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Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern

Die Zahl der Radfahrer steigt seit einigen Jahren in Deutschland stetig an. Diese Entwicklung wird unter anderem durch den Ausbau des Radverkehrsnetzes begünstigt. In einer aktuellen Untersuchung wurden nun die Nutzung und das Sicherheitsniveau unterschiedlicher Führungsformen analysiert und hieraus Empfehlungen für deren Gestaltung sowie für die Verkehrsaufklärung im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit abgeleitet.

Das Foto zeigt  einen Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutz- und ParkstreifenTeilabschnitt mit Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutz- und Parkstreifen (Bild: Planungsgemeinschaft Verkehr)

Problem

Ein verkehrspolitisches Ziel in Deutschland ist es, die Rolle des Radverkehrs zu stärken. Dazu wurden in den vergangenen Jahren neue Führungsformen sowie verkehrsrechtliche Regelungen für Radfahrer entwickelt. Bislang fehlen jedoch belastbare Erkenntnisse darüber, in welchem Maße die Verkehrsteilnehmer die neuen Führungsformen und Regelungen verstehen und akzeptieren. Es mangelt zudem an abgesicherten Erkenntnissen über die tatsächlich genutzte Verkehrsfläche und das anlagenspezifische Sicherheitsniveau. Ziel der Untersuchung ist, das Sicherheitsniveau und die Akzeptanz von Radwegen, Radfahr- und Schutzstreifen vergleichend zu bewerten, subjektive Einflüsse der Nutzer auf die Akzeptanz zu ermitteln und hieraus Empfehlungen für die Verkehrsregelung und die Gestaltung von Radverkehrsanlagen sowie für die Verkehrsaufklärung abzuleiten.

Untersuchungsmethode

Ausgehend von einer Literaturanalyse wurde zunächst der Kenntnisstand über die anlagenspezifischen Unfallrisiken, die Akzeptanz und die Konfliktpotenziale unterschiedlicher Führungsformen sowie über die Regelkenntnis, das Sicherheitsgefühl und die sicherheitsrelevanten Einstellungen von Radfahrern zusammengestellt. Für die Untersuchung wurden 100 Straßenabschnitte mit verdichteter städtebaulicher Nutzung ausgewählt. Hinsichtlich Nutzung und Unfallgeschehen analysiert wurden insgesamt 60 Straßenseiten mit benutzungspflichtigen Radwegen, 53 Straßenseiten mit nicht benutzungspflichtigen Radwegen, 42 Straßenseiten mit Radfahrstreifen sowie 38 Straßenseiten an Straßen mit Schutzstreifen. Desweiteren wurden knapp 800 zufällig ausgewählte Radfahrer zum Sicherheitsempfinden, dem eigenen Verkehrsverhalten und der Befolgung von Verkehrsregeln befragt.

Ergebnisse

Die Akzeptanz der verschiedenen Radverkehrsführungen ist im Mittel sehr hoch. Etwa 90 Prozent der rechts fahrenden Radfahrer nutzen unabhängig von der Benutzungspflicht die Radwege beziehungsweise die Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Der Anteil der regelwidrig links fahrenden Radfahrer liegt bei Radwegen bei 20 Prozent und bei Radfahr- und Schutzstreifen bei 10 Prozent. Auf den Untersuchungsabschnitten mit benutzungspflichtigen Radwegen beträgt der Anteil regelwidrig auf der Fahrbahn fahrender Radfahrer nur etwa zwei Prozent. Auf Straßen mit nicht benutzungspflichtigen Radwegen beträgt der Anteil der Fahrbahnnutzer rund vier Prozent. Die Unfallkennziffern streuen bei allen Anlagetypen in einem weiten Bereich. Die mittlere Unfallrate (Radverkehrsunfälle bezogen auf die Radverkehrsstärke) liegt bei Radwegen etwas höher als bei Straßen mit Radfahrstreifen oder Schutzstreifen. Zu einem großen Teil ist dies auf die stärkere Nutzung in der falschen Fahrtrichtung zurückzuführen. Jeder Anlagentyp weist auch hoch unfallbelastete Abschnitte auf, was im Einzelfall meist auf einzelne entwurfstechnische Defizite zurückzuführen war. Ausreichenden Sichtbeziehungen und Sicherheitsräumen zum ruhenden Verkehr kommt in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung zu. Radwege ohne Benutzungspflicht werden vor allem wegen eines höheren subjektiven Sicherheitsempfindens genutzt oder aus Gewohnheit, aber teilweise auch aus Unkenntnis über die Regelung zur Benutzungspflicht. Typische Regelverstöße von Radfahrern sind größtenteils nicht durch mangelndes Regelwissen bedingt.

Folgerungen

Eine generelle Präferenz für einen Anlagentyp kann aufgrund der Untersuchungsergebnisse nicht begründet werden. Zugleich sollte die Bedeutung sicherheitsrelevanter Merkmale auch für nicht benutzungspflichtige Radwege betont werden. Unabhängig von der Führungsform und der Benutzungspflicht sind gemäß dem technischen Regelwerk gestaltete Radverkehrsanlagen als sicher einzustufen. Jugendliche und erwachsene Radfahrer sollten zielgruppenspezifisch über typische Gefahrenstellen informiert werden. Im Vordergrund sollten hier neben dem Risiko des Linksfahrens insbesondere ein- und abbiegende Kfz sowie der ruhende Verkehr stehen.

Accident risk and acceptance of traffic rules by cyclists

At urban roads with different types of cycle facilities the accidents and the road area were analysed. Besides, the traffic flow was studied and cyclists were interviewed. Irrespective of the legal duty of using, about 90 percent of the cyclists in right direction ride on the cycle paths or the cycle lanes. At roads with cycle paths, about 20 percent of all cyclists irregularly ride in left direction. At roads with cycle lanes, the portion of cyclists riding irregularly in left direction is about 10 percent. At cycle lanes, most interferences are caused by vehicles parked irregularly. At some of the cycle lanes, there are more critical situations for the cyclists than at cycle paths. At each type of cycle facility, the accident density as well as the accident rate vary widely. The average accident rate of roads with cycle paths is insignificantly higher than the accident rate of roads with cycle lanes. At cycle paths of good quality, the average accident rate of cyclists in right direction is lower than at cycle paths of poor quality. As a conclusion, none of the types of cycle facilities may be preferred in general. The road area where cyclists ride as well as their accident risk is not influenced by the duty of riding on cycle paths.

BASt-Info als Download: 08/2009

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