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Pilotanwendung der Empfehlungen für die Sicherheitsanalyse von Straßennetzen (ESN)

Die Erkennung von Sicherheitsdefiziten im Straßennetz erfolgt zurzeit im Wesentlichen im Rahmen der örtlichen Unfalluntersuchungen. Dabei werden überwiegend punktuelle Unfallhäufungen identifiziert und analysiert. Für die Analyse von Straßennetzen wird mit den „Empfehlungen für die Sicherheitsanalyse von Straßennetzen (ESN)“ ein Verfahren vorgestellt, das für eine netzweite Analyse von Straßen geeignet ist und die Identifikation von Sicherheitsdefiziten in einem größeren Maßstab ermöglicht.

Problem

Für die Erkennung von Sicherheitsdefiziten in Straßennetzen sind streckenbezogene Unfallanalysen erforderlich. Aus diesem Grund wurde das in den „Empfehlungen für die Sicherheitsanalyse von Straßennetzen (ESN)“ beschriebene Verfahren entwickelt. Dabei werden für definierte Netzabschnitte Sicherheitspotenziale in Form von vermeidbaren Unfallkosten pro Kilometer ermittelt. Im Rahmen dieser Untersuchung lag der Fokus auf der Frage, ob und in welchem Umfang mit einer weitestgehend automatisierten Vorgehensweise sowie unter Verwendung der digital verfügbaren Daten eine sinnvolle Anwendung der ESN möglich ist.

Untersuchungsmethoden

Im Forschungsprojekt wurde eine pilothafte Anwendung der Verfahren nach ESN für das Straßennetz des überörtlichen Verkehrs in Rheinland-Pfalz vorgenommen. Als Datengrundlagen standen die Unfalldaten auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Rheinland-Pfalz für die Jahre 2001 bis 2004 zur Verfügung. Da sich die in den Straßendatenbanken geführten Abschnitte für die Zielsetzung der ESN als zu feingliedrig erwiesen, wurden vertiefende Untersuchungen zur Abschnittsbildung durchgeführt.

Ergebnisse

Das ESN-Verfahren ist in vielen Fällen in der Lage, Bereiche zu identifizieren, die auch bei einer Betrachtung der etablierten Unfallkenngrößen und insbesondere der Unfallkostenrate auffallen. Im Unterschied zur Unfallkostenrate zielt das Sicherheitspotenzial jedoch mehr auf die absolute Höhe der reduzierbaren Unfallkosten als auf relative Kennziffern, um den Vergleich mit den späteren Kosten von Verbesserungsmaßnahmen zu ermöglichen. Die als Ergebnisse der ESN-Auswertung identifizierten Abschnitte enthalten Bereiche, die auch im Rahmen der örtlichen Unfalluntersuchung auffallen. Da der Blickwinkel auf größere Netzabschnitte gerichtet ist, werden jedoch auch andere oder darüber hinausgehende Bereiche durch das ESN-Verfahren auffällig, die ebenso Maßnahmen erfordern. Im Hinblick auf die Maßnahmenfindung werden eher großräumige oder linienhafte Lösungen vorgeschlagen, als sie bei der Bearbeitung der Unfallhäufungsstellen in Betracht kommen.

Folgerungen

Über die Betrachtung von Unfallkostenraten hinausgehend und in Ergänzung zu den Erkenntnissen der örtlichen Unfalluntersuchung ermöglicht das ESN-Verfahren die Identifizierung von Gleichartigkeiten des Unfallgeschehens im Verlauf eines Straßenzuges, bei denen durch netzbezogene Maßnahmen eine Erhöhung der Verkehrssicherheit erreicht werden kann. Grundlage für die EDV-gestützte Durchführung einer Sicherheitsbewertung nach ESN ist ein digitales Straßennetz. Die aus der Straßeninformationsbank (SIB) verfügbaren digitalen Daten liegen in Form von Datensätzen und grafischen Elementen für eine kartografische Darstellung vor. Da diese Daten jedoch in der Regel aus betrieblichen Erfordernissen entstanden sind, ist eine Abschnittsbildung innerhalb dieses Netzes zu feingliedrig für eine sinnvolle Anwendung des ESN-Verfahrens. Aus diesem Grunde ist für die ESN ein separates digitales Netz herzustellen, das an folgenden Kriterien ausgerichtet sein sollte:

  • Bei der Abschnittsbildung sollten Innerorts- und Außerortsabschnitte getrennt werden.
  • Abschnitte außerorts sollten eine Länge von mindestens 1000 Metern haben. Extrem kurze Abschnitte bedürfen einer gesonderten Kennzeichnung.
  • Bei Ortsdurchfahrten, die kürzer als 500 Meter sind, sollten der Abschnitt davor und dahinter zusammengefasst werden.
  • Abschnitte sollten getrennt werden, wenn sich die Verkehrsstärke um mehr als 50 Prozent ändert.
  • Eine Anpassung der Abschnittsbildung durch einen orts- und sachkundigen Anwender kann im Einzelfall sinnvoll sein.
  • Im Bereich von planfreien und teilplanfreien Knotenpunkten können Sonderfälle entstehen, die separat zu bewerten sind.

Das ESN-Verfahren kann damit eine Vorauswahl von auffälligen Streckenabschnitten liefern, deren Verbesserung zu einer deutlichen Steigerung der Verkehrssicherheit führen könnte. Inwiefern die so ermittelten Sicherheitspotenziale tatsächlich durch geeignete Verbesserungsmaßnahmen ausgeschöpft werden können, muss in jedem Fall mit Sachverstand und Ortskenntnis durch eine Detailanalyse geklärt werden.

Pilot Application of the Recommendations for the Safety Analyses of Road Networks (ESN)

The recognition of safety deficiencies in the road network is conducted essentially in the context of local accident investigations in which predominantly punctual accident accumulations are identified and analyzed. The “Recommendations for the Safety Analysis of Road Networks (ESN)” introduces procedures that are suitable for the network-wide analysis of streets and roads and which enable the identification of safety deficiencies on a larger scale. As part of the present project, a pilot-type application of the procedures according to ESN was conducted for the regional road network in Rhineland-Palatinate. The focus of the investigation was whether and to what extent sensible application of ESN is possible with the most automated procedural manner possible and using the digitally available data. For this purpose, the UNFAS program system was applied. However, with this it was only possible to conduct calculations for the unaltered segments taken from the digital road databases, which proved to be insufficient for the objectives of ESN. For this reason, more in-depth investigations were carried out to improve segment formation.

BASt-Info als Download: 06/2008

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