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Fahrzeuggestützte Notrufsysteme (eCall) in Deutschland

Die Europäische Kommission strebt an, die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten in der EU bis zum Jahr 2010 zu halbieren, unter anderem durch den Einsatz von fahrzeuggestützten Notrufsystemen. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen hat die spezifischen Rahmenbedingungen in Deutschland für die Einführung eines solchen Notrufsystems analysiert und Umsetzungsempfehlungen erarbeitet.

Problem

Wirksame Maßnahmen, von denen man sich eine Reduzierung der Anzahl der im Straßenverkehr getöteten und verletzten Personen verspricht, können sich auf die Unfallvermeidung (Pre-Crash-Phase), den Schutz der beteiligten Personen während des Unfalles (Crash-Phase) und die Minimierung der Unfallfolgen (Post-Crash-Phase) richten. Ein wesentlicher Ansatzpunkt im Bereich der Post-Crash-Phase ist die Optimierung der Unfallmeldung durch eine Verkürzung der Zeitspanne zwischen dem Unfallgeschehen und dem Eingang der Unfallmeldung in der zuständigen Rettungsleitstelle (Meldefrist) und durch die Verbesserung des Meldebildes.

Untersuchungsmethodik

Im Rahmen einer deskriptiven Analyse wurden die deutschen Rahmenbedingungen von Straßenverkehrsunfällen sowie Strukturen und Leistungen des Rettungsdienstes erfasst. Außerdem wurden Anforderungen an fahrzeuggestützte Notrufsysteme formuliert und bestehende Systemlösungen untersucht. Nach einer Klassifikation der möglichen Systeme wurden zwei ausgewählte Systemvarianten aus gesellschaftlicher Sicht einer KostenWirksamkeits-Analyse (Methodik der gesundheitsökonomischen Evaluation) unterzogen. Zur qualitativen Bewertung der Systemvarianten wurde eine Nutzwertanalyse mittels einer Befragung verschiedener Interessengruppen durchgeführt.

Ergebnisse

Die beiden untersuchten Systemvarianten unterscheiden sich durch die zentrale und die dezentrale Erstbearbeitung von Notrufen in Rettungsleitstellen. Die Untersuchung ergab, dass je nach betrachteter Systemvariante und Ausgestaltungsform des im Fahrzeug eingebauten Systems Kosten in Höhe von 1,5 bis 5,5 Milliarden Euro für die Gesellschaft entstehen (einschließlich Kosteneinsparungen, die sich aus der monatlichen Bewertung der erwarteten Reduzierung von Unfalltoten und Schwerverletzten ergeben). Werden diese Kosten auf die mit eCall ausgestatteten Fahrzeuge umgelegt, ergeben sich rechnerisch Kosten von 47 bis 168 Euro pro Fahrzeug. Diesen stehen im Betrachtungszeitraum von zehn Jahren 390 bis 438 gerettete Personen und 11.879 bis 13.364 weniger Schwerverletzte entgegen. Lediglich bei der kostengünstigsten Ausgestaltungsform des eCall-Systems im Fahrzeug als integrierte Lösung übersteigen die Einsparungen die Kosten. Unter monetär bewerteten Kosten- und Nutzen-Gesichtspunkten aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive kommt der Ausgestaltung des Systems nach zentral/dezentral organisierten Rettungsleitstellen keine Bedeutung zu. Im Rahmen der Nutzwertanalyse konnte bei den befragten Vertretern der unterschiedlichen Interessengruppen keine eindeutige Präferenz für eine der beiden Systemvarianten festgestellt werden.

Folgerungen

Die Einführung eines fahrzeuggestützten Notrufsystems in Deutschland ist mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden. Aus der Untersuchung wird deutlich, dass Kosteneinsparungen auch bei optimistischen Nutzenannahmen in Bezug auf die Wirksamkeit zur Reduzierung der Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr nur bei den kostengünstigsten Varianten von fahrzeuggestützten Notrufsystemen realisierbar sind. Im Rahmen der Studie kann deshalb für die europaweite Einführung von fahrzeuggestützten Notrufsystemen nur die kostengünstigere Variante empfohlen werden, die die in den Fahrzeugen bereits vorhandenen Module einbezieht, zum Beispiel GNSS-Systeme oder Mobilfunktelefone der Insassen. Eine freiwillige Markteinführung der Systeme würde dazu führen, dass eCall-Systeme insbesondere dann in Fahrzeuge integriert werden, wenn Risikogruppen ihren Nutzen besonders hoch einschätzen oder wenn nur geringe Mehrkosten anfallen, wie dies beispielsweise der Fall wäre, wenn im Fahrzeug bereits ein Telematiksystem integriert ist.

Automatic Crash Notification (ACN) systems for road safety in Germany

The European Commission aims at reducing the number of road fatalities by 50% by the year 2010, amongst other things, by introducing an Automatic Crash Notification (ACN) sys-tem. The objective of this survey is to analyse the specific conditions under which an ACN could be introduced in Germany, and thereon aligned develop a recommendation for implementation. On the basis of a descriptive analysis, the specific conditions in Germany with reference to traffic accidents as well as the structures of and service provided by Rescue Services are investigated. Moreover, the specifications of an Automatic Crash Notification system are outlined and existing systems solutions are examined. The basic result is reflected with costs (included savings) for society between Euro 1.5 and 5.5 Billion, according to the different system variants. If vehicles are equipped with eCall, in the period of ten years between 390 and 438 avoided fatalities and between 11,879 and 13,364 avoided severe injuries are possible. A voluntarily introduction on the market of the systems would lead to the fact that eCall systems are integrated particularly in vehicles, if the extra costs are small or risk groups estimates a particularly high utility. With a voluntarily introduction of vehicle-supported emergency call systems in Germany the user will decide in the long of the success of eCall.

BASt-Info als Download: 10/2008

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