustufen. Der Zusammenhalt in der Familie wird als sehr stark empfunden. „Die Gebremsten“: Jüngere Auffällige (21 Prozent) mit einer Unfallbeteiligung von 1,1 Prozent. Ihr psychischer Zustand ist zum Teil als „grenzwertig“ oder „auffällig“ einzustufen. Sie leben in überwiegend bescheidenen sozialen Verhältnissen. Der Zusammenhalt in der Familie wird als eher mäßig empfunden. Ihr Gesundheitszustand ist häufiger als weniger gut zu beurteilen. „Die Ungezügelten“: Ältere Auffällige (15 Prozent) mit einer Unfallbeteiligung von 1,6 Prozent. Der psychische Zustand dieser Kinder ist häufig als „grenzwertig“ oder „auffällig“ einzustufen. Sie leben in eher ungünstigen sozialen Verhältnissen. Ihr Bildungsstand ist niedriger als in allen anderen Gruppen. In dieser Gruppe befinden sich mit Abstand die meisten chronisch Kranken.

Folgerungen

Die Aufspaltung der Heterogenität der Gruppe der Kinder und Jugendlichen in klar beschreibbare Subgruppen mit ihrem jeweiligen Gefährdungsgrad ist ein zielführender Ansatz, um differenzierte Interventionsstrategien zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu entwickeln.

Profiles of children and adolescents involved in road accidents

The study examines profiles of children and young adolescents in connection with road accidents. The profiles consist of psychological, medical and socio-demographic characteristics. A health survey carried out by the Robert-Koch-Institute, which is representative of the resident population up to 17 year olds in Germany, forms the basis of the present analysis. In a three year study period (2003 - 2006), a total of 17,641 children and young adolescents participated in this study. Only the last accident that occurred in a period of 12 months, and that had been medically attended to, was recorded. Thereby, the accident was only one of many possible types of accidents. In respect to the actual accident event, information regarding the type of traffic participation, nature of injury and hospitalization is available. Moreover, the record data includes information on helmet usage for bicycle riding and protecting clothes. A cluster analysis revealed 4 groups of children and young adolescents which differ significantly in terms of psychological, medical as well as socio-economic and demographic characteristics. A difference also exists in relation to accident risk for personal mobility. The groups were named as follows: „The Teenager“: the older unremarkable (34%) with an accident involvement of 1.1%, „The Balanced“: the younger unremarkable (30%) with an accident involvement of 0.5%. “The Tamed“: the younger noticeable (21%) with an accident involvement of 0.5%. „The Untamed“: the older noticeable (15%) with an accident involvement of 1.6%. The results of this study justify the general recommendation to focus future research and road traffic safety work increasingly on various groups of children and adolescents.

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Forschung kompakt 09/11
Bericht
Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft M 206, 2010

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