Navigation und Service

Nutzen-Kosten-Analyse für ABS bei Motorrädern

Seit dem Jahr 1991 hat sich die Zahl der getöteten Pkw-Insassen mehr als halbiert. Im selben Zeitraum ist die Zahl der getöteten Motorradfahrer pro Jahr weitgehend konstant geblieben. Möglichkeiten zur Steigerung der Motorradsicherheit sind daher von Bedeutung. Frühere Studien haben gezeigt, dass Antiblockiersysteme (ABS) bei Motorrädern ein großes Potenzial haben, Unfälle mit Motorrädern zu vermeiden oder abzumildern. Insbesondere werden durch ABS Radblockaden und damit verbundene Stürze vermieden. Eine volkswirtschaftliche Betrachtung der generellen Ausrüstung von Motorrädern mit ABS erfolgt im Rahmen der hier vorgestellten Studie.

Mit Hilfe einer Nutzen-Kosten-Analyse wird geklärt, ob die volkswirtschaftlichen Nutzen von ABS bei Motorrädern höher sind als die dazu notwendigen Aufwendungen. Mittels einer Sensitivitätsanalyse werden die maximal vertretbaren Kosten berechnet, ab denen ABS volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Abschließend wird in einer Break-even-Analyse geklärt, ab welchem Preis oder ab welcher jährlichen Fahrleistung sich ABS für den Nutzer lohnt. Die Analyse erstreckt sich dabei auf die Jahre 2015 und 2020. Für diese beiden Jahre werden die Unfall- und Bestandszahlen hochgerechnet. Die Nutzen-Kosten-Analyse wird pro Jahr für jeweils vier Szenarien durchgeführt. Zwei Szenarien legen die Marktdurchdringung fest. Hier wird zwischen Trendszenario und obligatorischer Einführung ab dem Jahr 2010 unterschieden. Die beiden anderen Szenarien beschreiben das Unfallvermeidungspotenzial von ABS.
Die Wirkpotenziale werden mittels einer Literaturrecherche bestimmt. Aufgrund der Datenlage können nur die Potenziale berechnet werden, die aus der Sturzvermeidung vor dem eigentlichen Unfall resultieren, so dass die Zahlen das reale Wirkpotenzial unterschätzen. Demnach geht die Anzahl der Unfälle für das Szenario mit der höheren Wirksamkeit um 2,4 % zurück; die Zahl der Unfallgetöteten sinkt um 12,1 %, die Zahl der Schwerverletzten kann um 11,7 % gesenkt werden; die Zahl der Leichtverletzten nimmt allerdings um 2,1 % zu.
Die erforderlichen Aufwendungen hängen von der produzierten Menge ab. Je mehr ABS-Systeme hergestellt werden, desto geringer sind die Kosten pro System. Für das Trendszenario liegen die Kosten für ABS bei 120 Euro für das Jahr 2015 und bei 105 Euro für das Jahr 2020. Im Szenario mit obligatorischer Einführung werden die Kosten jeweils geringfügig niedriger geschätzt. Die Nutzen-Kosten-Verhältnisse liegen für alle Szenarien über der kritischen Schwelle von 1,0. Für die Szenarien mit der höheren Wirksamkeit von ABS liegen die Werte in der Spanne zwischen 4,6 und 4,9. ABS ist somit volkswirtschaftlich sinnvoll. Die Break-even-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass ABS für den Nutzer ebenfalls sinnvoll ist. Die angenommenen Marktpreise liegen deutlich unter den berechneten fairen Marktpreisen in Höhe von 701 Euro für das Jahr 2015 und 622 Euro für 2020. Damit ist ABS für den einzelnen Fahrer wirtschaftlich sinnvoll, wenn er mehr als 2.200 km pro Jahr (für 2015) beziehungsweise mehr als 1.900 km pro Jahr (für 2020) zurücklegt. Im Durchschnitt legt er jedoch jährlich 3.900 km zurück, so dass sich ABS für die meisten Motorradfahrer auch seitens der Fahrleistung lohnt.

Cost-benefit analysis for ABS of motorcycles

A cost-benefit analysis is used to clarify whether the economic benefits of ABS for motorcycles are higher than the costs incurred. A sensitivity analysis is used to calculate the maximum justifiable costs at which the use of an ABS would be economically meaningful. Finally, a break-even analysis is carried out to clarify from which price or annual kilometres travelled onwards an ABS would be worth-while for the users. The analysis covers the years from 2015 to 2020. The accident and stock figures for these two years are extrapolated. The cost-benefit analysis is carried out for a total of four scenarios for each year. Two scenarios stipulate the market penetration. Here we distinguish between trend scenario and obligatory implementation from 2010 onwards. The two other scenarios describe the accident-avoidance potential of ABS. The potential benefit of ABS is determined by means of a literature search. Because of the limited data available, only the potential resulting from the avoidance of falls before the actual accident can be calculated, which means that the numbers underestimate the real potential. As result, the number of accidents for the scenario with the higher effectiveness of ABS decreases by 2.4%, while the number of persons killed in accidents decreases by 12.1% and the number of serious injuries decreases by 11.7%. However, the number of slightly injured persons increases by 2.1%.
The expenditure required depends on the number of ABS systems produced. The more ABS systems are produced, the lower the cost per system would be. For the trend scenario, the costs for ABS were about 120 Euro for the year 2015 and 105 Euro for the year 2020. If the compulsory implementation scenario is used, the costs would be slightly lower in each case.The cost-benefit ratios for all scenarios lie above the critical threshold of 1.0. For the scenarios with the higher effectiveness of ABS, the values lie within the range between 4.6 and 4.9. ABS is thus deemed to be economically sensible. The break-even analysis comes to the conclusion that ABS is also a sensible solution for the user. The market prices assumed clearly lie below the calculated, fair market prices to the amount of 701 Euro for the year 2015 and 622 Euro for 2020. Thus ABS is economically beneficial for an individual driver who travels more than 2,200 km per year (in 2015) or more than 1,900 km per year (in 2020). The average motorcyclist, however, travels 3,900 km per year, so that the ABS system would be an economically viable option for most motorcyclists.

BASt-Info als Download: 11/2008

Bestellung eines gedruckten Exemplars.

Diese Seite

© 2015 Bundesanstalt für Straßenwesen