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Optimierung von Kinderschutzsystemen im Pkw

Im Vergleich zu anderen Verkehrsbeteiligungsarten ist die Gefahr für Kinder, als Passagier in einem Pkw schwer verletzt oder getötet zu werden, besonders hoch. Spezielle Kinderschutzsysteme (KSS) sollen im Fall eines Verkehrsunfalls eine höhere Sicherheit bieten. In einem Forschungsprojekt wurden der aktuelle Stand der Sicherheit von Kindern im Pkw untersucht, dokumentiert und Optimierungspotenziale aufgezeigt.

Die Grafik zeigt verschiedene Klassen von KinderschutzsystemenVerschiedene Klassen von KSS: 1 = Tragetasche, 2 = Babyschale, 3 = KSS mit eigenem 5-Punkt-Gurt, 4 = KSS mit Rückenlehne und Seitenschutz, 5 = Fangkörpersystem, 6 = Fangkörper ohne eigene Sitzfläche, 7 = KSS mit Rückenlehne, 8 = Sitzerhöhung (GDV, 2000)

Problem

Kinder unterscheiden sich neben der Körpergröße auch in den Proportionen und der Massenverteilung vom Erwachsenen. Daher schützen Sicherheitsgurte für Erwachsene im Falle eines Verkehrsunfalles Kinder in Pkw nicht ausreichend. Bis zu einem Alter von zwölf Jahren oder einer Körpergröße von 1,50 Meter benötigen Kinder zusätzliche Sicherungseinrichtungen, die im Pkw auf den Sitzen befestigt werden. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Kinderschutzsysteme (KSS) verschiedener Hersteller. Angesichts dessen ist es für den Verbraucher oft schwierig, das beste Produkt zu finden. Erfahrungen aus Untersuchungen vergangener Jahre zeigen, dass KSS zudem oftmals nicht korrekt installiert werden. Die Folge ist, dass in einem solchen Falle ihr Sicherheitspotenzial nicht nur nicht voll ausgeschöpft wird, sondern sie sogar eine Gefahr für das Kind und für andere Pkw-Insassen darstellen können. Ziel des Forschungsprojektes war es, die Schutzwirkung von derzeit auf dem Markt befindlichen KSS zu analysieren und daraus Maßnahmen zur weiteren Erhöhung der Sicherheit abzuleiten.

Untersuchungsmethode

Ausgehend von einer umfangreichen Literaturrecherche, einer detaillierten Auswertung der aktuellen Unfallstatistik und einer Marktanalyse der angebotenen Schutzsysteme für Kinder erfolgten auf der Versuchsanlage der Technischen Universität Berlin experimentelle Untersuchungen. In über 100 Schlittenversuchen wurden verschiedene KSS in unterschiedlichen Verfahren sowohl für den Frontal- als auch für den Seitenanprall getestet. Außerdem wurden in Simulationen verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung des Sicherheitspotenzials untersucht, konkrete Verbesserungsvorschläge realisiert und experimentell überprüft.

Ergebnisse

Gegenüber Fahrradfahrern und Fußgängern haben im Pkw mitfahrende Kinder im Falle eines Unfalls trotz vorgeschriebener Kinderschutzsysteme oft sogar ein höheres Risiko verletzt oder getötet zu werden. In experimentellen Tests wurde das Schutzpotenzial von verschiedenen aktuellen Kindersitzmodellen mit dem Ziel untersucht, Maßnahmen zu erkennen, die dem Schutz der Kinder dienlich sind.

Es zeigte sich, dass heutige KSS nur zum Teil ein hohes Schutzpotenzial erreicht haben. Sobald die Anforderungen über die der Gesetzgebung hinaus gehen, ist zunehmend weniger Schutz vorhanden. Dies gilt vor allem für den Seitenaufprall, aber auch beim Frontalaufprall unterscheiden sich gute und schlechte KSS deutlich. Trotz des hohen Schutzpotenzials einiger Kindersitze ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Anhand experimenteller Untersuchungen und der Simulation konnte der positive Einfluss einzelner technischer Optimierungen zur Erhöhung des Schutzpotenzials nachgewiesen werden. In allen Kindersitzklassen ist es prinzipiell möglich, die Belastungswerte weiter zu reduzieren.Dies kann einerseits durch technische Maßnahmen erreicht werden, die die Konstruktion der KSS oder ihrer Bauteile betreffen. Andererseits kann es sich auf die Position des Kindes bei einem Unfall oder die Wirkung von Pkw-seitigen Sicherheitselementen beziehen. Eine wichtige Bedingung aber ist, dass alle technischen Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit nicht den Fehlgebrauch fördern. Ohne zu gewährleisten, dass die Bedienbarkeit und Verständlichkeit des KSS erhalten bleibt oder verbessert wird, sollte keine technische Veränderung durchgeführt werden.

Folgerungen

Der Autor leitet aus den Untersuchungsergebnissen Anforderungen an die Konstruktion von KSS ab. Die Sicherheit von Kindern im Pkw wird jedoch nicht allein durch die Technik des KSS bestimmt. Vielmehr ist das Zusammenwirken von mehreren Faktoren dafür entscheidend, wie gut ein Kind bei einem Unfall geschützt werden kann. Dabei bilden das KSS, der Pkw und die Bedienung des KSS die Hauptkomponenten, aber auch Wechselwirkungen haben Einfluss auf die Sicherheit. Eine wesentliche Aufgabe besteht also darin, die Benutzung von technisch optimierten Kindersitzen zu vereinfachen und die KSS an den jeweiligen Pkw anzupassen. Auch weitere Grundlagenuntersuchungen sind notwendig. Das betrifft vor allem die Unfallanalyse. Nur wenn diese detailliert fortgeführt wird, lassen sich in Zukunft Einflüsse von technischen Änderungen oder anderen Verbesserungen erkennen und bewerten.

Improvement of child restraint systems in cars

This project report summarises the status quo of child safety in cars in Germany. More than 100 tests were performed to measure the level of safety of today‘s common child restraint system (CRS). In four different test procedures well known CRS and nonbranded ones were assessed. Counter measures in the CRS design to improve the safety level have been identified based on the measurements of dummy loadings. The safety of some CRS is currently at a high level. All well known products were not damaged in the tests. But not all CRS are achieving good results. Polystyrene is used in some CRS as energy absorption and damping material. This worked very efficiently. In this study different investigations and prototypes are presented. All named improvements show there are possibilities to increase today‘s high level of safety for children in cars.

BASt-Info als Download: 09/2008

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