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Aktive Fahrzeugsicherheit und Fahrassistenzsysteme

Stand: Juli 2017

Notbremssysteme für Lkw (5116006)
Um die Sicherheit und Wirksamkeit von Notbremsassistenzsystemen von Lkw zu erhöhen, untersucht die BASt derzeit mögliche Anpassungen der technischen Anforderungen an Notbremssysteme von Lkw. Es ist zu prüfen, inwieweit die derzeit zulässige Abschaltbarkeit erforderlich ist, und falls ja, ob sie auf bestimmte Verkehrssituationen und Fahrzeugtypen eingeschränkt werden kann. Es ist weiterhin zu untersuchen, ob höhere Mindestverzögerungswerte gefordert werden können und insbesondere im Falle von stehenden Fahrzeugen vor dem Fahrzeug Notbremsungen mit deutlich höheren Verzögerungen eingeleitet werden können, beispielsweise am Stauende. Zudem ist zu prüfen, ob durch die Systeme auch kleinere Fahrzeuge als bisher vorgeschrieben erkannt werden müssen. Auch eine Anpassung der Regelkriterien an unterschiedliche Straßenverhältnisse ist zu prüfen. Gewünscht ist zusätzlich die Warnung von Fahrern bei geringen Sicherheitsabständen.

Bewertung der aktiven Fahrzeugsicherheit durch EuroNCAP (5188001)
Die Bewertung der passiven Fahrzeugsicherheit durch EuroNCAP ist mittlerweile ein gutfunktionierendes Mittel des Verbraucherschutzes und dient auch der Anhebung des Sicherheitsstandards der Fahrzeuge. Dieses Bewertungsprogramm wird auf die aktive Fahrzeugsicherheit (PNCAP) immer weiter ausgedehnt. Die BASt arbeitet in den Arbeitsgruppen des EuroNCAP-Konsortiums mit, um dort die deutschen Interessen in Belangen der aktiven Fahrzeugsicherheit und deren Bewertung zu vertreten. Dabei wird das Ziel verfolgt, die deutschen Vorstellungen zur Fahrzeugsicherheitsbewertung in die Arbeitsgruppen einzubringen und durchzusetzen, um das EuroNCAP-Verfahren nachhaltig zu verbessern. Bewertet werden in PNCAP bisher automatische Notbremssysteme für Fahrzeug-Fahrzeug- und Fahrzeug-Fußgänger-Konstellationen (AEB: Autonomous Emergency Braking und AEB VRU: Autonomous Emergency Braking Vulnerable Road Users), fahrspurunterstützende Systeme (LSS: Lane Support Systems) und Geschwindigkeitsbegrenzer (SAS: Speed Assist Systems). Weiterhin sind als nächste Schritte bei PNCAP Bewertungsverfahren für Kreuzungs- und Gegenverkehrsszenarien sowie für Fußgänger bei Nacht und Radfahrerszenarien geplant.

Lichttechnische Einrichtungen (5116002)
Sicht und Sichtbarkeit sind zwei wesentliche Aspekte der aktiven Fahrzeugsicherheit. Zum einen sind gute Scheinwerfer nötig, um auch nachts ausreichend weit sehen zu können. Zum anderen sollte aber auch das eigene Fahrzeug gut sichtbar sein, um nicht übersehen zu werden. Letzteres gilt sowohl in der Nacht als auch bei Tage. Darüber hinaus sollte die Beleuchtung am Fahrzeug so gestaltet sein, dass sie andere Verkehrsteilnehmer weder irritiert noch blendet. Im Rahmen von Forschungs- und Gremienarbeit werden diese lichttechnischen Themen mit Einfluss auf die Verkehrssicherheit von der BASt näher betrachtet und bei Bedarf vertieft untersucht. Dabei wird seitens der BASt Eigenforschung und begleitende Drittmittelforschung durchgeführt.

Automatische Notbremssysteme für Motorräder (82.661)
Im Pkw-Bereich dringen automatische Notbremssysteme in immer mehr Marktsegmente vor. Mit der Berücksichtigung dieser Systeme in Euro NCAP-Testanforderungen wird ein noch stärkeres Vordringen in tiefere Marktsegmente erwartet. Vor dem Hintergrund der seit Jahren in etwa gleichbleibenden Unfallzahlen von Motorradfahrenden stellt sich die Frage, inwieweit derartige Bremssysteme auf Einspurfahrzeuge übertragbar sind. Ziel dieses Projekts ist es, Fahrdynamikbereiche zu identifizieren, in denen weitgehend gefahrlos automatische Bremseingriffe erfolgen können, sowie gegebenenfalls die bereichsabhängige Höhe der Verzögerung zu erarbeiten. Eine Abschätzung des Potenzials entsprechender Bremssysteme auf die Reduktion der Motorradunfallzahlen soll ebenfalls erfolgen. Eine derartige Potenzialabschätzung nutzt der Entscheidung, weitere, gegebenenfalls auch regelungsvorbereitende Forschung zu initiieren oder weitere Schritte auf der politischen Ebene einzuleiten. Warnende Systeme sind dabei als Untergruppe der Notbremssysteme zu sehen und ebenfalls zu betrachten.

Stationär-Geräusch von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen (82.665)
Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge haben gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor den Vorteil der niedrigen Geräuschemission, die jedoch mit einer veränderten Wahrnehmbarkeit einher geht. Insbesondere für schwächere Verkehrsteilnehmer ändert sich die Gewohnheit, Fahrzeuge anhand deren Betriebsgeräusche zu orten und diesen eine Verhaltensaussage zuzuordnen. Mithilfe eines akustischen Fahrzeug-Warnsystems sollen elektrisch angetriebene Fahrzeuge besser wahrnehmbar sein, ohne dabei das Geräuschniveau von konventionell angetriebenen Fahrzeugen zu überschreiten. In dieser Studie soll untersucht werden, ob ein künstlich erzeugtes Stationärgeräusch, welches die Anforderungen im Sinne des UN-Regelungsentwurfs QRTV erfüllt, zur Vermeidung von Unfällen beitragen kann. Neben einer Literaturanalyse und der Beschreibung des Stands der Technik sind Probandenversuche durchzuführen.

Elektromotorräder - Fahrdynamik, Rekuperation (82.596)
Um die Reichweite von Elektromotorrädern und Elektrorollern zu erhöhen, kann die kinetische Energie beim Abbremsen in elektrische Energie umgewandelt werden – man nennt diesen Vorgang Rekuperation. Wird diese moderat eingesetzt, kann das herkömmliche Verzögern durch das Schleppmoment eines Verbrennungsmotors nachempfunden werden. Wird während bestimmter Fahrmanöver rekuperiert, hat dies sicherheitskritische Auswirkungen auf die Fahrdynamik, was zu Unfällen führen könnte. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens soll die Rekuperation bei Elektromotorrädern untersucht werden, um Effekte auf die Fahrdynamik darzulegen. Ziel ist es, kritische Betriebspunkte der Rekuperation abzuleiten, Gegenmaßnahmen aufzuzeigen und Anforderungen an die Rekuperation zu erarbeiten. Ausgangspunkt der Studie ist eine Recherche der derzeitigen und künftigen Rekuperations-Systeme an Elektromotorrädern. Darauf aufbauend sind Bewertungsgrundlagen für sicherheitsrelevante Fahrmanöver mit Rekuperation aufzuzeigen. Anhand von Testfahrten sind Randbedingungen zu nennen, in denen Rekuperation möglichst wirksam und gleichzeitig unkritisch betrieben werden kann. In einer Analyse sollen Gegenmaßnahmen beziehungsweise Assistenzsysteme für sichere Rekuperation erarbeitet sowie Anforderungen abgeleitet werden, die zukünftig die Fahrsicherheit von Elektromotorrädern erhöhen.

Potenzial und Test von Rückfahrassistenten bei Pkws (M1) und Kleintransportern (N1) (82.597)
Bei vielen neuen Fahrzeugmodellen kann man feststellen, dass sich insbesondere das rückwärtige Blickfeld gegenüber früheren Fahrzeuggenerationen deutlich verschlechtert hat und solche Fahrzeuge als unübersichtlich empfunden wurden. Die Fahrzeughersteller bieten häufig Assistenzsysteme in Sonderausstattung an, die den rückwärtigen Fahrzeugaktionsraum überwachen sollen oder auf einem Monitor darstellen und damit die Situation entschärfen sollen. Diese Systeme wurden aber zunächst unter dem Aspekt „Komfortgewinn“ entwickelt und sind noch keinen verbindlichen Vorgaben unterworfen, die jedoch für einen nachweisbaren Sicherheitsgewinn notwendig wären. Aus diesem Grund soll unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der bisherigen Untersuchungen, des Unfallgeschehens und des Stands der Technik eine Analyse zum Sicherheitsnutzen verschiedener Rückfahrassistenten durchgeführt werden. Es ist ein Vorschlag für ein Testverfahren für die Systeme zu erarbeiten, um letztlich die Zahl von Unfällen mit Personenschaden beim Rückwärtsfahren mit Pkw/ Kleintransportern verringern zu können.

PROSPECT (5115000)
Viele Fahrzeuge, die heute auf dem Markt sind, verfügen bereits über automatische Notbremssysteme. In vielen Situationen, beispielsweise bei Fußgängerunfällen, ist ein drohender Unfall erst sehr spät erkennbar. Durch die daraus folgende späte Eingriffszeit ist es auch für die AEB-Systeme schwierig, einen Unfall zu vermeiden. Außerdem haben heutige Systeme nur Zugriff auf die Fahrzeugbremse. Proaktive Sicherheitssysteme könnten wirksamer sein, wenn sie ihren Eingriffszeitpunkt besser an die Verkehrssituation und die Ermüdung des Fahrers anpassen, und wenn sie zusätzlich zum Bremseingriff auch Lenkeingriffe verwenden würden. Im Rahmen des Projekts PROSPECT (PROactive Safety for PEdestrians and CyclisTs) werden erweiterte Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMI) sowie fortschrittliche Fahrzeugsteuerungsstrategien für den kombinierten Lenk- und Bremseingriff konzipiert. Es werden nicht nur neue realistische Zielobjekte entwickelt, sondern auch Tests unter realistischen Umgebung mit anderen bewegten Objekten, Infrastruktureinrichtungen, Unordnung und dergleichen durchgeführt. Die BASt leitet die Validierung und Tests und ist in der Unfallforschung sowie der Nutzen Abschätzung beteiligt.

Erhebungen der Unfallursache „Technischer Mangel“ in Europa – Erarbeitung einer Verfahrensvorgabe (82.610)
Zur weiteren Verbesserung der Verkehrssicherheit sind tiefere Kenntnisse über die Art und den tatsächlichen prozentualen Anteil unfallverursachender und -beeinflussender technischer Mängel am gesamten Unfallgeschehen erforderlich. Vorliegende Informationen der nationalen Unfallstatistik zur Unfallursache „Technischer Mangel“ sind als Grundlage für die Ableitung von Maßnahmen nicht ausreichend belastbar und aussagekräftig. Ziel ist die Erarbeitung einer Verfahrensvorgabe für die wissenschaftlich fundierte Ermittlung unfallverursachender und -beeinflussender technischer Mängel. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, einheitliche, vergleichbare und valide Datenerhebungen national und europaweit durchführen zu können.

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